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Historischer Brunnenschacht in Köllerbach entdeckt

Ein Brunnenschacht aus dem 17. Jahrhundert kam im Hof des evangelischen Pfarrhauses in Köllerbach
wieder ans Tageslicht. Die Feuerwehr versuchte, ihn auszupumpen.

Ein Brunnenschacht aus dem 17. Jahrhundert kam im Hof des evangelischen Pfarrhauses in Köllerbach wieder ans Tageslicht. Die Feuerwehr versuchte, ihn auszupumpen.

Das war einer der ungewöhnlichsten Einsätze für die Feuerwehren aus Köllerbach und Püttlingen – denn wann haben Feuerwehrleute schon mal die Möglichkeit, sich als Archäologen zu betätigen? Am vorigen Dienstag sorgte das große Aufgebot der Feuerwehr im evangelischen Pfarrhof in Köllerbach auch für reges Interesse zahlreicher Nachbarn.

Schon der Grund für diesen Einsatz war ungewöhnlich: Im Pfarrhof war im Rahmen von Sanierungsarbeiten ein mindestens zwölf Meter tiefer, aus Sandsteinen gemauerter Brunnen wiederentdeckt worden, der vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt. „Wir wussten zwar, dass es diesen Brunnen gab, aber nicht mehr, wo er genau lag“, erklärte Pfarrer Professor Joachim Conrad.

Brunnen als Versteck genutzt?

Das Landesdenkmalamt, vertreten durch Mario Reuter, und die Kirchengemeinde vermuten, dass im Brunnen Dinge liegen, die man im Dreißigjährigen Krieg hineingeworfen hat, etwa Münzen oder Ledertaschen. Conrad, selbst Historiker, schildert: „Damals hat man gerne mal etwas in einen Brunnen geworfen, um es zu verstecken. Falls man wieder zurück kam, wurde ein Kind an einem Seil hinabgelassen, das dann tauchen durfte – für einen Erwachsenen mit Atemgerät ist das natürlich ungleich enger.“

Tatsächlich ist bekannt, dass der Vorgängerbau des heutigen Pfarrhauses 1632 geplündert und teilweise zerstört wurde. Der Pfarrer floh und kehrte nicht mehr zurück.

Falls aber in jenen Tagen tatsächlich etwas im Brunnen zurückgelassen wurde, dann würde man den Schacht leer pumpen müssen, um es zu finden. Und genau hier kommt die Feuerwehr ins Spiel: „Zeitweilig arbeiteten drei Pumpen auf Hochtouren, denn es standen mindestens fünf Meter Wasser im Brunnen“, schildert Pfarrer Conrad. Der Köllerbacher Feuerwehrmann Timo Krächan wurde schließlich von der Püttlinger Wehr mit der Drehleiter- Winde hinabgelassen. Da die Möglichkeit bestand, dass sich in dem Schacht Methangas angesammelt hatte, trug er dabei ein Atemschutzgerät.

Zu viel Wasser im Schacht

Doch unten musste Krächan feststellen, dass der Boden des Schachtes noch immer nicht erreichbar war. Möglicherweise hatte sich beim vorangegangenen Test das Senkblei verfangen, jedenfalls war das Wasser unter ihm noch immer über zwei Meter tief, „und das Wasser lief in Strömen von allen Seiten in den Brunnen zurück“, schildert Conrad. So musste die Aktion abgebrochen werden. „Aber Jürgen Kunz, der den Einsatz geplant und geleitet hatte, will in der Trockenzeit einen neuen Versuch wagen“, so Conrad, der zudem eine erfreuliche Nachricht hat: „Der alte Brunnen soll künftig erhalten bleiben. Ein neuer Brunnenrand wird aufgemauert und mit einem Schutzgitter abgedeckt.“

Das Brunnenwasser sei übrigens glasklar gewesen, „ein paar Mutige haben es sogar probiert – es war vollkommen geschmacksneutral“. Und das Gemeindefest im Pfarrhof „wird dann künftig sozusagen zum Brunnenfest“.

HINTERGRUND

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war genau genommen eine Mischung aus mehreren Kriegen, in denen eine ganze Reihe von Parteien stritten und Allianzen schmiedeten. Es ging um die Vormacht im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“, aber auch um die Vormacht in Europa; gleichzeitig war es ein Religionskrieg: „Katholische Liga“ und kaiserliche Truppen kämpften innerhalb des Reiches gegen die „Protestantische Union“ aus acht Fürstentümern und 17 Städten. Zudem kämpften die Habsburger Mächte Österreich und Spanien gegen Frankreich, Niederlande, Dänemark und Schweden (zeitweise kämpfte auch Schweden gegen Dänemark). Etliche Landstriche wurden komplett verwüstet. Im Köllertal wurde etwa die Burg Bucherbach 1627 durch kaiserliche Truppen zerstört und nach dem Wiederaufbau (1645) erneut niedergebrannt. mr

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