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Hobby-Gärtner machen Saarbrücken zum Gemüsegarten

Gemeinsam gärtnert die Gruppe »Saarbrücken - die essbare Stadt« am Echelmeyerpark neben der St. Michaelskirche.

Gemeinsam gärtnert die Gruppe »Saarbrücken - die essbare Stadt« am Echelmeyerpark neben der St. Michaelskirche.

Zehn Personen stehen im Pfarrgarten der St. Michaelskirche am Echelmeyerpark. Über ihnen der wolkenlose Himmel, unter ihnen ein halb fertiges Beet. Bohnen wachsen hier, Kohlrabi, Erbsen, Kürbis und Zucchini. Im restlichen Garten herrscht noch Verwüstung. Mit Schaufeln und Hacken graben sie ein längliches Loch in die Erde. Eine Hügelkultur soll dort entstehen – ein System, das irgendwann unabhängig von menschlicher Pflege funktioniert. In das Loch sollen all die Wurzeln, Äste und der Grünschnitt, von dem die Truppe den Pfarrgarten zuvor befreit hatte. Darauf eine Schicht Humus und eine Schicht Erde.

Auf und an den Hügel wollen sie dann Pflanzen setzen, die jedes Jahr Ertrag bringen. Durch die entstehende Permakultur „kann man im Frühjahr früher anpflanzen und im Herbst länger ernten“, erklärt Hobby-Gärtner Matthias Geiter. Die Gruppe, die sich um den urbanen Nutzgarten kümmert, nennt sich „Saarbrücken – die essbare Stadt“. Schon bald soll es eine Vereinsgruppe sein. Tina Kunzler brachte den Stein ins Rollen. Im Internet fand sie Gleichgesinnte, Mitte Mai kam es zum ersten Treffen. Gärtner-Wissen brachten die meisten nur spärlich mit. Aber gemeinsam wollten sie Nutzgärten in der Öffentlichkeit anlegen. Die Aktion „von oben“ anzugehen, also mit dem Einverständnis der Stadtverwaltung, erschien ihnen zu langwierig.

Also begannen sie einfach zu pflanzen. Sie starteten eine Bewegung „von unten“, die von ihnen, also von der Bevölkerung, ausgeht. Ihr erstes kleines Beet entstand ohne Genehmigung am Staden „wegen der Nähe zum Wasser“, sagt Kunzler, „und weil es schön sichtbar ist“. Denn das, was dort wächst, sei nicht nur für die, die es angepflanzt haben, sondern für alle. Kunzler: „Wir wollten von vorneherein zeigen: Es ist für euch. Jeder kann sich davon bedienen.“ Eine offizielle Erlaubnis erhielten sie dann von der St. Michaelskirche, wo die Gruppe sich vor einem Monat des etwa zehn Meter langen und fünf Meter breiten Gartens am Echelmeyerpark angenommen hat. Noch seien die Besucher zaghaft, würden den Arbeitenden sagen, wie schön die Idee sei, aber bedient habe sich außer der Gruppe selbst noch niemand. Am Staden funktioniere es besser.

Dort wurden die Erdbeeren gegessen und ein paar Erbsen gepflückt. Und in so einem Garten gibt es ständig was zu tun: „Der Kohl am Staden muss geerntet werden“, sagt Tim Feyerabend. Die meisten der engagierten Stadtbewohner treibt der Wunsch nach einem eigenen Garten an, sagt Louisa Hantsche. Und natürlich auch, dass dabei etwas Gesundes zum Essen entstehe und nicht nur irgendeine Blume. Aber auch ein politischer Gedanke stecke hinter der Aktion: Viele der Mitglieder sind gegen große Saatgutkonzerne, die genetisch veränderte Samen verkaufen. Und sie sind dagegen, dass sich Menschen von ihrem Essen entfremden.

Deshalb verwendet „Die essbare Stadt“ auch „alte Samen“, die im Gegensatz zu genmanipulierten Samen, mehrmals Ertrag bringen, erklärt Kunzler. Irgendwann soll das Projekt zum Selbstläufer werden, sagt Kunzler, „irgendwann wird es weniger Arbeit. Nur die Etablierung ist hart“. Zur Belohnung wollen die urbanen Gärtner der „essbaren Stadt“ im Herbst ein Erntedankfest feiern – mit allen, die sich für die Mitmach-Gärten interessieren.
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