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Hoch radioaktiver Müll soll ab 2070 in Lothringen endgelagert werden

Ratternd bewegt sich der Aufzug durch 170 Millionen Jahre Erdgeschichte, durch Lehm und Kalk bis nach fünf Minuten in 500 Metern Tiefe die Tonschicht erreicht ist. Hier soll – wenn die französische Regierung zustimmt und die Atomaufsichtbehörde die Genehmigung erteilt – ab 2025 radiaktiver Müll auf einer Fläche von 30 Quadratkilometern endgelagert werden. Nach aktuellen Planungen will die Gesellschaft für Atommüll (Andra) 2015 einen Genehmigungsantrag stellen. Der Bau soll 2018 beginnen.

Auch deutsche Experten von der Bundesanstalt für Geowissenschaften sind an den Forschungen im 80 Einwohner-Ort Bure etwa 120 Kilometer vom Saarland beteiligt. Viele Eigenschaften des Tongesteins eignen sich ihrer Ansicht nach für die Lagerung von mittel- und hoch radioaktivem Atommüll. „Durch die geographische Lage ist die Gefahr von Erdbeben praktisch inexistent“, sagte der stellvertretende geschäftsführende Direktor der Andra, Jean Paul Baillat. Der Ton sei sehr dick und dicht und habe die Eigenschaft, sich selbst wieder zu verschließen. Es gebe keine Verbindung zum Grundwasser.Noch laufen allerdings Tests, damit wärme bildender Atommüll nicht das Wasser im Ton zum Schmelzen bringt und das Gestein brüchig werden lässt.

Zunächst soll daher ab 2025 nur mittelaktiver Atommüll eingelagert werden, der kalt ist. Es dauert Jahrzehnte, bis die hochaktiven, 450 Grad heißen Abfälle auf eine Temperatur von 90 Grad abgekühlt sind. Bis 2070 werden sie in La Hague zwischengelagert.2016 entscheidet das französische Parlament, ob der Atommüll nach 100 Jahren zurückgeholt werden kann. „Es ist möglich, dass die Forschung bis dahin bessere Lagerungsmethoden gefunden hat oder es eine neue Art der Aufbereitung gibt“, erklärte Baillat.

Seit 1991 hat Frankreich 1,5 Milliarden Euro in die Endlagersuche gesteckt, allein rund 250 Millionen Euro in Bure, dessen Betrieb pro Jahr 20 Millionen Euro kostet. Aktuell arbeiten 330 Mitarbeiter in Bure, bis zu 2000 sollen es während den Bauarbeiten sein.

Das Saarland, Luxemburg und Rheinland-Pfalz haben starke Bedenken gegen das geplante Endlager und haben beim Ökoinstitut in Darmstadt ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Das amerikanische Institut IEER hat 2011 die Planungen der Andra als zu optimistisch bewertet“, sagte die Grünen Landtagsabgeordnete Simone Peter. Die aufgeworfenen Fragen zu Hohlräumen im Gestein, Trinkwasseradern, Felsspalten und zum Temperaturverhalten des Gesteins habe die Andra nicht befriedigend beantwortet.„Sie sind unseren Fragen ausgewichen“, befanden nach der Besichtigung auch Isolde Ries (SPD) und Michael Hilberer (Piraten).

Anderer Auffassung war CDU-Generalsekretär Roland Theis: „Ich bin positiv angetan von der Offenheit und der umfassenden Information.“Kritik äußerten die saarländischen Abgeodneten gestern vor allem an einer aus ihrer Sicht zu frühen Festlegung auf den Standort Bure. „Die Entscheidung für Bure ist eher politisch und nicht wissenschaftlich getroffen worden“, sagte Peter. „Man hätte die anderen Optionen, Lager in Granit und Salz, gleichwertig erforschen müssen, und dann die Entscheidung treffen“, sagte Ries.

Ob die gesetzlich vorgeschriebenen öffentlichen Anhörungen, die vor zwei Wochen wegen Protesten abgesagt wurden, fortgesetzt werden, entscheide sich im Lauf dieser Woche. SPD und Grüne forderten, die Suche nach atomaren Endlagern künftig EU-weit zu koordinieren. Anrainerstaaten sollten ein Mitbestimmungsrecht erhalten. Bei den unverbindlichen Anhörungen könne das Saarland seine Interessen lediglich vorstellen. Die Entscheidung treffe die französische Regierung.
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