B423 Stadtgebiet Blieskastel, Zweibrücker Straße bis Saar-Pfalz-Straße Zwischen Blieskastel und Aßweiler Vollsperrung, Baustelle bis 28.10.2017 06:00 Uhr Zwischen Ortsausgang Blieskastel und Ortseingang Biesingen (09.10.2017, 06:27)

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Hochkonjunktur für Gartenzwerge

Saarbrücken. US-Präsidentengattin Michelle Obama hat einen, Designer Wolfgang Joop auch, Prinz Charles hat mehrere. Der eigene Garten ist beliebt. Auch bei vielen Saarbrückern. Auf den Tisch kommt, was vorher gepflanzt, gegossen und gepflegt wurde.

Auch bei Franz Koltes. Der 69-Jährige hat einen kleinen Garten mitten in Saarbrücken, direkt am Ostbahnhof. Über einen zugewachsenen schmalen Pfad kommt man in die Stadtoase. Hier stehen auf engstem Raum Obstbäume und Sträucher. Hier findet man verschiedene Beete. Einen Korb voller Johannisbeeren stellt Koltes in seinen Kofferraum. "Die wird meine Frau entsaften." An den Bäumen hängen Äpfel, Pflaumen und Pfirsiche. An Sträuchern wachsen Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren, in den Beeten verschiedene Salate, Meerrettich, Möhren, Zucchini, Bohnen, Rote Bete und Zwiebeln. "Hier weiß ich, dass nichts gespritzt und alles frisch ist." Für Schnecken lässt er ein paar Salatköpfe stehen, für Igel hat er Reisig aufgeschichtet.

War der Gemüsegarten nach dem Krieg noch lebenswichtig, brachte das Wirtschaftswunder volle Supermarktregale. Beete wurden durch Rasenflächen ersetzt. Jetzt die Trendwende: Fleischskandale und unechte Lebensmittel, fades Gemüse und geschmacklose Früchte verderben den Appetit. Bioprodukte als Alternative sind aber meist teuer. Greifen also mehr Leute zu Hacke und Spaten, um Geld zu sparen? "Natürlich ist das Gemüse aus dem Garten billiger, aber man darf die Arbeitszeit nicht mit einrechnen", sagt Koltes. Er ist jede Woche acht bis zehn Stunden in seinem Garten. Das macht ihm Spaß: "Die körperliche Arbeit ist ein guter Ausgleich", sagt Koltes. Gesundheitsexperten sagen, dass 20 Minuten Gartenarbeit wie ein Miniurlaub wirken. Stresshormone werden abgebaut, das Immunsystem und die Muskulatur werden gestärkt, der Bluthochdruck sinkt.

Was früher als spießig galt, ist heute Trend. Junge Leute und Familien zieht es auf die eigene "Scholle". Uschi Klass ist Vorsitzende des Saarbrücker Kleingartenvereins Knappenroth. Sie bestätigt den Trend: "Unter zehn Bewerbern sind mittlerweile zwei junge Leute." Normalerweise sind ihre Pächter zwischen 60 und 80 Jahre alt. Die Anlage hat 65 Parzellen. Vier Gärten sind an Familien unter 30 Jahren verpachtet. Ein Drittel einer Parzelle, so die Vereinssatzung, muss Nutzgarten sein. In Saarbrücken hat die Stadt an Vereine 13 Kleingartenanlagen mit über 1000 Parzellen vermietet. "Wir haben etwa zwei bis drei Prozent Leerstände", sagt Tanja Krämer von der Stadt-Pressestelle. Was viele junge Leute abschrecken dürfte, ist die hohe Ablöse von zwei- bis dreitausend Euro an den Vormieter. Maximal dürfen als Ablöse 9000 Euro verlangt werden, sagt Tanja Krämer. Zwischen 40 und 50 Euro Pacht fallen jährlich an. Auch die Stadt selbst besitzt noch viele Parzellen. "Die Nachfrage ist größer als das Angebot", sagt Franz-Joseph Maurer, Geschäftsführer des Vereins Bahn-Landwirtschaft Bezirk Saarbrücken. Der Verein hat in Saarbrücken rund 300 Parzellen. Pro Quadratmeter müssen Pächter 19 Cent im Jahr zahlen, sagt Maurer. Er empfiehlt Interessenten, sich frühzeitig auf Wartelisten setzen zu lassen.

Infos und Anmeldung bei der Bezirksgruppe der Kleingärtner unter Tel. (06 81) 7 60 65, beim Verein Bahn-Landwirtschaft Bezirk Saarbrücken unter Tel. (06 81) 41 62 52 20 und beim Amt für Liegenschaften unter Tel. (06 81) 90 514 61.


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