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Höll mit Finanzspritze aus Insolvenz gerettet

Die Wurst von Höll wird es weiter geben - die Insolvenz ist vorerst abgewendet. Um die entlassenen Mitarbeiter wirbt indessen der Konkurrent Schwamm.

Die Wurst von Höll wird es weiter geben - die Insolvenz ist vorerst abgewendet. Um die entlassenen Mitarbeiter wirbt indessen der Konkurrent Schwamm.

Saarbrücken. Die saarländische Landesregierung hat dem Wurstwarenhersteller Höll mit einer Liquiditätsspritze von 4,5 Millionen Euro aus der Insolvenz geholfen. Finanz- und Wirtschaftsminister Peter Jacoby (CDU) teilte gestern mit, dass die Landesgesellschaft „Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft“ (SBB) die Immobilien der Produktion von Höll in Saarbrücken für 4,5 Millionen Euro gekauft habe und sie für eine Dauer von zehn Jahren an die Höll-Gruppe zurückvermieten werde. Dadurch erfolge ein Rückfluss des Kaufpreises einschließlich Finanzierungs- und Nebenkosten. Jacoby betonte, dass nicht nur die Werthaltigkeit der Immobilie, sondern auch das Fortführungskonzept für Höll vor dieser Entscheidung geprüft worden seien. Es ist nicht die erste Hilfe des Landes für den Wurstwarenhersteller. Bereits im August vergangenen Jahres, noch vor der Insolvenz Ende September, hat die SBB ein Höll- Grundstück in Illingen für 1,5 Millionen Euro übernommen. Auch angesichts der jüngsten Landeshilfe konnte die Insolvenz von Höll gestern beendet werden. Insolvenzverwalter Günter Staab teilte mit, dass das bisherige Unternehmen in eine Neue Höll Fleisch & Wurstwaren GmbH überführt worden ist.

Neuer Besitzer ist die Gründerfamilie des Unternehmens um den Investor Gunter Thielen. Der Bertelsmann-Aufsichtsratschef Thielen ist Vater des Höll-Geschäftsführers Michael Thielen und über seine Ehefrau Mitglied der Höll-Familie. Angesichts der Entlassung von 100 Arbeitnehmern und den Einsatz osteuropäischer Werkvertrags-Arbeitnehmer betonte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), dass die Landesregierung großen Wert darauf lege, dass dies nur eine Maßnahme sein könne, um die aktuelle Insolvenzsituation zu beenden und keine Maßnahme, die auf Dauer die Stammbelegschaft ersetzt. „Wenn das der Fall sein sollte, werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen, weil es dann ein Missbrauch ist“, sagte Kramp-Karrenbauer gestern. „Für die Landesregierung ist es nicht hinnehmbar, wenn rechtlich statthafte Instrumente, die dazu gedacht sind, Produktionsspitzen abzufedern, zu ruinösem Wettbewerb führen“, sagte sie.

Auch die Gewerkschaft NGG fordert eine Rückkehr zur Stammbelegschaft. Vordringlich sei jetzt der Verzicht auf die Werkvertragsarbeitnehmer. Stattdessen gelte es nun im Rahmen eines Zukunftskonzeptes, die Stammbelegschaft zu qualifizieren, die Eigenmarke zu stärken und in das Unternehmen zu investieren.

HINTERGRUND

Um Lohndumping und Wettbewerbsverzerrungen über Werkverträge und Leiharbeit zu begrenzen, hat sich Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer gestern ausdrücklich für das Modell eines Tarifmindestlohns ausgesprochen.

Die Wirtschaftsförderung im Saarland will sie außerdem an eine Leiharbeitshöchstquote koppeln.

Nur Unternehmen, die maximal zehn Prozent Leiharbeiter beschäftigen, sollen die volle Förderung erhalten. SPD-Landeschef Heiko Maas wiederum hat angesichts der Entwicklungen bei Höll im Falle eines Wahlsiegs eine Gesetzesinitiative angekündigt, um Auswüchse in der Leiharbeit in der Saar-Wirtschaft zu unterbinden. jwo

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