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Homburg: Uniklinikum rechnet mit Millionendefizit

„Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe“, meint Professor Dr. Wolf-Ingo Steudel, ärztlicher Direktor und Vorstandschef des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS). Hochleistungsmedizin, Forschung und Ärzteausbildung auf Spitzenniveau erwarten Patienten , Studenten, Politik und Kassen von der Vorzeigeklinik im Landesbesitz. Rund 50.000 stationäre und etwa 200.000 ambulante Patienten wurden 2013 dort behandelt, 32.750 Operationen durchgeführt. Rund 5400 Mitarbeiter (davon 570 Ärzte und 2000 Pflegekräfte) und zusätzlich 800 Universitätsbeschäftigte arbeiten auf dem Campus. Das alles hat seinen Preis. Das Saarland überweist jährlich 45 Millionen Euro an die medizinische Fakultät, die davon 22 Millionen Euro an die Klinik zahlt. Bei einem Umsatz von knapp 400 Millionen Euro klafft die Schere zwischen Kosten- und Erlösen dennoch immer weiter auseinander.

 Ulrich Kerle, kaufmännischer Vorstand, dessen Managervertrag gerade um zehn Jahre verlängert wurde, spricht deshalb gebetsmühlenhaft immer wieder von „optimieren“. Vielleicht hat der seit 2005 am UKS wirkende Chefkaufmann dieses Wort gewählt, weil es freundlicher klingt, als „sparen“ oder „rationalisieren“. Kerle kennt die knallharten Fakten, die tiefroten Zahlen und die Prognosen wie kaum ein anderer auf dem Homburger Campus. Von 2008 bis 2012 schrieb das UKS noch schwarze Zahlen. Für 2013 wird ein jahresbezogenes Defizit von 2,6 Millionen Euro notiert. Die finanzielle Talfahrt setzt sich nach einer aktuellen Prognose 2014 fort. Die Kalkulation geht von einer durchschnittlichen Belegung von 85 Prozent der 1300 Planbetten aus. Kerle: „Jedes Prozent mehr ist Gewinn.“

Kerle und Steudel erwarten für 2014 ein Minus zwischen sechs und sieben Millionen Euro . Voraussetzung dafür sei allerdings, dass ein Paket von bereits eingeleiteten „Optimierungsmaßnahmen“ die erwartete Wirkung zeige. Tritt diese nicht ein, wäre unter widrigen Umständen ein Katastrophenszenario von bis zu 18 Millionen Euro Defizit möglich. Das UKS ist durchweg in guter Gesellschaft: Angeblich kalkuliert jede Zweite der 32 deutschen Unikliniken mit einem mindestens siebenstelligen Minus.

Ein Kardinalproblem in Homburg ist nach Angaben der Vorstandsspitze, dass die tarifbedingte Steigerung der Personalkosten nicht durch erhöhte Leistungsentgelte ausgeglichen wird. Was exakt auf dem Campus „optimiert“ wird, verraten Kerle und Steudel nicht im Detail. Den oder die großen Einsparbrocken gebe es nicht. An vielen kleinen und größeren Schrauben müsste gedreht werden. „Es wird niemand entlassen“, verspricht Kerle. Allerdings stehen Umstrukturierungen an, die erhöhte Anforderungen an die Belegschaft bedeuten. 76 Stationen zählt das UKS derzeit noch. Klein- und Ministationen sollen in größeren Einheiten aufgehen. Energiekosten und logistische Herausforderungen auf dem weitläufigen Campusgelände (30-Kilometer-Straßennetz) mit 120 Gebäuden sind weitere
 „Optimierungsfelder“. Ein Großteil des Defizits wäre, so Kerle und Steudel, schon ausgeglichen, wenn das UKS über andere bauliche Strukturen verfügen würde, wie die meisten der übrigen 31 deutschen Unikliniken. Idealfall wäre etwa eine große Klinik an einem Standort. Der 140 Millionen Euro teure Neubau der Inneren Medizin, dessen erster Bauabschnitt mit fünf Monaten Verspätung im Mai 2015 in Betrieb gehen soll, ist aus Vorstandssicht ein Meilenstein in Sachen Optimierung. Denn: Derzeit sind die Fachdisziplinen noch auf sieben Gebäude auf dem Gelände verteilt, was neben höheren Kosten für Patienten und Personal lange Wege und Wartezeiten bedeutet.
 
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