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Homburg ohne Café Maas

Das Café Maas war ein richtiger Klassiker, auch die Einrichtung.</p>

Das Café Maas war ein richtiger Klassiker, auch die Einrichtung.

Noch vor 17 Jahren wollte Richard Zink seine Torten an die Wand werfen, denn sein Geschäft lief nicht gut. Am letzten Tag, also an diesem Montag, 31. Oktober, ist das Café Maas ausgebucht, die Torten sind entweder schon vorbestellt oder wechseln so schnell über den Tresen, dass innerhalb kürzester Zeit die Theke leer gekauft sein wird.

Seit die Schließungspläne der beiden Geschäftsführer Richard Zink und Hans-Peter Rummler bekannt geworden sind, konnte sich das beliebte Café kaum noch vor dem Ansturm retten, „es ist so, als wollten unsere Kunden noch schnell ihre Lieblingstorten essen, bevor es sie hier nicht mehr gibt“, sagt eine Mitarbeiterin an der Kuchentheke.

Obwohl – die Torten gibt es künftig immer noch, nur nicht mehr am alten Standort in der Innenstadt, sondern in der Nähe der Gustavsburg am Jägersburger Schlossweiher. „Wir machen etwas langsamer“, sagt Richard Zink , „ich bin jetzt 60 und muss nicht mehr an sechs Tagen in der Woche 16 Stunden in der Backstube oder im Geschäft stehen“.

Auch sein Geschäftspartner Hans-Peter Rummler, der zwar etwas jünger ist, trug die Entscheidung mit: „Wir werden immer noch unser Café haben, aber mit weniger Tischen, und wir erlauben uns, montags und dienstags Ruhetag zu haben“, so Zink . Richard Zink ist Konditor-, Hans-Peter Rummler Bäckermeister – beide stammen aus der nahen Pfalz und entschlossen sich 1998 dazu, das damals leer stehende Café Maas in der Homburger Innenstadt zu übernehmen.

Am Anfang waren es harte Jahre, denn niemand kannte die beiden „Neuen“ – außerdem hatten die Homburger mit dem vorangegangenen Pächter schlechte Erfahrungen gemacht. Zink erinnert sich, dass er sogar Leute auf der Straße ansprach und ihnen versicherte: „Ich lade Sie zu einem Stück Torte ein, wenn es Ihnen schmeckt, schenke ich es Ihnen.“ Drei Jahre dauerte die Durststrecke, „wir waren fast am Ende“, sagt Zink . Und dann kam der Wandel: Über Mundpropaganda verbreitete sich die Botschaft, die Torten seien hervorragend und auch sonst lohne sich ein Besuch im neu auferstandenen Café Maas.

Die Liste ist lang: Hochzeitsgesellschaften, Familienfeiern, Busladungen mit Rentnern, Clubs und Damenzirkel, alle kamen ins Café Maas, und alle liebten die gute alte Caféhaus-Atmosphäre, die Kronleuchter, die Wandgemälde, die Champagnercreme- oder die Schwarzwälder Kirschtorte . Nicht nur ältere Menschen, auch Studenten kamen vorbei und genehmigten sich zur bestandenen Klausur gerne mal einen üppig mit Sahne bestückten Windbeutel.

Richard Zink , Konditor mit Leib und Seele, erfand immer wieder neue Rezepte, doch die Klassiker blieben: „Die Flockensahne, die Hindenburgcrème, die Champagnersahne, das sind von Anfang an die Renner unserer Kuchentheke gewesen.“ Vor zwei Jahren kam dann eine deutschlandweite Auszeichnung: Zink und Rummler landeten mit dem Café Maas im renommierten Feinschmecker-Magazin unter den besten Cafés in Deutschland.

Doch da waren die Kuchen und Torten aus Homburg längst kein Geheimtipp mehr, das Café kannten Besucher von Trier bis Mannheim, „viele kamen, weil sie Besuche am Uniklinikum machten“, erinnert sich Richard Zink , „die kamen wieder, nur, um bei uns die Torten zu essen“. Nun ist Schluss mit der bekannten Homburger Institution, einen Nachfolger haben die beiden Geschäftsführer nicht auftreiben können. „Wir haben bei der Handwerkskammer angefragt, wir haben junge Konditoren herumgeführt, aber niemand ließ sich locken. Zu viel Arbeit – das war das Hauptargument.“

Zink kann es nicht verstehen: „Ein gut eingeführtes Café ist doch eine tolle Chance, aber keiner sagte zu.“ Das Tortengeschäft wäre noch gegangen, „aber wenn wir betonten, dass auch Frühstücks- und Mittagsservice dazukommen müssen, um rentabel zu sein, lehnten alle ab“. Und so wird das Café Maas erst einmal leer stehen.

Was mit der Immobilie passiert, werden die Besitzer, die Familie Maas, entscheiden. Für Zink und Rummler beginnt jetzt ein neuer Abschnitt im Geschäftsleben. Sie freuen sich auf die neue Herausforderung am Jägersburger Schlossweiher bei der Gustavsburg.

Das dortige Café wird von Mittwoch bis einschließlich Sonntag von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet sein, es gibt Frühstück, Mittagessen und natürlich Kaffee und Kuchen. Derzeit wird es komplett modernisiert, in der zweiten Januarwoche soll es öffnen. Für die älteren Leute, die sich gerne im Café Maas getroffen haben, hat Zink sogar versucht, einen Fahrdienst nach Jägersburg zu organisieren, „aber das hat nicht geklappt“. Es sei schade, sagt, er, „aber man muss auch an sich denken. Bis zu 110 Gäste zu versorgen, das war harte Arbeit“. Auch Weihnachten wird diesmal ruhiger, denn „da standen wir bis oft zu 20 Stunden in der Backstube, um zusätzlich noch Plätzchen und Stollen zu backen. Diesen Stress muss ich mit 60 nicht mehr haben“.

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