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Homburg zahlte 23.000 Euro Bestattungskosten

Von SZ-Redakteurin Christine Maack

Homburg. Was passiert, wenn Menschen sterben, die keine Verwandten haben und sich keiner findet, der die Kosten für das Begräbnis übernimmt? Dann springt die Stadt ein. Denn wenn sich keine Angehörigen auftreiben lassen, muss die Ortspolizeibehörde der letzten Wohnsitzgemeinde die Bestattung anordnen. So regelt es das Saarländische Bestattungsgesetz. 2010 wurden allein in Homburg 27 Menschen „ortspolizeilich“ bestattet, wie es offiziell heißt. Die Kosten trägt die Stadt. 2010 waren das laut Ortspolizeibehörde 23 000 Euro, im Jahr davor 20 000 Euro, Tendenz also steigend. Das wird auch in anderen Städten beobachtet.

Ein Grund für den Anstieg sei der Wegfall des Sterbegeldes der Kassen, das zumindest Erwerbstätige absicherte, heißt es als Begründung innerhalb der saarländischen Kommunen. Die Menschen werden in Homburg in den Urnenreihengräbern im anonymen Urnenfeld auf dem Hauptfreidhof beigesetzt, so dass keine Grabpflege anfällt, informiert Manfred Schmidt, Leiter der Homburger Grünflächenabteilung. Ein solches Begräbnis koste rund 850 Euro. Zwar gebe es keine öffentliche Zeremonie für diese Bestattungen, allerdings würden die Urnen von kirchlicher Seite konfessionsfrei ausgesegnet.

Natürlich bemüht sich die Stadt darum, noch Angehörige wie Kinder, Eltern, Geschwister und Großeltern ausfindig zu machen, die die Kosten übernehmen können. Dabei wird zunächst beim Standesamt des Geburtsortes des Verstorbenen angefragt. Werden Verwandte gefunden, wird über Bürgerämter nach der aktuellen Anschrift gesucht. Die Kosten können allerdings auch über den Nachlass bestritten werden, so einer vorhanden ist. Da die Suche nach möglichen Erben jedoch sehr zeitaufwändig sei, träfen Zahlungen erst nach Monaten oder Jahren ein, heißt es weiter.

Ohnehin steigt die Zahl der Menschen, die der eigenen Bestattung kein allzu großes Gewicht beimessen wollen. Denn auch die Zahl jener Menschen nimmt zu, die sich freiwillig anonym bestatten haben lassen. Der Grund sei, dass diese keine Angehörigen mehr haben, oder ihre Angehörigen nicht mit den Kosten der Grabpflege zurücklassen wollen. Der Anteil derer, die für ihre eigene Bestattung vorsorgten, sei unter den Bedürftigen gering, so die Erfahrung. Zudem nehme die Zahl älterer Menschen, die ohne Familienkontakt oder Angehörige verstirbt, in den vergangenen Jahren zu, da immer mehr Menschen kinderlos seien. Im Vergleich zu Saarbrücken steht Homburg allerdings noch relativ gut da. In der Landeshauptstadt stieg die Zahl der ortspolizeilichen Bestattungen von 73 im Jahr 2004 auf 193 im Jahr 2009.

Kostenpunkt: rund 300 000 Euro. Das bestätigt, was Manfred Schmidt sagt: „Ich denke, es handelt sich hier in erster Linie um eine städtische, eher noch großstädtische Erscheinung. Dass Leute im ländlichen Raum gar keine Verwandten oder keinen Menschen haben, der sich um sie kümmert, kommt selten vor.“ Immerhin hat Homburg aber mehr Fälle als Neunkirchen, wo 2010 nur 19 Bestattungen auf Kosten der Stadt gingen. Das liege daran, dass Homburg Standort eines Uniklinikums sei. „Da kommen solche anonymen Todesfälle häufiger vor als an Orten ohne ein großes Krankenhaus“, vermutet Gerd-Michael Juen, der Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes der Stadt Homburg.
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