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Homburger Brauerei vertreibt künftig Spezialbiere aus dem Ausland

Die Karlsberg-Brauerei baut ihr Angebot erheblich aus. Das Unternehmen nehme mehrere Getränke-Spezialitäten in sein Portfolio auf, sagt Unternehmenschef Christian Weber . Darunter sind auch spezielle Biere: O'Hara's beispielsweise, ein irisches Craft-Bier, das in Irland seit knapp 20 Jahren am Markt ist. Oder das schottische Tennent's, das italienische Menabrea und das spanische Moritz. „Es sind alles Biere mit Geschichten“, sagt Weber. Und es sind diese Geschichten, mit denen er sich neue Marktanteile erschließen will. Sei es die von Louis Moritz Trautmann aus dem Elsass, den es vor über 150 Jahren nach Katalonien verschlug, wo er das Moritz-Bier erfand. Oder die der Familie Fleming, die im australischen Städtchen Bundaberg ein einzigartiges Ginger-Bier braut.

Webers Idee ist, in Szenestädten wie Hamburg, Düsseldorf oder Berlin in angesagten Clubs angesagte Biere zu platzieren, die attraktiver sind als Biere irgendeines Weltkonzerns. „Letztlich wollen wir außerhalb unseres Verbreitungsgebiet Türen öffnen, die wir sonst nicht öffnen können.“ Ein Risiko? Nein, sagt der Karlsberg-Chef. „Wenn die Region, in der wir das vermarkten können, größer ist als unsere Region, geht die Rechnung auf.“

Nicht nur Biere hat Karlsberg in das Programm aufgenommen, auch Tee in Flaschen, irischen Cider, Fruchtsirup und den Wodka des Saarbrücker Herstellers Dreyberg.

Mittelfristig will Karlsberg die Produkte vor allem in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich etablieren. „Es ist zwar schön, wenn wir auch nach China exportieren können, unser Wachstum findet aber hier vor Ort statt“, sagt Weber. Nicht alle Produkte seien sofort in beiden Ländern erhältlich – teilweise lägen die Vertriebsrechte noch in anderen Händen. „Noch“, betont Weber.

Während Karlsberg mit seinem Ur-Pils vor allem regional stark ist, hat die Brauerei mit dem Bier-Mischgetränk Mixery Kunden in ganz Deutschland. Und auch die entsprechenden Vertriebsstrukturen. „Für uns sind die neuen Produkte auch insofern ein Vorteil, weil wir unseren Vertrieb mit der neuen Aufgabe noch besser auslasten können“, sagt Weber. Außerdem eröffne das Angebot an ausgefallenen Getränkesorten die Möglichkeit, gemeinsam mit diesen auch weitere Produkte aus dem eigenen Haus zu platzieren.
 

Fünf Millionen Euro mehr





Grundsätzlich sei es gar nicht so trivial, ausländische Getränke in den deutschen Markt zu bringen, sagt Weber. Größter Hemmschuh hierzulande ist letztlich das Mehrweg-System. Während nämlich in Frankreich mit seinem Einweg-System die Originalflaschen verkauft werden können, müssen sie hier in einen Mehrweg-Kreislauf eingebracht werden. „Das heißt, dass die Getränke mit einem Tankwagen angeliefert und von uns abgefüllt werden müssen“, sagt Weber. Der höhere Aufwand ist aber auch ein Vorteil, denn „das können kleine Konkurrenten nicht so leicht nachmachen“. Auch finanziell werde sich die Portfolio-Erweiterung auszahlen, hofft Weber. Er rechnet mit einem Umsatzzuwachs von rund fünf Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre. „Das ist zwar noch ein geringer Anteil“, sagt er – 2014 hatte die Brauerei einen Gesamtumsatz von knapp 180 Millionen Euro – „aber wir sehen Potenzial.“ Vor allem, weil der Vorstoß die Kreativität der Mitarbeiter anrege, weitere Wachstums-Ideen zu entwickeln.


 

 

Meinung:
 

Sinnvoller Schritt

Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger

Auf den ersten Blick wirkt es bizarr – Karlsberg übernimmt den Vertrieb zahlreicher Fremdbiere und macht sich damit selber Konkurrenz. Doch der Schritt hat durchaus Sinn. Seit einiger Zeit haben Biere mit Geschichte Konjunktur. Bestes Beispiel sind die angesagten Craft-Biere kleiner Brauereien . Wenn diese Biere ebenso wie legendärer Apfelwein oder australisches Ginger-Bräu Türen öffnen, die bisher verschlossen waren, hat Karlsberg einen Punktsieg errungen. Wenn es dann noch gelingt, durch diese Tür den ein oder anderen Kasten Ur-Pils zu schieben, ist es deutlich mehr. Dann war die Strategie goldrichtig.

 

Zum Thema:

HintergrundMit der stärkeren nationalen Ausrichtung des Unternehmens geht auch eine Reorganisierung des Unternehmens zum 1. Januar einher. Künftig wird sich die Unternehmensleitung in der Holding vor allem auf die strategische Entwicklung konzentrieren, während das Tagesgeschäft auf vier operative Gesellschaften verlagert wird. Auf der operativen Ebene wird es dann Gesellschaften für die Brauerei in Saverne, die Brauerei in Homburg sowie die Bereiche Handel und Export geben. Die operativen Gesellschaften sollen eigenverantwortlich von vier Geschäftsleitern geführt werden. In der Holding werden Zentralfunktionen wie Finanzbuchhaltung, Personal, IT und Einkauf gebündelt. Außerdem soll sie Beratungsleistungen für die Geschäftsleiter der operativen Gesellschaften erbringen. jwo
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