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Homosexuellen-Trauungen auch vorm Altar

. Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, hat gestern im Gespräch mit der SZ offen bekannt, dass er seine Meinung hinsichtlich des Trauungswunsches homosexueller Paare revidiert hat. „Im Jahre 2000 war ich noch gegen die Segnungen von homosexuellen Partnerschaften im Gottesdienst“, sagte Weyer. Damals hatte die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu der die Kirchenkreise Saar-West und -Ost mit aktuell 146 000 Protestanten zählen, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare beschlossen. Bei der Synode, die am Sonntag in Bad Neuenahr beginnt, wollen die Synodalen beschließen, dass künftig auch Trauungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare in evangelischen Gotteshäusern möglich sind. „Jetzt soll es eine Amtshandlung geben, das ist der Unterschied zu den bisherigen Segnungen“, sagte Weyer.

Die Trauung sei in der evangelischen Kirche kein Sakrament wie in der katholischen Kirche. Sie sei eine Segenshandlung anlässlich einer standesamtlich eingetragenen Ehe. „Genau dasselbe soll jetzt bei den eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften gemacht werden“, erklärte Weyer. Anlässlich dieser Eintragung vor dem Standesamt soll es auch Trauungsgottesdienste geben können für gleichgeschlechtliche Lebenspartner. Dieser Trauungsgottesdienst werde dann im Gegensatz zu den bisher möglichen Segnungsgottesdiensten in die Kirchenbücher eingetragen. „Und es gibt dazu auch eine Urkunde“, betonte Weyer. Das sei dann ein „kirchlicher Rechtsakt“, wobei der Partnerschaft selber keine neue Qualität verliehen werde. Im politischen Raum gab es 2015 im Saarland heftige Kontroversen um die Homo-Ehe , in deren Verlauf sich Weyers Nachbarin am Saarbrücker Ludwigsplatz, Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ), klar gegen eine Homo-Ehe vor dem Standesamt positionierte. „Wir segnen die Liebe, wir segnen die Menschen, wir segnen die Partnerschaft“, sagte Weyer.

Seinen Sinneswandel seit 2000 begründete Weyer damit, dass er seitdem viele positive Erfahrungen bei der Beobachtung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gemacht habe. „Wenn eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft so ernst gemeint ist wie eine heterosexuelle, kann ich da keine qualitativen Unterschiede erkennen“, sagte Weyer. Er könne sich kein Urteil darüber erlauben, die einen besser und die anderen schlechter zu stellen. „Deshalb werde ich auf der Synode dem Antrag auf Trauungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare auch zustimmen“, so Weyer. Er gehe davon aus, dass die große Mehrheit der Synodalen ebenfalls zustimmen werde, genauso wie die übrigen sechs Vertreter aus dem Kirchenkreis Saar-West. Insgesamt nehmen nach Angaben des Landeskirchenamts 13 Saarländer an der Synode teil, darunter auch Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon ( SPD ).

Weyer sagte, dass es weiterhin konservative Kreise in der rheinischen Kirche gebe, die die Trauung von Homosexuellen ablehnten. Auch Pfarrer und Pfarrerinnen seien darunter. Diesen werde in dem zur Beschlussfassung vorliegenden Antrag die Möglichkeit gegeben, aus Gewissensgründen eine Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares abzulehnen. Dann müsse der jeweilige Superintendent für das Paar einen anderen Pfarrer finden, der die Zeremonie durchführe. Eine Veröffentlichung einer Liste mit Pfarrern, die keine Homo-Trauungen segnen wollten, sei jedoch nicht geplant. Jeder Pfarrer , der dies ablehne, müsse das auch dem jeweiligen Paar, das von ihm getraut werden wolle, erklären, sagte Weyer.

Seit 2000 seien im evangelischen Kirchenkreis Saar-West etwa 30 bis 40 homosexuelle Paare in Gottesdiensten gesegnet worden. „Ich habe so bewegende Segnungsgottesdienste gleichgeschlechtlicher Paare erlebt, wo ich gedacht habe, das war so schön und so ernst. Wie komme ich dazu, darüber zu urteilen?“, sagte Weyer. Da sei er mit Papst Franziskus einer Meinung, der schließlich auch gesagt habe: „Wie komme ich dazu, diese Menschen zu verurteilen?“.
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