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Hotpants oder Schul-Unifom: Wie sexy darf Mode in der Schule sein?

Tie-Up-Blusen sind gerade der letzte Schrei. Die luftigen Oberteile werden unter der Brust geknotet wie einst in den 1950ern. Dazu knappe Röckchen oder Hotpants. Mit jedem Grad, den das Thermometer höher klettert, werden die Klamotten der Schülerinnen knapper. Manche Schule versuchte schon gegen allzu viel Freizügigkeit vorzugehen. Das Stuttgarter Heidehof-Gymnasium etwa schaffte es sogar ins Fernsehen mit seinem Verbot von allzu sexy Kleidung. Dort wurde seitens der Schulkonferenz eine Art moderner Pranger angedroht: Ein sackartiges schwarzes XXXL-T-Shirt für jede und jeden, der auch nach einer Ermahnung im luftigen Freibad- Look erscheint. 2007 zielte eine ähnliche Regelung mehr auf Jungs. Damals waren Hosen angesagt, die so tief über dem Gesäß hingen, dass es unerwünschte Einblicke gab.

Heute findet die  aus Lehrer, Eltern und Schülern die straffen Tops, unter denen BHs herauslugen, ebenso grenzwertig wie Hotpants, so klein wie Tangas. Deshalb das Verbot. Zu einer Schuluniform mochte sich das evangelische Privatgymnasium gleichwohl nicht durchringen. Zwar entwarfen Oberstufenschüler eine adrette Schulkleidungs- Kollektion mit verschiedenen Oberteilen, die auf freiwilliger Basis getragen werden können.

Die Resonanz war und blieb übersichtlich. Die Schüler wollen und sollen individuell bleiben. In diesem Punkt waren sich Eltern, Lehrer und Schüler an dieser Privatschule einig.

Das Thema Schulkleidung ist so alt wie umstritten. Immer wieder gibt es Vorstöße. Auslöser sind zumeist, so eine Studie des Bundesamtes für Migration, „Auseinandersetzungen an den Schulen im Zusammenhang mit nichtkonformem Verhalten von Schülern, das sich oft auch durch eine abweichende Kleidung äußert“. Ob Punk in den 80ern oder Jeans in den 50ern, es ging um ein Aufbegehren gegen das Establishment. Das Problem hat sich verschoben in Zeiten, da Mütter häufig gleich aussehen und sich gleich kleiden wie ihre Töchter. Heute geht es um Geld und Integration.

2006 erschienen in Bonn zwei Schülerinnen nach den Osterferien bis auf einen schmalen Sehschlitz verhüllt in einer Niqab zum Unterricht. Die Schulleitung schloss die beiden aus disziplinarischen Gründen 14 Tage vom Unterricht aus. Die politische Debatte war da. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) schlug daraufhin eine einheitliche Bekleidung als Mittel der Integration von Kindern aus Zuwanderer- Familien vor. Doch alle Verbände und die meisten Politiker hielt damals dagegen: Mit uniformer Kleidung löse man „kein einziges Problem an Schulen“, wandten die Lehrerverbände ein. Lohnender wäre es aus Sicht etwa des Philologenverbandes, das Augenmerk darauf zu richten, „dass Jugendliche ordentlich gekleidet in die Schule kommen“.

Eltern sind in verschiedenen Umfragen aber zu mehr als 40 Prozent für einheitliche Kleidung. In Vergleichs-Studien wie der des Mannheimer Professors für Pädagogische Psychologie, Oliver Dickhäuser, wird ein „besseres Sozialklima“ in Klassen mit Einheitsshirts attestiert, auch ein stärkeres „Wir-Gefühl“. Schüler mit gleich designten Oberteilen legen auch mehr Wert auf ein „tieferes Verständnis der Unterrichtsinhalte“ als die Vergleichsschüler. Und trotzdem ist Einheitskleidung überwiegend verpönt.

Wenn es zu Mobbing- Aktionen unter den Schülern kam, ging es in den letzten Jahren häufig um Labels. Wer keine Markenklamotten trug, hatte einen schweren Stand auf dem Schulhof. Neidvoll blickten Eltern gerade aus finanziell benachteiligten Familien auf England, wo Schuluniformen oder zumindest Schulkleidung unumstritten sind.

Auch in Indien, Australien, Singapur, Neuseeland oder Südafrika überstanden die Einheitskleider an Schulen die Entlassung aus der Kolonialherrschaft. In den USA gelten rigide Dress-Codes, also exakte Kleidervorschriften etwa bezüglich der Rocklänge.

Erlaubt sind aber beliebige Marken oder Farben – so sie nicht eine Zugehörigkeit zu Gangs signalisieren. Dennoch sind Verbote bei uns unvorstellbar. Die Kultusministerkonferenz verwies 2010 in einer Stellungnahme zum Thema Schulkleidung auf Zurückhaltung „aus historischen Gründen“. Zu sehr erinnerten in Deutschland einheitliche Schulkleidung an die Uniformen der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel. Gleichwohl zeigten Politiker immer wieder Sympathie für den Gedanken: Die frühere Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) etwa meinte, dass einheitliche Schulkleidung zur Identifizierung mit der Schule beitrage und Symbol einer Gemeinschaft aller am Schulleben Beteiligter sei. Zudem wirke sie dem verbreiteten Markenwahn entgegen.

Heute, da selbst Designer Karl Lagerfeld für den Billiganbieter H&M Modelle entwirft, hat das Mobbing-Motiv „Markenkleidung“ etwas nachgelassen. Die Klamotten-Hänseleien gehen zurück. Für Schulleitungen geht es wieder – die 70er Jahre lassen grüßen – mehr darum, wie viel nackter Bauch oder blanker Hintern es in öffentlichen Bildungseinrichtungen sein darf. Die Politik setzt auf freiwillige Vereinbarungen – wie in dem Stuttgarter Privatgymnasium. Wie oft es zum „Kleider-Pranger“ wegen knapper Klamotten kam, vermochte das Rektorat zum Ende des Schuljahrs nicht sagen. „Uns geht es ja nicht in erster Linie um die Strafe, wir wollen mahnen“, sagte Rektor Berthold Lannert gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“. Einen Aufstand unter den Schülern habe es übrigens nicht gegeben. Im Gegenteil: Die Schüler hielten sich an die Kleiderordnung, berichtet der Schulleiter.

HINTRGRUND

Im Saarland gibt es keine Kleiderordnung an Schulen. Es ist auch nicht beabsichtigt, eine solche einzuführen, erklärte das Ministerium für Bildung und Kultur auf Nachfrage unserer Zeitung. Sollten an saarländischen Schulen Probleme wegen allzu freizügiger Kleidung auftreten, obliegt es laut Ministerium den Lehrkräften beziehungsweise der Schulgemeinschaft, dies im Einzelfall zu regeln. „Hierbei kann es auch vorkommen, dass eine Schülerin gebeten wird, ein T-Shirt überzuziehen“, sagte ein Ministeriumssprecher. red

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