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Hunderte Betrüger prellen Tankstellenpächter

„Leider ja“, das ist die Antwort von Michael Elss auf die Frage, ob er schon häufig Erfahrungen mit Tankbetrügern gemacht hat. Elss, 58, ist Eigentümer der BFT-Tankstelle in der Breite Straße im Saarbrücker Stadtteil Malstatt. Durchschnittlich etwa 1000 Euro, sagt er, gehen ihm deswegen jährlich verloren. „Der Tankbetrug ist mehr geworden“, findet er. Das liege auch daran, dass die Spritpreise gestiegen sind.

Seit er 19 Jahre alt ist, betreibt er Tankstellen, seit 30 Jahren an diesem Standort. Verschiedene Verhaltensweisen hat er in seiner langjährigen Laufbahn kennenlernen müssen: „Manche machen es ganz professionell, die kommen unvermummt und mit gefälschten Kennzeichen am Wagen, tanken und fahren weg.“ Vielfach, so seine Einschätzung, kämen diese Leute aus dem benachbarten Frankreich.

Dann gebe es welche, die für 20, 30 Euro tanken, dann noch etwas im Shop einkaufen und dabei „vergessen“, die Säulennummer zu nennen. Einige hätten beim Bezahlen plötzlich kein Geld mehr auf der Karte: „Die sagen, sie bringen es später, das mache ich nach vielen schlechten Erfahrungen aber nur noch gegen Pfand.“ Und dann, so Elss, gibt es die, die tatsächlich vor lauter Stress nach dem Tanken wieder einsteigen und wegfahren. Letztere hätten durchaus nichts Böses im Sinn, „die kommen dann zurück, sobald sie es merken.“

389 Tankbetrugsfälle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in der Landeshauptstadt. Das waren etwas weniger als 2012 (407 Fälle) und 2011 (415 Fälle). Dennoch: Einer 120-Städte-Studie des Produkt-, Energie- und Finanzdienstleistungsportals preisvergleich.de zufolge gehörte Saarbrücken im vergangenen Jahr zu den „Betrugshochburgen“, belegte den siebten Platz.

Hierfür wurde die Anzahl der Tankstellen (28) mit den angezeigten Betrugsfällen in Relation gesetzt. Statistisch betrachtet wurde danach im vergangenen Jahr jede Saarbrücker Tankstelle 14-mal von Tankbetrügern heimgesucht. Am schlimmsten war es der Untersuchung zufolge in Berlin (25 Tankbetrugsfälle pro Jahr und Tankstelle), danach folgten Solingen (22), Frankfurt/Main (19), Bottrop (17), Köln (17), Baden-Baden (14) – und eben Saarbrücken . Wesentlich ehrlicher waren die Kunden übrigens der Erhebung zufolge in der Nachbarschaft: In Trier verzeichnete man 2013 durchschnittlich nur zwei Delikte pro Tankstelle.

„Vor 20 Jahren haben die Zahlen sicherlich anders ausgesehen.“ Darauf weist Bernd Eberlein, Polizeihauptkommissar in der Inspektion St. Johann, hin. Das Phänomen Tankdiebstahl sei heutzutage sicherlich häufiger wegen der gestiegenen Preise. Kraftstoff sei mittlerweile ein Luxusgut. Ihm zufolge wurden im vergangenen Jahr 36,2 Prozent der Fälle aufgeklärt (2012: 27,8 Prozent, 2011: 27,5 Prozent).

„Spritklau ist nach wie vor eine Männerdomäne“, heißt es in der Studie weiter: „Von den über 33 693 ermittelten Tatverdächtigen waren im Jahr 2013 etwa 78 Prozent Männer .“

Das ist auch in Saarbrücken nicht anders, wie ein Blick in die Polizei-Statistik zeigt. Demnach waren laut Bernd Eberlein von den 126 identifizierten Tätern (davon 34 Nicht-Deutsche) insgesamt 102 Männer , 24 Frauen.

Und das deckt sich mit der Beobachtung des Malstatter Tankstellenbesitzers Michael Elss. Dem machen nach eigenen Angaben „zumeist Männer , größtenteils zwischen 18 und 35 Jahren“ mit ihren betrügerischen Machenschaften an der Zapfsäule das Leben schwer.
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