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Hungerstreik gegen die Altersarmut: Was die Saarbrücker im Januar 2016 bewegte

Selbst der kleine Kühlschrank von Uwe Hein war am Monatsende oft leer. Archivfoto: Becker&Bredel</p>

Selbst der kleine Kühlschrank von Uwe Hein war am Monatsende oft leer. Archivfoto: Becker&Bredel

Der Start ins Jahr begann für die meisten Menschen in Saarbrücken äußerst neblig. Nach 22 Uhr legte sich ein dicker Schleier in der Silvesternacht über die Stadt. Viele wollten vom Tribünenplatz am Schloss das große Feuerwerk über Saarbrücken erleben. Aber sie wurden enttäuscht.

Weitaus erfreulicher verliefen hingegen die ersten Januartage. So besuchte der bedeutende israelische Komponist Tzvi Avni seine Geburtsstadt Saarbrücken , die er nach der Machtergreifung Hitlers und dem Anschluss des Saarlandes an das Deutsche Reich bereits in seiner Kindheit verlassen musste.

Der Saarbrücker Ehrenbürger war beim Neujahrsempfang der Stadt zu Gast, hielt Vorträge und traf sich mit alten Freunden. Mit im Gepäck: viele schöne Erinnerungen. „Als Kinder haben wir immer am Deutschmühlenweiher gespielt“, erzählte Avni und: „Das Geräusch, wenn man auf die herabgefallenen Blätter tritt, werde ich nie vergessen.“

Sieben Jahre lebte Avni in der Landeshauptstadt, 1927 kam er dort als Hermann Jakob Steinke zur Welt. Erst 1988 besuchte er Saarbrücken wieder. „Ich wollte nicht zurück ins Saarland“, sagt Avni, doch seine damalige Frau legte Einspruch ein: „Sie wollte unbedingt wissen, wie meine Geburtsstadt aussieht“, erzählte er.

Zu einem Glücksfall für Saarbrücken wurde das 100. Jahr der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“. Die Stiftung hatte die Alt-Saarbrücker Friedenskirche für ihr Jubiläum auserkoren. 10 000 Euro standen so für die Fassadensanierung der alt-katholischen Kirche zur Verfügung. Die Fassadenarbeiten sind allerdings nur Teil eines weit größeren Vorhabens. Im Laufe der nächsten drei Jahre soll die Kirche mit der Hilfe des vom Bund geförderten Saarbrücker Programms „Kultur trifft Moderne – städtebauliche Einbindung des Barock-Ensembles Ludwigskirche in das Gesamtprojekt Stadtmitte am Fluss“ runderneuert werden. Der Bund sagte hierfür 3,6 Millionen Euro zu. Damit das Geld fließen kann, zahlt das Land jene 400 000 Euro, die das hoch verschuldete Saarbrücken als Eigenanteil aufbringen müsste.

Traurig hingegen die Entwicklung bei der Altersarmut . Im Januar meldete der Regionalverband, dass immer mehr alte Menschen auf die Hilfe des Sozialamtes angewiesen sind. Regionalverbandsdirektor Peter Gillo : „Von 2012 bis heute hat sich die Zahl der Grundsicherungs-Empfänger um 25 Prozent erhöht. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Menschen, die Hilfe zur Pflege erhalten, gar um 41 Prozent gestiegen.“

Ein Beispiel für Armut ist der Saarbrücker Uwe Hein. Der 57-Jahrige bezieht eine Erwerbsminderungsrente, die früher Erwerbsunfähigkeitsrente hieß. Knapp 800 Euro habe er im Monat zur Verfügung. In den Streitereien Heins mit diversen Ämtern ging es unter anderem darum, dass seine kleine Wohnung immer noch zu groß ist, als dass er einen Zuschuss oder Grundsicherung bekommen könnte. Im Januar trat er in den Hungerstreik, weil er Politiker aufmerksam machen wollte.

Ein weiteres Thema war die Wohnungssuche für Flüchtlinge . Am Jahresanfang informierte die Stadt über ihre Lösungsansätze, etwa das ehemalige Schlafhaus in der Burbacher Hochstraße. Im Blick der Verwaltung waren wenig später auch leerstehende Bürogebäude in der Richard-Wagner-Straße, der Mainzer Straße und Brebacher Landstraße. Nur Monate später entspannte sich die Lage wieder.

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