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ICE-Liefer-Panne: Droht dem Saarland Bahn-Chaos?

Die Deutsche Bahn läuft Gefahr, in diesem Winter vor der größten Pannenserie aller Zeiten zu stehen. Rettung könnte nur „von oben“ kommen – durch die Gnade eines milden Winters. Fahrgästen im Fern- und Nahverkehr drohen völlig überfüllte Züge, stundenlange Wartezeiten sowie zahlreiche Zugausfälle. Und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) schimpft bereits öffentlichkeitswirksam über die neuen Probleme bei der Auslieferung von acht funkelnagelneuen ICE, die rechtzeitig zum Winterfahrplan am 9. Dezember starten sollten, wegen Software- Problemen jedoch in der Werkstatt bleiben. Der Hersteller Siemens, ein deutsches Traditionsunternehmen, das einen weltweiten Ruf zu verteidigen hat, musste diese Schmach jetzt einräumen. Und konnte auch keinen verlässlichen neuen Termin für den Einsatz der ICE nennen. Die Software-Probleme an den Zügen waren nach Beobachtung von Branchenkennern jedoch ebenso vorhersehbar wie das öffentliche Getöse von Ramsauer, der 2013 eine Bundestagswahl zu bestehen hat und die wahren Gründe für die Pannenserie der Bahn genauso kennt wie Bahnchef Rüdiger Grube. Letzterer betont, er sei „hochunzufrieden“ mit Siemens. Doch auch Grube hat die aktuelle Misere mit verschuldet.

Das Hauptproblem liegt in einem falsch verstandenen Konkurrenzkampf zwischen der Deutschen Bahn und der Industrie. Erstere will gegenüber Wettbewerbern, etwa der französischen Bahn mit ihrem TGV, technologisch immer die Nase vorn haben. Das bringt auch international Renommee. Um all dies zu erreichen, werden die Vorgaben für neue Züge stetig höher geschraubt: mehr Tempo, mehr Elektronik. Zugleich gibt die Bahn immer kürzere Entwicklungszeiten vor. Ein riesiges Problem. Denn je mehr modernste Elektronik zum Einsatz kommt, desto störanfälliger wird diese. Was auch die „Software- Probleme“ erklärt, die Siemens offiziell als Grund für die Lieferversäumnisse nennt. Solche Software- Probleme treten jedoch in aller Regel erst bei Testfahrten auf, was in der Szene bekannt ist. Starker Konkurrenzdruck Hier wird ein weiteres Problem deutlich: Auch die deutsche Industrie steht unter massivem Konkurrenzdruck durch andere Anbieter, die ebenfalls schicke, technologisch führende Züge bauen können. Siemens muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu viel auf sich genommen zu haben. Auf die zeitlichen Vorgaben der Bahn hätte eine klare Absage folgen müssen oder zumindest der Hinweis, dass mehr Zeit erforderlich ist. Doch es liegt der Verdacht nahe, dass die Angst vor dem Verlust von Milliardenaufträgen größer war als das eigene Selbstbewusstsein und die Notwendigkeit, Sicherheit und Liefertreue zu garantieren.

Der ICE 1 war noch vor der Bahnreform im Jahr 1994 als Prestige-Objekt entwickelt worden. Damals bekam die deutsche Industrie genug Zeit: Nichts durfte schiefgehen, denn zur Premiere blickte die ganze Welt auf die Technologie-Nation Deutschland. Die Pannenserie begann erst später, als die ersten Probleme mit Radsätzen auftauchten. Mittlerweile werden diese gegen neue, teurere und bessere ausgetauscht. Allerdings müssen die ICE-Züge auch länger in die Wartung, was die jetzt drohenden Engpässe erklärt. Die Reihe der Misserfolge betrifft auch die Region: Viele haben noch die Bilder vor Augen vom neuen Nahverkehrszug zum Frankfurter Flughafen mit Zeitgewinn und Neigetechnik. Doch die Neigetechnik fiel ständig aus. Auch hier hatte die Industrie zu wenig Zeit.

Es gibt aber einen ,,Hoffnungsschimmer“, die Pannenserie zu beenden. Ab 2014 fahren von Saarbrücken nach Mannheim neue Nahverkehrszüge, die vom Schweizer Unternehmen Stadler in Berlin gebaut werden. Begleitet wird die Entwicklung des Zuges diesmal in allen Phasen auch von Experten der Deutschen Bahn. Eine solche Kooperation zwischen Bahn und Industrie sollte Schule machen. Sie hat in den vergangenen Jahren gefehlt.

HINTERGRUND

Zugreisende aus dem Saarland sollten sich rechtzeitig auf die im Winter erschwerten Bedingungen bei der Bahn einstellen. Wer in Mannheim umsteigen muss, fährt besser einen Zug früher. An diesem wichtigen Knotenpunkt muss besonders mit Zugausfällen und Verspätungen gerechnet werden. Zudem sollten sich Reisende informieren, ob der ICE um 6.43 Uhr ab Saarbrücken in Richtung Mannheim einsatzbereit ist. Dieser Zug kommt am Abend vorher aus Dresden, könnte bei extremer Witterung ausfallen. Die Bahn informiert unter www.bahn.de und verschickt auch aktuelle Informationen aufs Handy. ts

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