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IHK sieht im neuen Jahr keine Impulse für Saar-Industrie

IHK-Chef Heino Klingen warnt die Kommunen davor, die Gewerbesteuer zu erhöhen. Dies sei Gift für Investitionen. Foto: becker&bredel</p>

IHK-Chef Heino Klingen warnt die Kommunen davor, die Gewerbesteuer zu erhöhen. Dies sei Gift für Investitionen. Foto: becker&bredel

Das kommende Jahr wird für die saarländische Wirtschaft – und vor allem für die Industrie – kein leichtes. Diese Auffassung vertritt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Heino Klingen. Impulse seien von keiner Seite zu erwarten. Die Weltwirtschaft wachse höchstens um 3,4 Prozent, was nicht ausreiche um die Nachfrage nach Industriegütern nachhaltig zu stimulieren. Doch die saarländischen Unternehmen seien sehr stark vom Export abhängig. Rund 50 Prozent der Industrieprodukte von der Saar „gehen ins Ausland“. Rechne man noch die Zulieferteile hinzu, die in Maschinen oder Autoteile eingebaut werden, die ebenfalls für den Export hergestellt werden, „liegt dieser Anteil sogar bei 70 Prozent“, so der Kammer-Chef.

Außerdem werde die Weltwirtschaft durch derzeit noch nicht kalkulierbare Risiken belastet. „Niemand weiß, wie es in den USA weitergeht, wenn Donald Trump Präsident ist.“ Setze er – wie angekündigt – verstärkt auf Protektionismus, um die heimische Industrie zu stärken, „kann das zu einem weiteren Dämpfer führen“. Zudem sei nicht ausgemacht, „welche Wachstumsraten China im kommenden Jahr erreicht“. Wenn die Wirtschaft im Reich der Mitte schwächelt, „bekommen wir das ebenfalls zu spüren“, betont Klingen. Er erinnert daran, dass allein die Volkswirtschaften der USA und Chinas knapp 40 Prozent zum weltweiten Bruttosozialprodukt beisteuern. Mehr Nachfrage aus anderen Teilen der Welt könne dies nicht kompensieren. „Wo soll diese herkommen?“, fragt er.

Darüber hinaus sei auch die Investitionsbereitschaft in Deutschland – trotz der niedrigen Zinsen – schwach ausgeprägt. „Die Unternehmen investieren nur, wenn sie der Ansicht sind, dass sich das auch lohnt“. Der Glaube daran sei offensichtlich nicht vorhanden. Auch die gut laufende Binnennachfrage sei hier kein Trost, zumal das Umsatzwachstum im Saar-Handel in den ersten drei Quartalen von 2016 lediglich bei 0,6 Prozent gelegen habe. Bundesweit seien es 2,4 Prozent gewesen. Klingen führt das darauf zurück, dass schon heute der Anteil der Älteren an der saarländischen Bevölkerung größer sei als in anderen Teilen der Republik und sich dieser Trend noch verschärfe. Ältere Menschen seien jedoch nicht so konsumorientiert wie jüngere.

In der Summe rechnet der IHK-Chef für 2016 mit einem Wachstum der saarländischen Wirtschaft von knapp einem Prozent – rund ein halber Prozentpunkt weniger als im Bund. Auch 2017 werde dieser Abstand bleiben, wobei er für die Saar-Wirtschaft von einem Plus zwischen 0,5 Prozent und einem Prozent ausgeht.

Die schwachen Wachstumsaussichten der Industrie „schlagen sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder“. Schon in diesem Jahr seien dort Jobs abgebaut worden. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit arbeiten derzeit noch 96 700 Frauen und Männer in der Industrie, 2100 weniger als ein Jahr zuvor.

Klingen erwartet zudem, dass die Geldpolitik der USA, die auf spürbar steigende Zinsen setzt, „die Europäische Zentralbank nicht kalt lassen kann“. Die EZB müsse spätestens im zweiten Halbjahr 2017 nachziehen. Höhere Zinsen seien allerdings Gift für die öffentlichen Haushalte – vor allem für die Etats des Landes und vieler Kommunen. Dadurch würde deren Investitionsspielraum noch stärker eingeschränkt. Die falsche Antwort darauf wäre allerdings, mit Gewerbesteuer-Erhöhungen zu reagieren. „Damit würgen die Städte und Gemeinden die Bereitschaft der Firmen, in ihre saarländischen Standorte zu investieren, noch stärker ab“, kritisiert Klingen.

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