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„Ich nutze meinen Instinkt“

Wie entsteht eine Choreografie?
Donlon:
Als allererstes muss das Thema klar sein. Dann muss ich ein Gefühl für den Raum entwickeln. Wie sieht die Bühne aus, welche Atmosphäre soll rüberkommen? All das muss geklärt sein, bevor ich anfange, zu choreografieren. Ich brauche einen Ausgangspunkt.

Wie lange arbeiten Sie an einer Choreografie wie „Schwanensee“?
Donlon:
Ich beginne schon Monate vorher. Ich zeichne Szenen, höre Musik, mache Notizen. Für diese Arbeit habe ich immer wieder Schwäne beobachtet. Vieles dabei läuft im Unterbewusstsein. Die Vorbereitungszeit ist wirklich sehr sehr wichtig.

Nach „Romeo und Julia“ und dem „Nussknacker“ machen Sie nun wieder ein klassisches Balett. Warum?
Donlon:
Ich arbeite nicht einfach den Kanon ab. Um „Schwanensee“ richtig gut auf die Bühne zu bringen, muss die Geschichte, die da erzählt wird, einen Sinn ergeben. Und zwar für mich selbst als auch für ein modernes Publikum. Ich beschäftige mich intensiv mit dem Hintergrund der Protagonisten. Warum verliebt sich ein Typ in einen Schwan? Wo ist Siegfrieds Vater? Alle Fragen müssen geklärt sein, bevor es los gehen kann. Ich versuche, mich in die Personen hineinzuversetzen, ihre Gefühle zu verstehen. Das inspiriert mich beim Choreografieren.

Wie finden Sie die ersten Schritte?
Donlon:
Ich gehe ins Studio und beginne sofort, mit den Tänzern zu arbeiten. Ich nutze meinen Instinkt, arbeite so spontan wie möglich. Es ist wie ein Sprung ins kalte Wasser. Dabei arbeite ich niemals zuerst am Anfang des Stücks, sondern es geht meistens los mit den großen, wichtigen Tanzszenen. Die erfordern die meiste Energie und sind am zeitintensivsten. Eine Zwei-Minuten-Szene zu choreografieren, kann bis zu sechs Stunden dauern. Erst skizziere ich die Bewegungen, dann arbeite ich an Details.
 
Wie muss man sich Ihre Arbeit mit den Tänzern vorstellen? Geben Sie Ihnen präzise vor, was sie tanzen sollen?
Donlon:
Ich versuche, wenig zu sprechen. Ich beginne, mich zu bewegen, sie folgen, bewegen sich weiter. Es ist wie eine Art Ping-Pong-Spiel. Zweidrittel der Zeit gebe ich die Impulse, aber oft entwickelt sich etwas aus den improvisierten Bewegungen der Tänzer. Besonders die Fehler bringen die Choreografie weiter. Ich liebe es, wenn aus einem Fehler oder einem Missverständnis eine Bewegung entsteht, die noch besser ist als das, was ich erst im Kopf hatte.

Auch in diesem Ballett mischen Sie Tschaikowskys klassische Musik mit modernen elektronischen Elementen.
Donlon:
Ja, ich arbeite, wie meistens, mit Claas Willeke und dem Komponisten Sam Auinger. Tschaikowskys Musik ist wundervoll, aber sehr dicht und erzählerisch. Ich möchte aber eine Atmosphäre kreieren, ohne allzu viel zu erzählen. Die elektronischen Klänge schaffen Raum und geben dem Publikum die Möglichkeit, eigene Bilder und Assoziationen aufkommen zu lassen. Das ist wichtig für ein modernes, intellektuelles Publikum, das sich mit Kunst auseinanderzusetzen weiß.

Wie stellen Sie die musikalischen Elemente zusammen?
Donlon:
Wir hören uns über drei Stunden Tschaikowsky an und eliminieren die Stücke, die ich nicht brauche. Es sind zum Beispiel die Divertissements wie der spanische Tanz oder die anderen Tänze, die der Choreograf damals, im 19. Jahrhundert, extra hat komponieren lassen für einige Tänzer.

Sie kennen „Schwanensee“ in- und auswendig . . .
Donlon:
Um das Stück zu choreografieren, muss man die Musik so im Kopf haben, dass man sie singen kann. Die Musik geht geradezu in den Körper über, wenn man ein Stück tanzt. Ich habe „Schwanensee“ als Tänzerin in zwei Versionen mitgetanzt. Von meinen Tänzern hat nur einer schon in „Schwanensee“ getanzt. Das ist gut, denn so sind sie quasi unbelastet.

Wie merken Sie sich die Schritte? Schreiben Sie die Choreografie auf?
Donlon:
Unsere Compagnie hat keinen eigenen Choreologisten, der die Schritte aufschreibt. Wir nehmen deshalb alles auf Video auf. Dennoch, es ist unglaublich, was Tänzer behalten. Es geht ja nicht nur darum, die Schritte zu können. Wichtig sind auch Ausdruck, Musikalität und die Bewegung im Raum und mit anderen.

Was erwartet uns in Ihrer „Schwanensee“-Version?
Donlon: Die Schwäne werden wirklich wunderschön sein. Und wie alle Schwanenköniginnen stirbt sie am Ende . . . aus Liebe.
 
Die Premiere am 28. März ist bereits ausverkauft. Karten für die nächsten Vorstellungen (5.4., 9.4., 15.4., 16.4., 21.4.) gibt's unter Tel. (06 81) 3 09 24 86. 
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