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„Ich würde nie so einen Scheiß schreiben“

  Seine Partei, die „Alternative für Deutschland“ (AfD), gehörte für Walter Willms zu den Dingen, die ihm sehr wichtig waren. „Ein Schaffer“ sei Willms, ein „hemdsärmliger Typ“, den man auch nachts um zwei anrufen könne, wenn noch Plakate zu kleben seien, sagt der AfD-Kreisvorsitzende Sven Walter. Gestern hat Willms, Mitte 50, angekündigt, aus der Partei auszutreten und auf die von der Partei bereits beschlossene Kandidatur für den Saarbrücker Stadtrat zu verzichten.

Nachdem die Saarbrücker Zeitung ihn gestern mit fremdenfeindlichen Aussagen konfrontiert hat, die unter seinem Namen und mit seinem Foto auf der Internetplattform Facebook zu finden waren, erklärte Willms: „Ich möchte meiner Partei nicht schaden, ich trete deshalb aus.“

In einer Diskussion darüber, dass es in Völklingen in diesem Winter keine Weihnachtsbeleuchtung und keinen Weihnachtsmarkt gab, nennt der Diskussionsteilnehmer mit dem Namen Walter Willms Türken und „Deutschrussen“ „Gesocks“. „Im Saarland macht sich so langsam eine bewaffnete Armee auf die Socken, und dann gibt es Mord und Totschlag“, heißt es da weiter.

Dann kommt der Hinweis: „In Völklingen brennt nix weihnachtlich, kein Weihnachtsmarkt nix, aber hier brennen bald 1000 Türken, da verlasst euch mal drauf.“ Und der Aufruf: „An die Waffen, Bürger.“

Die Einträge sind am 29. und 30. November vergangenen Jahres geschrieben worden – jeweils abends zwischen halb neun und kurz nach halb zehn.

Walter Willms beteuert, dass er damit nichts zu tun hat. Da habe sich offenbar jemand in seinen Computer eingehackt und mit seinem Facebook-Profil Dinge geschrieben, die er selbst für „kriminell“ halte. Bereits im Sommer vergangenen Jahres habe sich jemand in sein E-Mail-Postfach eingehackt, sagt Willms.

Er sei Christ und „kein Rechtsradikaler“. Wer ihn kenne, wisse, dass er „ein Lieber“ sei. Diese Dinge habe er nicht geschrieben. „Ich würde nie so einen Scheiß schreiben“, beteuert Willms. Er sei bereit, das auch an Eides statt zu versichern. „Ich distanziere mich davon in aller Form“, sagt Wilms. Er denke darüber nach, sich einen Anwalt zu nehmen, der der Sache nachgeht.

Das raten auch der AfD-Kreisvorsitzende Sven Wagner und seine Stellvertreterin Martina Brenner. „Das ist kein Spaß mehr“, sagt Wagner, es handle sich hier um strafrechtlich relevante Äußerungen. Weder Wagner noch Brenner können sich vorstellen, dass Willms solche Sachen geschrieben hat. Er sei „aus allen Wolken gefallen“, als er – von der SZ darüber informiert – die Willms zugeschriebenen Äußerungen gelesen hat. Man kenne sich zwar noch nicht lange, aber Willms sei bei Parteitreffen nie durch rechtsradikale Äußerungen aufgefallen.

Dass Willms mit seinem Parteiaustritt die AfD schützen wolle, sei nobel. „Wir wollen nicht mal ansatzweise mit so etwas zu tun haben“, beteuert Wagner. Er hat gestern noch für den Abend eine Sondersitzung des Kreisvorstands einberufen.

Aus AfD-Kreisen ist zu hören, dass es in der Saarbrücker Partei „Grabenkämpfe“ gibt. Es gebe im Kern zwei Gruppen, die nicht gerade nett miteinander umgehen. Der Aufruf zur Gewalt und die ausländerfeindlichen Kommentare, die Walter Willms zugeordnet wurden, sind auf der Facebook-Seite inzwischen gelöscht.
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