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Illinger Bürgermeister wollte Kleiderordnung für Rathaus

Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Illingen. Armin König, frisch promovierter Doktor der Verwaltungswissenschaften und Bürgermeister in Illingen (18.000 Einwohner), sorgt sich um den Auftritt seiner Rathausmannschaft. Der gelernte Journalist und Verwaltungschef, der gelegentlich auch mit eigenen Gedichten aufwartet, hat seiner Belegschaft per E-Mail eine „Kleine Kleidungsfibel“ zustellen lassen. Die Mail entstand wohl in Nachtarbeit, weist als Sendedatum den 2. Februar, 2:48 Uhr aus.

Der Bürgermeister lässt darin seine 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, dass sie ihren Dienstherrn in der Öffentlichkeit repräsentieren. Dann folgt des Königs neue Kleider-Ordnung: „Die grundsätzliche Leitlinie ist: elegant/schick/adrett, angemessen, sauber und frisch“. Erwünscht sei, dass Männer in Gemeinderatssitzungen Sakkos tragen. Krawattenzwang gebe es nicht.

Es empfehle sich, „unifarbene oder dezent gestreifte Hemden zu tragen. Feste Kragen haben gewisse Vorteile gegenüber sportlichen Hemden“. Der Rathauschef, der im Gespräch mit unserer Zeitung bestritt, dass die von ihm erlassene Kleiderordnung den Charakter einer Dienstanweisung habe, stellt fest: „Die Kombination Sakko/T-Shirt ist nicht erwünscht.“ Der Garderobenexperte aus dem Rathaus gibt weiter zum Besten, die Kombination aus Sakko und Poloshirt wirke wegen der Kragen- und Halspartie „oft unvorteilhaft“. Grundsätzlich sei in Sachen Kleidung erlaubt, „was gefällt und gleichzeitig angemessen ist“, argumentierte König gegenüber unserer Zeitung.  In seiner Kleidungsfibel ist zu lesen, im Dienstalltag seien bei Männern Stoffhose und Hemd oder Jeans und Hemd Standard, bei Frauen sowohl Stoffhosen, als auch Jeans, Kleider, Röcke, Kostüme. Aber: „Aufreizende Kleidung ist zu vermeiden.“


Ausdrücklich verweist König auf die „Problematik bei T-Shirts, da sie oft unvorteilhaft aussehen“. Weitere Modetipps aus Königs Feder: „Hot Pants sind grundsätzlich tabu.“ Bestimmte Moden, wie etwa Knitterlook oder Löcher-Jeans seien nicht erwünscht. Dies gelte auch für offen getragene Tattoos. Piercings an Mund und Augenpartien seien grundsätzlich zu vermeiden. „Erlaubt sind kleine Stecker.“ Auch der Verwaltungschef trägt übrigens gelegentlich einen kleinen Brillanten am Ohr. Sportkleidung im Dienst duldet König übrigens nur beim Betriebssport oder im Hallen- und Bäderbereich.

Als Begründung für seine Kleiderordnung, die er nicht mit dem Personalrat besprochen hat, nannte König, es habe „Kritik von außen gegeben“, auf die er habe reagieren müssen. Allerdings hat König nach einem Gespräch mit unserer Zeitung die Anweisung wieder zurückgenommen. Per E-Mail teilte er gestern mit, die Kleiderfibel sei mit sofortiger Wirkung als „gegenstandslos zu betrachten.“

Dafür gibt es gute Gründe. Der St. Ingberter Arbeitsrechtsexperte Markus Dönneweg stellt fest, dass beim Erlass einer Kleiderordnung grundsätzlich der Betriebs- oder Personalrat zu hören ist. Weisungen zum äußeren Erscheinungsbild der Beschäftigten seien „grundsätzlich unzulässig“, da sie zumeist über das Arbeitsverhältnis hinaus gelten und in die Privatsphäre einwirken. „Es sind also Grundrechte der Beschäftigten betroffen.“ Darüber hinaus „besteht die Gefahr einer Diskriminierung“.


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