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Im Beton-Boot über den Fluss: Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft haben ein ungewöhnliches Kanu gebaut

14 Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) haben seit Februar fleißig an einem Kanu aus Zement geforscht und gearbeitet. Nun ist das Boot namens „Saardine“ seetauglich.

Die Konstruktion eines Beton-Bootes stellt technisch eine Herausforderung dar. Zum einen darf es nicht zu schwer sein, da es sonst untergeht. Andererseits müssen die sehr dünnen Wände trotzdem ausreichend stabil sein, weil ansonsten Risse entstehen und Wasser eindringen kann. Das Boot der Saarbrücker Studenten ist 4, 20 Meter lang und wiegt 120 Kilogramm. Mitte Mai haben sie es auf der Saar getestet. Das Resultat: Es schwimmt, ist wasserdicht und kann zwei Paddler tragen. „Wir hatten ganz schön Angst, dass es untergeht, als wir es in die Saar gelassen haben. Aber es hat gehalten“, sagt Bauingenieurwesen-Student Rene Greff. Er und sein Team haben im Wochentakt zehn bis 15 verschiedene Rezepturen getestet, berichtet er. Die Mischung sollte möglichst wasserdicht, aber auch leicht und gut zu verarbeiten sein, sagt Professor Dietrich Wullschläger, der das Projekt an der HTW betreut. Insgesamt testeten die Studenten 60 Betonproben, bis sie die passende Mischung gefunden haben.

Ein anderes Team kümmerte sich um die Form des Bootes. Die Vorlage bildete ein gewöhnlicher Kanadier. Yann Rohou, der ebefalls Bauingenieurwesen studiert, war mit der Verschalung der Saardine beschäftigt. „Wir haben die äußere Form eines Kanadiers abgegriffen und dann eine negative Schalung aus Holztäfelchen gebaut. Darin wurde das Kanu dann gegossen“, erklärt er. Eine dritte Gruppe kümmerte sich um das Design der Saardine.

Mit der Saardine traten die Studenten Ende Juni bei der 15. Beton-Kanu-Regatta in Brandenburg an der Havel an. Die Regatta findet seit 1986 alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Deutschland statt und richtet sich an Hochschulen, an denen Betontechnik gelehrt wird. Auch das Aussehen des Bootes war in Brandenburg Teil des Wettkampfes. „Nachdem der Name feststand, war klar, dass er sich auch im Aussehen des Kanus widerspiegeln sollte“, sagt die Studentin Martha Gottschalk. In diesem Jahr haben unter anderem Teams aus Polen, Finnland und Iran teilgenommen, das Saarbrücker Team schaffte es leider nicht unter die ersten sechs Plätze.

Die ersten Boote aus Beton-Stahl-Verbindungen entwickelte der Franzose Joseph-Louis Lambot bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch vor allem bei größeren Schiffen erwies sich die Bauweise als ungeeignet. Wegen den verhältnismäßig dicken Wänden hatten die Beton-Schiffe ein vergleichsweise hohes Gewicht. Das erschwerte das Manövrieren.

Das erste Zement-Kanu wurde im Jahr 1968 in den USA gebaut. Der Bundesverband der deutschen Zementindustrie griff die Idee Ende der 70er Jahre auf und organisierte 1986 zum ersten Mal die deutsche Betonkanu-Regatta.
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