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Im Juni ziehen erste Hunde ins neue Hundehaus des Bertha-Bruch-Tierheims ein

Wie aus dem Nichts stürmt sie herbei. Die Böe lädt ihre nasse Fracht über der Baustelle ab. Dann verliert sie sich im Alt-Saarbrücker Wald. Patrick Miethke kann das Wetter heute nichts anhaben. Der Schatzmeister des Tierschutzvereins Saarbrücken gönnt sich ein paar Minuten Auszeit von Zahlen und Terminen. Er streichelt Hündin Kiss. Sie ist eine von den Stillen im Heim. Lieb, aber nicht ganz fit. Ein freundliches Hundemädchen. Sie ist aufgeschlossen und doch, stämmig wie sie als Stafford-Mix nun mal aussieht, als Kuschel-Kumpel erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Kiss lebt vielleicht bald dort, wohin Miethke blickt. Die Baustelle des zweiten Hundehauses ist ein Ort des Aufbruchs. Mauern und Fundament geben dem Vorhaben erste Konturen.

Die Bauhandwerker trotzen der Nässe. Sie gehen zügig zu Werke, am Feierabend dem Ziel wieder ein Stück näher: dem neuen Hundehaus im größten Tierheim des Saarlandes. Ehrgeizig wie die Bauherren vom Tierschutzverein Saarbrücken wollen die Handwerker die Einweihung Ende Mai ermöglichen.

Nichts erinnert auf dem Gelände am Folsterweg an das klapprige Vorgängerprovisorium. Doch der lange Anlauf zum Neubau hat sich ins Gedächtnis aller Beteiligten gebrannt. Die Widrigkeiten im Altbau stecken vielen noch in den Knochen. Miethke erinnert sich: „Der desolate Zustand unseres Hundehauses war nicht länger für Tiere und unser Heimpersonal tragbar. Es war zugig, Fliesen waren kaputt. Dort war wirklich alles marode.“

Abriss und Baubeginn stand lange der Geldmangel im Wege. Heimsprecherin Tabatha Walter erinnert sich: „Wir mussten Rückschläge hinnehmen, Fördergeld wurde nicht genehmigt, dann wieder fehlten Spenden .“ Es blieb nichts anderes übrig, als die Pläne dem anzupassen, was da war. Dazu Miethke: „Das neue Haus darf nur 610 000 Euro kosten. Dafür mussten wir die Pläne, das Hundehaus für ein neues Büro aufzustocken, erst einmal auf Eis legen.“ All das geschah, damit der abrissreife Altbau endlich weg konnte. Sein Nachfolger wird ein 310 Quadratmeter großes Gebäude, an das 170 Quadratmeter Außenboxen grenzen. Innen sind 29 Zwinger, zwei Futterküchen und zwei Hundeduschen, damit Krankheiten nicht aus der Quarantäne auf gesunde Tiere überspringen. Hinzu kommen ein Raum für die Haustechnik sowie die Waschküche.

Bauen konnte der Tierschutzverein Saarbrücken überhaupt nur, weil 110 000 Euro vom Land kommen und die Stadt 100 000 Euro beisteuert. Patrick Miethke verdeutlicht, dass diese Geldspritzen, so erfreulich sie auch sind, nicht reichen. Ohne Spender geht nichts. Ohne Abstriche genauso wenig: weg mit dem ersten Stock, runter mit der Zwingergröße, weg mit Extras. Dann ging's los. Gut zwei Wochen dauerte der Abriss. Zuvor mussten die Bewohner raus, sei es in Bauwagen auf dem Grundstück oder zu den befreundeten Tierschützern im Heim Niederlinxweiler.

Der Rohbau startete mit dem Beginn des Jahres. „Wir hoffen auf einen weiter milden Winter, damit die Bauarbeiten ohne Zwangspause vorangehen“, sagt Miethke. Nach den Maurern kommen die Elektriker, die Fliesenleger und die Inneneinrichter. Sie alle wollen und müssen sich sputen, soll alles wie geplant am 31. Mai fertig sein. „Wir werden alles daran setzen, diesen Termin einhalten zu können“, sagt Miethke und blickt freundlich in die Augen der Hündin. Vielleicht zieht sie ja bald hier ein. Vorher soll es ein tolles Richtfest geben. Es ist ein Dankeschön an alle Mitstreiter, die das neue Haus möglich machten, ein Tag zum Auf- und Durchatmen.

„Der Kampf um Geld, die Planung, die wir immer und immer wieder umwerfen mussten, und die Vorbereitungen haben uns einiges abverlangt. Dennoch: Das ist es uns wert“, sagt Miethke. „Unsere Schützlinge haben ein Recht auf eine vernünftige Unterbringung, auch wenn sie nicht von Dauer sein soll.“ Auch das Personal werde aufatmen. „Es kann leichter füttern und unsere Tiere in größeren winddichten Zwingern versorgen. Wir werden die Fertigstellung mit Stolz feiern“, verspricht Miethke. Und doch hofft er, dass Hündin Kiss, die gerade freundlich zu ihm aufblickt, dann schon ein neues Zuhause hat.

 

Zum Thema:

Der Tierschutzverein Saarbrücken vermittelt Hunde, Katzen, aber auch Kleintiere wie Kaninchen. Den überwiegenden Teil der Arbeit im Bertha-Bruch-Tierheim leisten ehrenamtliche Helfer, die zum Beispiel mit den Hunden Gassi gehen. Das Tierheim im Folsterweg 101 in Saarbrücken finanziert sich unter anderem durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Öffnungszeiten: täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr, Info: Tel. (06 81) 5 35 30, E-Mail: berthabruchtierheim@googlemail.com. red
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