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Im Saar-Wald tut sich einiges

Saarbrücken. Tot sieht alles aus. Der Boden über und über mit kahlen, abgerissenen Ästen und Gestrüpp bedeckt. Umgekippte Bäume faulen vor sich hin. Hier und da ragt ein Stumpf aus der Erde. Ein Bild der Verwüstung mitten im Wald, beherrscht von einem blassen, tristen Braun. Auf den ersten Blick scheint es kaum möglich, dass hier noch lebendige Natur sein soll. Doch wer genau hinschaut, entdeckt sie: kleine, zarte Setzlinge, die erste Blätter austreiben. Ahorn, Kirsche und Eiche. In den nächsten Jahrzehnten sollen sie heranwachsen zu einem gesunden, kräftigen Wald.
Das Frühjahr ist auch im Wald die Zeit zu pflanzen, hegen und pflegen. Nach dem Ende der Holzernte inspizieren die Förster den Bestand, entscheiden, wo neue Bäume gepflanzt werden sollen oder welche Bäume Hilfe bei der Entwicklung brauchen. Erst vor wenigen Wochen haben Arbeiter des Saarforst Landesbetriebes die jungen Bäume in dem brachen Waldstück an der Landstraße zwischen Burbach und Riegelsberg gesetzt. Schwere Stürme hatten dort über Jahre eine Schneise geschlagen. Und weil aus eigener Kraft keine Bäume nachwuchsen, beschloss Förster Urban Backes in diesem Jahr nachzuhelfen. „Normalerweise setzen wir auf natürliche Waldverjüngung“, sagt er. „Aber diese Fläche ist überwuchert mit Adlerfarn. Der wird bis zu zwei Meter hoch. Im Herbst knickt er um und bedeckt alles unter sich. Das macht die jungen Bäume kaputt.“ Früher wäre das Totholz auf der Lichtung vor dem Pflanzen entfernt worden, heutzutage bleibt es als Lebensraum für Käfer und Insekten erhalten.

Fünf Pflanzungsaktionen wegen Sturmschäden hat Backes in seinem Revier im Nordwesten von Saarbrücken in diesem Frühjahr angesetzt, eine davon im Jungenwald bei Püttlingen. Gelächter mischt sich unter das fröhliche Zwitschern der Vögel. Drei Waldarbeiter sind auf der Lichtung am Werk. Die Männer scherzen miteinander, als Forstwirtschaftsmeister Johannes Neu – die rechte Hand von Förster Backes – aus seinem jagdgrünen Geländewagen steigt und über Gestrüpp und Äste zu ihnen hinüber stapft. Es knackt unter seinen schweren Schuhen. „Wie weit seid ihr?“, fragt er. „Fast fertig. 200 Bäume haben wir schon gepflanzt“, antwortet Marcus Fahrenhold und zeigt auf zwei Säcke, aus denen die letzten Setzlinge herausragen. Überall auf der Lichtung stecken Holzstöcke im Boden, die am oberen Ende mit blauer Farbe besprüht sind. Sie markieren die Pflanzstellen. Um jeden der Stöcke stehen im Kreis die kleinen Bäume – in der Fachsprache nennt man diese Anordnung Klumpen.

Die Bäume befinden sich jetzt in der Etablierungsphase, in der sie sich – wenn nötig mit Unterstützung – so weit entwickeln sollen, dass sie sich gegen konkurrierende Pflanzen und Wild behaupten können. Der Förster und die Waldarbeiter kümmern sich um die Bäumchen, halten den Adlerfarn fern und schützen sie so gut wie möglich vor Wildverbiss. Aber das ist nicht so einfach, denn die chemische Keule ist tabu. „Wir können zum Beispiel Kreppband um die Triebe wickeln oder ungewaschene Schafwolle“, erklärt Forstwirtschaftsmeister Neu.
Das Revier von Backes umfasst 2400 Hektar. Seit 1988 ist er Förster – eher per Zufall. „Meine Schwester hat die Stellenausschreibung im Amtsblatt gesehen. Weil ich schon immer gern im Freien gearbeitet habe, habe ich mich beworben“, erzählt der 48-Jährige. „Eigentlich wollte ich Mathematik und Elektrotechnik studieren.“ Stattdessen verbringt er nun die Hälfte seiner Arbeitswoche im Wald.

Gleich hinter der neu bepflanzten Fläche zwischen Burbach und Riegelsberg – ein Stück von der Straße entfernt – stehen in einer großen, dichten Gruppe Bäume, die etwa zwei bis drei Meter hoch sind. Nur einen Steinwurf weiter beginnt der voll ausgebildete Wald und spendet Schatten. Adlerfarn gibt es hier nicht, denn der braucht viel Licht. Die Bäume sind also auf natürliche Weise gewachsen. Buschig und voll ist das Astwerk an den schlanken Stämmen, vom Boden bis in die Spitze. Förster Backes muss Zweige beiseite biegen, um sich seinen Weg in den Jungwald hinein zu bahnen.

„In diesem Wachstumsstadium, der Qualifizierungsphase, konkurrieren die Bäume sehr stark untereinander. Die vitalsten setzen sich durch“, erklärt Backes. Der dichte Bewuchs führe außerdem dazu, dass nur wenig Licht zum Boden durchdringt und so die Äste unterhalb der Krone allmählich absterben. Der Fachmann spricht von der natürlichen Astreinigung. Dadurch wachsen die Bäume auch schneller in die Höhe. Nur selten greifen die Forst-Experten in dieser Phase in die natürlichen Vorgänge ein, zum Beispiel dann, wenn eine gewünschte Baumart sich nicht gegen andere durchsetzen kann. „Dann können wir die konkurrierenden Bäume knicken oder ihre Rinde mit einem Messer ringeln. So entwickeln sich die Bäume nicht weiter, bleiben aber als Stütze erhalten“, sagt der Förster.
Schließlich geht Backes über einen breiten Weg in den dichten Wald hinein. Hoch oben sind die Kronen der Bäume. Im Frühjahr sind sie noch nicht so dicht, sodass am Boden Waldveilchen und Buschwindröschen wachsen können. Kleine Blütenseen in Lila und Weiß. „Wenn die Stämme der vitalen Bäume ein Drittel der zu erwartenden Höhe erreicht haben, etwa acht bis zehn Meter, gehen sie über in die Dimensionierungsphase“, sagt Backes. „Dann sollen sie so schnell wie möglich die gewünschte Dicke erreichen, um sie zu ernten. Dafür machen wir den Bäumen Platz, indem wir andere Bäume entfernen, die sie behindern.“

Drei Phasen des Waldwachstums sind hier also nebeneinander zu beobachten. „Im Idealfall spielen sie sich sogar gleichzeitig auf einer Fläche ab“, sagt Urban Backes. „Unter dem Wald von heute wächst der Wald von morgen.“ Das Kuriose ist, dass der Förster es nicht erleben wird, wenn „seine“ Bäume, deren Pflanzung er veranlasst hat und die er jetzt hegt und pflegt, ihre Reife erreicht haben und geerntet werden. Denn das dauert zwischen 80 und 250 Jahren. „Selbst wenn ein Förster 40 oder 45 Jahre in seinem Beruf arbeitet, haben die am schnellsten wachsenden Bäume gerade einmal die Hälfte der Reife erreicht.“

Auf einen Blick
Mit rund 90.000 Hektar Wald – mehr als 30 Prozent der Gesamtfläche – gehört das Saarland zu den waldreichsten Bundesländern. Davon sind etwa 40.000 Hektar Staatswald, der zum größten Teil vom Saarforst Landesbetrieb bewirtschaftet wird. 24 Förster kümmern sich das ganze Jahr um den Wald. Buche und Eiche sind die dominierenden Baumarten, zusammen machen sie mehr als 50 Prozent im Saarforst aus. mast
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