Saarland, Bildstock, Spieser Straße, Vollsperrung wegen eines Verkehrsunfalls (13:09)

Priorität: Dringend

24°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
24°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Im Saarland herrscht Mangel an Amtsärzten

Unter den 4700 Ärzten im Saarland fallen die rund 35 Ärzte in den Gesundheitsämtern der Landkreise und des Regionalverbandes nicht ins Gewicht. Aber wie wichtig sie sind, merkt man häufig erst, wenn es ernst wird. Dann sind die Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) damit beschäftigt, Influenza-Pandemien oder Ehec-Bakterien und Masern-Epidemien zu bekämpfen. Sie ermitteln Kontaktpersonen, klären die Bevölkerung auf, wie sich eine Infektion ausbreitet und wie man sich davor schützen kann. Der ÖGD überwacht auch die Infektionshygiene in Krankenhäusern und Arztpraxen und die mikrobiologische Qualität des Trink- und Badewassers, kümmert sich gemeinsam mit niedergelassenen Zahnärzten und Krankenkassen um zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Kindergärten, Kitas und Schulen, und er führt Schuleingangsuntersuchungen durch.

Wichtige Aufgaben also. Doch der ÖGD hat ein Problem: Kaum ein Medizin-Student will später als Arzt bei einem Gesundheitsamt arbeiten. „Es ist ein Problem, frei werdende Stellen nachzubesetzen“, sagt der Geschäftsführer des Landkreistages, Martin Luckas. Auch der Vorsitzende des Landesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Dr. Jürgen Rissland, fürchtet, „dass wir im Saarland ebenso wie in anderen Bundesländern zukünftig massive Probleme bei der Besetzung von frei werdenden Stellen haben werden“. Einer Umfrage seines Landesverbandes zufolge werden in den nächsten fünf Jahren altersbedingt ein Drittel aller Arztstellen in den saarländischen Gesundheitsämtern frei. „Wenn man dann noch weiß, dass die Wiederbesetzung in anderen Bundesländern teilweise über Jahre nicht gelingt, kann man meine Sorge vielleicht besser verstehen“, sagt Rissland.

Die Sorge ist auch in der Politik angekommen. Die Gesundheitsminister der 16 Bundesländer beschlossen 2014, unter Medizin-Studenten mehr Werbung für den ÖGD zu machen und das Fachgebiet „ Öffentliche Gesundheit “ stärker im Medizinstudium zu verankern.

Denn eines der Probleme ist, dass Studenten keinen Kontakt zum ÖGD haben. „Was man nicht kennt, spielt in den Überlegungen für die eigene berufliche Zukunft auch keine Rolle“, sagt Rissland, der als leitender Oberarzt am Homburger Uniklinikum selbst Studenten ausbildet. Während das für angehende Ärzte vorgeschriebene Praktikum (Famulatur) in der Allgemeinmedizin Pflicht sei, wüssten die meisten Studierenden noch nicht einmal, dass Famulaturen im ÖGD mittlerweile anerkannt werden. „Den angehenden Ärzten wird im Studium beigebracht zu heilen, wenn der Patient krank geworden ist“, sagt Rissland. Der Ansatz des ÖGD sei jedoch zu verhindern, dass eine Krankheit überhaupt entsteht oder sich ausbreitet. „Und dieser Gedanke der Gesundheitsbewahrung wird bisher nicht wirklich als Alternative zu den klassischen Disziplinen wie Chirurgie, Innere Medizin oder Pädiatrie wahrgenommen.“ Das ändere sich schlagartig, wenn Bevölkerung, Medien und Politiker zum Beispiel mit der Gefahr konfrontiert würden, dass große Infektionskrankheiten ausbrechen.

Die Arbeitsbedingungen im ÖGD besäßen im Vergleich zu anderen ärztlichen Tätigkeitsfeldern „eine hohe Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagt Rissland. Sie seien „bereits jetzt durchaus attraktiv“. Allerdings spiele neben der Unkenntnis, um was sich der ÖGD alles kümmert, ein einfacher Punkt eine wichtige Rolle: die niedrige Eingangsvergütung. Wer als Arzt vom Krankenhaus zu einem Gesundheitsamt wechsle, verliere bis zu 1000 Euro im Monat. „Vor diesem Hintergrund ist die Gleichstellung mit dem Ärztetarif für Krankenhausärzte dringend notwendig, damit der Öffentliche Gesundheitsdienst wieder eine Chance bei der Werbung um qualifizierte und leistungsfähige Ärztinnen und Ärzte hat“, fordert Rissland.

Die Gesundheitsminister-Konferenz hat daher bereits 2014 gefordert, die Gehälter für angestellte und beamtete Ärzte im ÖGD „in Anlehnung an die Krankenhaustarife“ einzuführen. Doch das können die Länder leicht fordern: Sie sind dafür gar nicht zuständig. Bei den Landkreisen herrscht denn auch Zurückhaltung. Bei der Bezahlung könne man nicht viel machen, sagt Luckas, wohl aber im „nicht-monetären Bereich“ wie den Arbeitsbedingungen .
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein