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Im Saarland länger Ferien wegen Schweinegrippe?

Der rasante Anstieg der Schweinegrippe-Fälle versetzt die Behörden auch im Saarland in erhöhte Alarmbereitschaft. Theoretisch könnten sogar die Ferien verlängert werden, um eine Ansteckungswelle zu verhindern. Nordrhein-Westfalen prüft das.



Von SZ-Mitarbeiter Daniel Kirch

Saarbrücken. Die saarländischen Sicherheits- und Gesundheitsbehörden muss vor knapp zwei Jahren ein böse Vorahnung beschlichen haben. Damals, im November 2007, simulierten sie in ihren Lagezentren zwei Tage lang den Ernstfall einer Grippe-Pandemie. Mit der durchgespielten Lage, hieß es damals in der Landesregierung noch, habe man ein „Tabu-Thema“ aufgegriffen.
Mittlerweile versetzt die rasante Ausbreitung der Schweinegruppe die saarländische Landesregierung in erhöhte „echte“ Alarmbereitschaft. Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Noch vor einem knappen Monat hatte es im Saarland keinen einzigen Fall von Schweinegrippe gegeben. Mittlerweile sind es 140, täglich kommen neue hinzu. Gesundheitsminister Gerhard Vigener (CDU) fürchtet, dass „in wenigen Wochen und Monaten die 1000er-Marke“ erreicht sein könnte, wie er kürzlich sagte.
Die meisten Betroffenen haben sich das Schweinegrippen-Virus im Auslandsurlaub – vor allem auf Mallorca – eingefangen. Wenn jetzt zum Ende der Sommerferien viele Urlauber heimkehren, könnte sich das Virus hierzulande deshalb stark ausbreiten.

Um eine Ansteckun gswelle in Schulen und Kitas zu verhindern, prüft die nordrhein-westfälische Landesregierung bereits die Verlängerung der Sommerferien. Unter Pandemie-Experten ist jedoch umstritten, ob dieses Mittel sinnvoll ist (siehe Interview rechts). Auch im Saarland wäre eine Schließung von Schulen und Kitas theoretisch ohne Weiteres möglich. Im Influenzapandemie-Plan des Landes aus dem Jahr 2006 heißt es: „Da Kinder zu den wichtigsten Multiplikatoren von Influenzainfektionen gehören, kann eine Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen … je nach epidemiologischer Situation sinnvoll sein.“ In diesem Fall sei aber zu berücksichtigen, dass „die Kinder je nach Altersstufe bei Berufstätigkeit der Eltern der Aufsicht/Betreuung bedürfen“. Der Landesverband alleinerziehender Mütter fürchtet bereits, dass bei längeren Sommerferien die Betreuung nicht mehr gesichert ist.

Die Landesregierung wartet vor Beginn des neuen Schuljahres am 24. August zunächst ab. Die Vorbereitungen auf den Schulstart liefen normal, sagte Bildungsministerium Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Sie wies darauf hin, dass der Verlauf der Schweinegrippe hierzulande bisher mild sei, fügte aber hinzu, „wir werden uns auch darauf vorbereiten müssen, dass es nach Ferienende möglicherweise anders aussieht“.
Fachleute der saarländischen Ministerien stünden in engem Kontakt zu den Behörden in Niedersachen und Nordrhein-Westfalen – in beiden Ländern enden die Ferien früher als im Saarland. „Wir werden genau beobachten, wie die Kollegen in den anderen Ländern mit der Infektionsgefahr umgehen“, sagte Kramp-Karrenbauer. Über mögliche Schritte würden Schulen, Kindergärten und Eltern spätestens in der letzten Ferienwoche informiert. Fest steht bereits, dass das Thema Schweinegrippe nach den Ferien im Unterricht behandelt werden soll. Das Ministerium hat die Schulen gebeten, altersgerecht zu vermitteln, wie sich die Schüler – etwa mit richtigem Händewaschen – vor einer Ansteckung mit dem Influenza-Virus H1N1 schützen können.



HINTERGRUND

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die 14 Bundesminister sollen möglichst rasch gegen den Erreger der Schweinegrippe geimpft werden. Nach Informationen unserer Zeitung ist die Impfung geplant, sobald ein Impfstoff zur Verfügun g steht. Die Impfung wird allerdings auf freiwilliger Basis erfolgen. Die Kosten müssen Merkel und ihr Kabinett nicht tragen, die Ministerriege gehört zu dem Personenkreis, der „zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des Staates“ bevorzugt behandelt wird. has



„Eine Verlängerung der Sommerferien löst das Problem nicht“


Durch derart drastische Maßnahmen könne man die Schweinegrippe nicht aufhalten, sagt Professor Bodo Plachter. Mit dem Professor am Institut für Virologie der Mainzer Universitätsmedizin sprach SZ-Mitarbeiter Daniel Kirch.

Die Zahl der Schweinegrippe-Infektionen steigt rasant an, im Saarland innerhalb eines Monates von 0 auf 140. Könnte irgendwann das öffentliche Leben dadurch beeinträchtigt werden?

Plachter: Wir dürfen nicht vergessen, dass von den 140 Personen die allermeisten bereits wieder gesund sind. Deshalb wird zunächst wohl kein Einfluss auf das öffentliche Leben zu bemerken sein. Aber wenn die Zahl weiter so steigt, könnte es beispielsweise sein, dass der Krankenstand in Betrieben deutlich ansteigt. Wir haben auch im Winter manchmal sehr viele Menschen, die unter Erkältungen und Grippe leiden – auch da sind die Krankenstände hoch. Insofern wäre das nichts Außergewöhnliches.

Wäre es bei einer Ansteckungswelle sinnvoll, dass die Behörden vorsorglich etwa die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs einschränken?

Plachter: Nein. Man kann sich überall anstecken – bei der Post, in der Bahn, auch in der Disko. Da müsste man schon sehr rigide Maßnahmen ergreifen, um wirklich einen Effekt zu erzielen. Das ist sicher nicht sinnvoll. Gegen die Ansteckungsgefahr kann man wenig machen.

Einige Virologen plädieren für eine Verlängerung der Sommerferien, um eine Ansteckungswelle zu verhindern. Eine gute Idee?


Plachter: Nein, da müsste man die Ferien schon sehr lange verlängern. Es ist ja nicht absehbar, dass es bald einen Abschwung bei der Zahl der Infektionen gibt. Diese Infektion wird sich auch in Deutschland weiter ausbreiten. Wenn man jetzt anfängt, Schulen zu schließen, wird man das Problem nur nach hinten verschieben, aber sicher nicht lösen. Wir müssen uns davon verabschieden, dass die Infektion durch solche Maßnahmen wirkungsvoll aufzuhalten wäre.




Virus war oft ein Reisemitbringsel


Im Saarpfalz-Kreis sind zurzeit 36 junge Leute an der Schweinegrippe erkrankt


Das H1N1-Virus hat inzwischen auch unsere Region erreicht. Nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes wurde bis gestern bei 36 Saarpfälzern die neue Influenza nachgewiesen. Betroffen sind dabei ausnahmslos junge Leute, die zuvor auf Urlaubsreisen in Spanien oder England waren.

Von SZ-Redakteur Manfred Schetting

St. Ingbert/Homburg. Insbesondere durch Reiserückkehrer hat das Schweinegrippe-Virus inzwischen auch den Saarpfalz-Kreis erreicht. Das bestätigte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung die Kreisverwaltung. Nach Angaben von Udo Steigner, dem Pressesprecher des Kreises, ist die Zahl der Fälle, in denen das ansteckende H1N1-Virus nachgewiesen wurde, in unserer Region noch überschaubar. „Derzeit sind dem Kreisgesundheitsamt 36 Fälle von Schweinegrippe bekannt, die aber glücklicherweise allesamt durchweg eher harmlos verlaufen“, sagte Steigner. Bei den Erkrankten handelt es sich ausnahmslos um junge Leute im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Das Schweinegrippe-Virus haben sich Betroffenen im Urlaub eingefangen. „In der Mehrzahl der Fälle waren die jungen Frauen und Männer zuvor in Spanien, auf Mallorca oder in Lloret de Mar, unterwegs“, so Steigner.

In jüngster Zeit seien zudem mehrere Schweinegrippe-Fälle bei Personen aufgetreten, die bei Sprachreisen in England gewesen seien. Auch wenn das Kreisgesundheitsamt momentan keine rasante Ausbreitung der Schweinegrippe feststellt, rechnet man dort mit weiteren Fällen. „So wie zum Wochenbeginn, als zwei neue H1N1-Erkrankungen gemeldet wurde, werden wohl täglich weitere hinzukommen – insbesondere so lange die Hauptreisezeit andauert“, vermutete der Pressesprecher. In diesem Zusammenhang betont das Gesundheitsamt allerdings auch, dass alle 36 im Kreis an Schweiegrippe-Erkrankten „sorgfältig und vernünftig mit der Infektion und der Ansteckungsgefahr umgegangen sind“. Die Symptome der Neuen Influenza sind wie bei der saisonalen Grippen vor allem Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen. Um die Risiken einer Infektion zu vermindern, ist es sinnvoll die Verhaltensregeln zu beachten, auf die Dr. Sigrid Thomé-Granz, die Leiterin des Gesundheitsamtes, schon seit einigen Tagen unter www.saarpfalz-kreis.de hinweist. Dort findet sich unter anderem ein Merkblatt für Schweinegrippe-Erkrankte.

Es wird dabei darauf hingewiesen, dass angesichts der aus dem Ausland eingeschleppten und auch in Deutschland erworbenen Infektionen die Bedeutung der Hygienemaßnahmen, insbesondere bei Kontakt zu Reiserückkehrern und bei vielen Kontakten zu anderen Menschen, etwa in Schulen, steigt. Die Influenza-Viren werden vor allem als Tröpfcheninfektion übertragen. Insbesondere beim Niesen und Husten können Erreger auf die Hände gelangen und sich durch direkten Kontakt verbreiten. Daher wird häufiges Händewaschen und das Husten in den Ärmel statt in die Hand empfohlen. Auch Einmaltaschentücher nur einmal verwendet und sofort entsorgt werden.



Hintergrund


Wenn man sich mit der Grippe infiziert hat, ist es wichtig, die Krankheit zu Hause auszukurieren. Dabei sind Familienmitglieder besonders ansteckungsgefährdet. Diese sollten sich schützen, indem sie Abstand halten und enge Körperkontakte wie Umarmen vermeiden, rät das Kreisgesundheitsamt. Schlafen sollten sie nach Möglichkeit in einem separaten Raum. Auf generelle Sauberkeit insbesondere in Küche und Bad sollte geachtet werden, heißt es weiter. Auch große Menschenansammlungen sollten vermieden werden. red


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