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Im deutschen Lourdes herrscht wieder Frieden: Pilger-Chaos in Marpingen ist vorbei

Der Härtelwald in Marpingen.

Der Härtelwald in Marpingen.

Schon als kleiner Junge ging er regelmäßig mit seinem Opa hierher. Dann tranken sie Wasser aus der Quelle im Härtelwald und der Großvater erzählte seinem Enkel von den drei achtjährigen Mädchen , denen hier – vor 140 Jahren – die Mutter Gottes begegnet sein soll. „Die Erzählungen von der Heiligen Maria gehörten einfach dazu“, sagt Volker Weber. Heute ist er 32 und frisch gebackener Bürgermeister in Marpingen .

 

Doch die Marienverehrung spielt in der Gemeinde im Landkreis St. Wendel noch immer eine große Rolle. Wenngleich die Zeiten, als an einem Tag bis zu 40 000 Gläubige hierhin pilgerten, weil es im Jahr 1999 weitere „Erscheinungen“ von drei Seherinnen gab, vorbei sind. Zum Glück – darin sind sich alle einig. „Das war einfach zu viel“, meint auch Gregor Hinsberger, der das Geschehen in Marpingen seit 25 Jahren als Kultur- und Tourismusbeauftragter begleitet. „Es gab einen Tag im Oktober, da parkten hier allein 187 Busse.“

 

Davon ist an diesem Vormittag nichts zu spüren. Der Parkplatz ist verwaist, das Besucherzentrum mit dem Devotionalienverkauf geschlossen, den Gedenkplatz an der Marienkapelle überqueren nur einige Hundebesitzer bei ihrer Gassi-Runde. Hundert Meter weiter, oben an der Marienquelle, steht sogar ein Rehbock im Härtelwald und schaut dem Besucher, der den Kreuzweg mit den 14 großen Stationsbildern entlangkommt, gelassen entgegen. Keine Frage: Wer einen Platz zum Abschalten sucht, der findet ihn hier. Wer tief gläubig ist und die Heilige Maria um Beistand bitten will – oder wer einfach nur einmal allein sein und innehalten möchte, all das ist möglich. Und so soll es auch sein. „Es geht nicht nur ums Beten“, sagt Volker Weber. „Hier ist ein Ort der Ruhe, wo man zu sich selbst finden kann.“ Ganz unabhängig davon, ob man daran glaubt, dass die Mutter Gottes am 3. Juli 1876 den drei Mädchen erschienen ist, oder nicht. Er jedenfalls tut es: „Das Gegenteil ist nicht bewiesen!“

 

Und er ist stolz, nun Bürgermeister einer Gemeinde zu sein, die sich mit dem Zusatz „das deutsche Lourdes“ schmückt. „Wer an Marpingen denkt, der denkt an die Marienverehrung “, sagt Weber. Die sei ein „zentraler Bestandteil und Alleinstellungsmerkmal“ der Gemeinde, sorge für Überregionalität und habe große Bedeutung – nicht nur für die Einwohner, sondern auch für Touristen. Wie viele es genau sind, lässt sich nur vermuten. Verlässliche Besucherzahlen gibt es nur in Bezug auf angemeldete Reisegruppen und Buspilger (5000 bis 7000 im Jahr), Teilnehmer der Pilgertreffen und Gebetstage (zwischen 3500 und 5000) und Besucher von Lichterprozessionen, Andachten und Konzerten (rund 2500 bis 3000). Macht rund 15 000 Besucher pro Jahr. All die Menschen, die vereinzelt oder regelmäßig zur Verehrungsstätte kommen, nicht mitgerechnet. Rund 35 000 sind das noch einmal, schätzt die Gemeinde.

 

Wie Heidi Dumant aus Spiesen. Vor 15 Jahren, als ihr Mann schwer an Krebs erkrankte, war sie das erste Mal hier. Ob das Gebet geholfen hat? „Sehr“, sagt sie und lächelt mit Tränen in den Augen. Ihr Mann ist seitdem längst geheilt – zur Marien-Statue in der kleinen Kapelle kommt sie trotzdem noch mindestens einmal im Monat. Um Dank zu sagen oder auch für ihre Kinder zu beten. „Maria hat eine wahnsinnige Ausstrahlung auf mich. Ihr kann ich all meine Sorgen erzählen – und wenn ich von hier wegfahre, bin ich regelrecht erleichtert“, sagt die 65-Jährige.

 

Erleichtert ist auch Ingrid Schirra (60), die ganz in der Nähe der Verehrungsstätte wohnt – vor allem, dass der Trubel von 1999 vorbei ist. „Das hat den Marpingern nicht gefallen.“ Und ein Rentner, der an diesem Morgen kommt, um für seine kranke Frau zu beten, bestätigt hinter vorgehaltener Hand: „Das war doch Verarsche.“ Viele der neuen „Erscheinungen“ nämlich – genau 13 waren es insgesamt zwischen Mai und Oktober 1999 – waren vom damaligen Kapellenverein, der die Stätte gepachtet hatte, sogar öffentlich angekündigt worden. Und die Stadt musste dann sehen, wie sie das Besucher-Chaos in den Griff bekommt und für Ordnung und Sicherheit sorgt.

 

Doch seit Jahren hat Marpingen die Situation wieder unter Kontrolle – vor allem, seit die Gemeinde 2002 die Marienverehrungsstätte nach einer Räumungsklage übernommen und seitdem viel für die Infrastruktur getan hat. Mit enormer Unterstützung des Landes für dieses „Tourismusprojekt Härtelwald“: Rund 1,75 Millionen Euro gab das Wirtschaftsministerium für die neue Andachtsstätte, Sanitärgebäude, Quellwasseraufbereitung, Wassertretanlage, Kanäle, Wege und Parkplätze. Den Rest von knapp 752 000 Euro übernahm die Gemeinde. Nur manchmal monieren die Marpinger heute noch leise, dass man einiges von dem Geld besser in die maroden Straßen gesteckt hätte. Unterm Strich jedoch haben die Bürger längst ihren Frieden mit diesem Ort gemacht.

 

Die katholische Kirche übrigens hat Marpingen nie als offiziellen „Erscheinungsort“ anerkannt, weil sie bei einer Prüfung kein Ereignis mit „übernatürlichem Charakter“ feststellen konnte – weder 1876, noch 1999. Deshalb darf der Ort nur „Verehrungs“- oder „Gebetsstätte“ genannt werden. Den Menschen, die hierhin kommen, ist es egal. „Schauen Sie sich um“, sagt ein 75-Jähriger und zeigt auf die Dankeswand mit zig „Maria hat geholfen“-Tafeln. „Das beweist doch genug.“  
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