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Imagekampagne: Saarland soll zur Marke werden

Saarbrücken. Weg von Bergbauromantik und Steigerlied, hin zur Vorstellung eines modernen Industrielandes mit jungen Branchen, neuen Arbeitsplätzen sowie einer hohen Lebensqualität. So sehen die Inhalte einer geplanten Imagekampagne der Landesregierung aus, um Fach- und Führungskräfte an die Saar zu locken. Trotz der Haushaltslage wolle man ein Zeichen setzen, betonte der Chefplaner in der Staatskanzlei. „Verantwortliche aller Parteien haben heute zumindest die Notwendigkeit erkannt, dass etwas passieren muss“, sagte er.

Das Erschreckende ist nur: Diese Worte und die Konzeption der Kampagne sind schon 35 Jahre alt. Sie stammen von Klaus Töpfer, Planungschef in der Staatskanzlei unter Ministerpräsident Franz-Josef Röder. Nachzulesen in der SZ vom 16. April 1977.
Ist man seitdem in Sachen Saarland-Marketing wirklich weitergekommen? Fällt den Deutschen zum Saarland heute mehr ein als Kohle, Stahl und Lafontaine? Morgen, am 4. Mai 2012, will Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit Vertretern der Wirtschaft einen neuen Anlauf zur Imagebildung nehmen. Eine „Dachmarke Saarland“ ist das Ziel mit einer eindeutigen Botschaft in Bezug auf die Vorzüge der Region. Eine Kampagne soll dies unterstützen.

Fragt man prominente Persönlichkeiten, die lange hier leben oder ihre Karriere an der Saar gestartet haben, bekommt man manch überraschende Einschätzung darüber, womit das Land werben sollte. Professor Wolfgang Wahlster etwa, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) rät, die Sicherheit hervorzuheben. Es gebe an der Saar weder hohe Kriminalität noch eine verbreitete Ausländerfeindlichkeit. Das sei heute besonders wichtig. Das mehrsprachige Bildungsangebot mit Beispielen wie dem Deutsch-Französischen Gymnasium erleichtere es Führungskräften, die Familie mitzubringen. Dafür sprächen auch die Studien-Möglichkeiten an den Hochschulen.
Unipräsident Volker Linneweber verweist auf die Vielzahl renommierter Institute in unmittelbarer Nachbarschaft, auch zur Uni, mit attraktiven Karriere-Perspektiven. Er rät zur Vorstellung von Beispielen wie dem Helmholtz-Institut, dem Zentrum für Human- und Molekularbiologie oder der Institute für Neue Materialien und Zerstörungsfreie Prüfverfahren sowie den Materialwissenschaften.

Jan Hofer, heute Chefsprecher der ARD-Tagesschau, empfiehlt, sich als Hochtechnologie-Standort zu präsentieren mit engen Kontakten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Was Professor August Wilhelm Scheer und andere in der Informationstechnologie (IT) auf die Beine gestellt hätten, sei beeindruckend. Unternehmer erreichten mitten in Europa vom Saarland aus schnell Ballungszentren. Und auch ein Frühstück in Paris ab Saarbrücken sei Lebensqualität. „Das Saarland verkauft sich unter Wert“, meint Hofer. August Wilhelm Scheer schlägt vor, durch Einmaligkeit aufzufallen. Seine Idee: „Alle Schulbuch-Informationen digitalisieren. In fünf Jahren wird das Abitur auf dem I-Pad gemacht. Alle wichtigen Lerninhalte lassen sich heute digital abrufen. Man muss nicht mehr Taschen vollpacken.“ Zur Durchsetzung solch moderner Ideen gehöre aber der Mut, sich mit der Kultusminister-Konferenz anzulegen.
Ideen zur besseren Imagebildung gibt es also. Aber reicht das? Professor Robert Leonardy, der die auch international viel beachteten Musikfestspiele Saar etabliert hat, sieht die Hauptherausforderung bei der Ministerpräsidentin. Sie müsse regelmäßig in deutschen und europäischen Unternehmenszentralen Präsenz zeigen, für den Standort werben. Das erfordere enorme Hartnäckigkeit.

Es habe auch lange gedauert, so Leonardy, weltbekannte Orchesterensembles davon zu überzeugen, an der Saar zu gastieren. Wie bald wieder am 12. Januar 2013, wenn die Berliner Philharmoniker das „Deutsche Jahr“ der Musikfestspiele eröffnen. Leonardy würde sie gerne in einem neuen Konzerthaus gastieren lassen. Nach seinen Informationen reiche inzwischen ein Landeszuschuss von fünf Millionen Euro aus, um das Projekt Konzerthaus zu stemmen. Das E-Werk in Saarbrücken-Burbach sei am besten geeignet, zumal dieser Standort perfekt zur Industriekultur mit der benachbarten ehemaligen Burbacher Hütte passe. Als Teil der Architektur könne man möglicherweise auf Stahl der Dillinger Hütte oder von Saarstahl Völklingen zurückgreifen. Weltensembles wie den Berliner Philharmonikern müsse man den modernsten Spielort mit der bestmöglichen Akustik anbieten, wenn man Wirkung hinterlassen will.

Marguerite Donlon, Ballettchefin am Saarländischen Staatstheater, aus Irland stammend, teilt diese Ansicht. Mit einem neuen Konzerthaus, das einmalige Akustik mit entsprechender Architektur verbindet, strömten Kultur- und Architektur-Interessierte in die Region, was sie jüngst in Oslo erlebt habe. Donlon verweist als Aushängeschild des Saarlandes auf die große Dichte an Festivals: vom Theaterfestival Perspektives bis zum Filmfestival Max Ophüls Preis. Kulturell solle man als Großregion werben, das Centre Pompidou in Metz einbeziehen. Philippe Cerf, französischer Generalkonsul an der Saar, unterstützt das. Er rät darüber hinaus dazu, Kinder künftig zweisprachig aufwachsen zu lassen. Auch die schnelle Erreichbarkeit mit dem TGV/ICE sei ein Aushängeschild.

Nach Ansicht von Birgit Grauvogel, Chefin der saarländischen Tourismuszentrale, muss die Botschaft des Saarlandes so aussagekräftig sein wie in der Automobilindustrie für den „Mini“, der Lifestyle repräsentiere. Der Saar-Tourismus könne Teil einer Image-Kampagne sein.
Der in Blieskastel ansässige Sternekoch Cliff Hämmerle rät, die Kulinarik hervorzuheben. Nirgendwo sonst in Deutschland finde man eine so große Dichte an Sterneköchen und ein so vielfältiges Angebot an Gastronomie. Karriere lasse sich ideal mit Lebensqualität verbinden. Und was denkt Klaus Töpfer heute? Er sieht Vorzüge als modernes Energieland mit umweltschonenden Technologien. Auf diesem Gebiet solle sich das Saarland weiter profilieren.


Meinung
Zeit für ein neues Image
Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia


Der Abschied vom Bergbau ist die Chance, sich Gedanken zu machen über ein neues Image für das Saarland, mit dem man mehr Menschen, besonders Fach- und Führungskräfte, in die Region lockt. Was spricht heute für das Saarland?
Offenheit gegenüber Ausländern etwa – ein wichtiges Argument, um  eine geregelte Zuwanderung zu ermöglichen. Oder Ausländer zu motivieren, an der Saar zu studieren, wo es wenig Kriminalität gibt. In einer Region, in der der Euro mehr wert ist, weil die Lebenshaltungskosten geringer ausfallen, und Wohnungen oder Häuser zu angemessenen Preisen zu finden sind. Ein wichtiges Argument für Familien, die zudem von einem guten Bildungsangebot profitieren können, das zur konsequenten Zweisprachigkeit ausgebaut werden sollte. Ein größeres Ganztags-Betreuungsangebot muss hinzukommen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.
Bis man mit einem neuen Image Erfolg hat, kann es viele Jahre dauern. Das sollte die Hartnäckigkeit erhöhen, dieses Ziel jetzt anzusteuern.

Hintergrund
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Saar, die Handwerkskammer (HWK) sowie die Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU) versprechen sich viel von einem neuen Saarland-Marketing. Es müsse jetzt gelingen, ein Zuwanderungsland zu werden, da Fachkräfte knapp werden. Bis 2030 fehle gegenüber heute ein Fünftel der Saarländer im erwerbsfähigen Alter. Gebraucht werde bis dahin eine qualifizierte Zuwanderung in einer Größenordnung von bis zu 40.000 Fachkräften. Trotz aller Sparzwänge müsse jetzt ein offensives, auf nachhaltige Wirkung angelegtes Standortmarketing betrieben werden. Es müsse Schluss sein mit Klischees gegenüber der Region wie „provinziell“, „hoch verschuldet“, „umweltbelastet“ und „montan strukturiert“.
Beide Kammern sowie die VSU seien bereit, sich an einem offensiven Saarland-Marketing konzeptionell und finanziell zu beteiligen. Der Aufbau einer positiv besetzten „Marke Saarland“ sei ein aufwändiger und langwieriger Prozess. Die Organisationsstruktur solle gemeinsam vom Land sowie Wirtschaftsorganisationen getragen werden, inhaltlich gesteuert von einem Lenkungskreis, dem Fachleute aus Landesregierung, der Wirtschaft und den Hochschulen angehören. Alleine die jährlichen Kosten für Personal- und Sachmittel beziffert die Industrie- und Handelskammer auf 150.000 bis 200.000 Euro. ts
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