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Immer mehr Anrufe beim Giftnotruf der Uni-Klinik Homburg

Das Totenkopf-Symbol warnt auf Verpackungen vor giftigen Inhaltsstoffen.

Das Totenkopf-Symbol warnt auf Verpackungen vor giftigen Inhaltsstoffen.

Homburg. Kleine Kinder stecken schnell mal alles in den Mund, was sie in ihrer Greifweite finden: die roten Beeren im Garten, die giftig sind, oder Tabletten, die wie Bonbons aussehen. Auch Erwachsene sind vor Giftunfällen nicht sicher. Sie dosieren Medikamente falsch, reagieren mit Nebenwirkungen oder versuchen schlimmstenfalls sogar, sich mit Chemikalien das Leben zu nehmen.

An 365 Tagen im Jahr und 24 Stunden am Tag ist das Telefon des Giftinformationszentrums des Saarlandes (GIZ) an der Homburger Uniklinik besetzt. 1457Anrufe gab es im Jahr 2011. Das waren 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr (1404 Anrufe). „Vielleicht liegt es daran, dass unsere Notrufnummer immer bekannter wird“, vermutet GIZLeiter Erol Tutdibi als Ursache für den leicht erhöhten Beratungsbedarf. Zudem riefen vermehrt Kliniken und Ärzte an, die Rat suchen. Auch andere Giftnotrufe verzeichneten einen Anstieg.

Die Hälfte der Fälle betrifft Kleinkinder, die etwas Falsches gegessen haben (47,7 Prozent), gefolgt von Erwachsenen (26,7 Prozent) und Säuglingen (13,3 Prozent).

Kinder vergifteten sich am häufigsten mit Medikamenten (21,7 Prozent) und Pflanzen (21 Prozent), gefolgt von Waschmitteln und anderen Chemikalien (12,7 bzw. 12,6 Prozent). In rund 15 Prozent der Fälle wurde eine ärztliche Therapie empfohlen, in allen übrigen Fällen war kein Arztbesuch nötig.

„Sehr viele rufen aus Sorge an, sich durch die Einnahme einer Substanz versehentlich vergiftet zu haben“, sagt Tutdibi. „In den meisten Fällen ist ein Arztbesuch unnötig und wir können Entwarnung geben. Damit hilft unsere Beratung auch, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken.“

Für den Notfall empfiehlt er Eltern, Entschäumungs-Mittel wie Sabsimplex in der Hausapotheke zu haben. „Der Wirkstoff Dometicon verhindert, dass etwa Spülmittel im Körper schäumen“, erklärt er. Im Notfall rät er auch zu Kohletabletten: „Hier sind wir aber sehr vorsichtig. Kohletabletten sollten besser durch einen Arzt verordnet werden.“

66 Anrufer hatten versucht, sich das Leben zu nehmen. Die überwiegende Zahl der Vergiftungen bei Erwachsenen (62,7 Prozent) geschah jedoch unabsichtlich. Häufigster Grund war die Einnahme von Haushaltsmitteln. „Jemand hat den Wasserkocher entkalkt, aber aus Versehen den Entkalker im Gerät gelassen und sich einen Tee gekocht“, nennt Tutdibi ein Beispiel. Zweithäufigste Ursache seien Lebensmittel – Pilze, Pflanzen oder auch die Sorge, sich mit abgelaufenen Lebensmitteln vergiftet zu haben. Treten Vergiftungen mit bestimmten Produkten gehäuft auf, werden diese Informationen weitergeleitet und für den Verbraucherschutz verwendet.

Die meisten Anrufe kamen im August (162 Anrufe) und September (165). „In der warmen Jahreszeit reifen die giftigen Beeren. Die Kinder haben Ferien und spielen draußen und stecken dabei mal etwas in den Mund“, sagt Tutdibi. Auch in der Pilzsaison sei die Nachfrage erhöht.  Giftnotruf des Saarlandes: (0 68 41) 1 92 40

AUF EINEN BLICK

Im Fall einer Vergiftung raten die Experten dringend dazu, Ruhe zu bewahren und Tee, Wasser oder Saft zu trinken, auf keinen Fall Milch oder Salzwasser. Auch sollte kein Erbrechen ausgelöst werden. Dem Giftnotruf hilft es, wenn Sie genaue Angaben zur eingenommenen Substanz machen sowie Menge und Hersteller nennen können. Wenn Sie einen Arzt aufsuchen, nehmen Sie die Verpackung oder die verdächtige Substanz mit. ukl

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