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Immer mehr Deutsche haben einen Nebenjob

Immer mehr Menschen in Deutschland verdienen sich neben ihrem Haupt-Job noch etwas hinzu: Mitte vorigen Jahres gingen 2,62 Millionen Beschäftigte mit einer sozialversicherungspflichtigen Stelle zusätzlich mindestens einem Mini-Job nach. Das war jeder Elfte in dieser Gruppe. 2003 traf dies erst auf jeden 23. Beschäftigten zu. Damit hat sich die Zahl der „Multi-Jobber“ in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Brigitte Pothmer hervor. „Der Lohn aus einem Job reicht für viele ganz offensichtlich nicht zum Leben“, sagte Pothmer zur SZ. Wenn Menschen auf einen Zweit-Job angewiesen seien, um finanziell über die Runde zu kommen, dann laufe etwas schief in Deutschland.

Die Antwort der Bundesregierung, die unserer Zeitung vorliegt, zeigt aber auch: Die Gesamtzahl der Mini-Jobs blieb in den vergangenen Jahren relativ konstant. Das kommt daher, dass die geringfügige Beschäftigung als Neben-Job zwar zunimmt; zugleich geht jedoch die Zahl derjenigen zurück, die ausschließlich geringfügig beschäftigt sind. So hatten im Juni vorigen Jahres 4,82 Millionen Personen einen oder mehrere Mini-Jobs. Mitte 2009 waren es noch 4,93 Millionen gewesen. Eine Ursache dafür könnte in der guten Konjunktur liegen, denn auch die Zahl der Vollzeit-Stellen nahm zu.

Mini-Jobs gehören – bezogen auf den Stundenlohn – zu den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten. Nach einer 2012 veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung arbeiteten damals 90 Prozent der Mini-Jobber im Westen für weniger als 9,76 Euro, im Osten lag der Wert bei rund sieben Euro. Insgesamt knapp jeder zehnte Mini-Jobber kam sogar auf weniger als fünf Euro pro Stunde. Pothmer forderte, den geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro auf die Mini-Jobs auszudehnen. „Eine Ausnahme würde die Schwächsten treffen, die den gesetzlichen Schutz vor Lohn-Dumping am nötigsten haben“, sagte die Grünen-Politikerin.

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