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Immer mehr Kirchen im Saarland werden aufgegeben

„Das lässt mich alles andere als kalt“, sagt Pfarrer Thomas Weber. Gerade hat er am Telefon letzte Absprachen vor dem Gottesdienst in St. Antonius in Völklingen-Fenne getroffen, der am Samstag stattgefunden hat und der letzte war. Als er sein Amt vor zwei Jahren übernommen hatte, sei eigentlich schon klar gewesen, dass das Gotteshaus nicht mehr zu retten sei, sagt Weber. Die Heizung hatte damals schon ihren Dienst aufgegeben, eine Überflutung in diesem Frühjahr den maroden Zustand des Dachs unübersehbar gemacht. Trotzdem wollte die Gemeinde dort wenigstens noch den Sommer über Gottesdienste feiern. Ob die Kirche abgerissen werden darf, ist unklar. Denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Den meisten in der Gemeinde ist die Kirche mit ihrem eindrucksvollen Lichtspiel ans Herz gewachsen. Viele hätten noch ihren Bau Mitte der 60er Jahre erlebt und im Laufe der Jahre viel in Eigenarbeit repariert, beschreibt Weber die Verbundenheit der 800-Seelen- Gemeinde mit ihrem Gotteshaus.

Zum Schluss hat sich aber die damalige Betonbauweise als anfällig erwiesen. Die Gemeinde hat akzeptieren müssen, dass eine Sanierung mehr kosten würde als ein Abriss, an den Gedanken hat sie sich allmählich gewöhnt: Gottesdienste insbesondere in der kalten Jahreszeit fanden schon länger im benachbarten ehemaligen Kindergarten statt. Ganz andere Erfahrungen musste Pfarrer Matthias Holzapfel in Saarbrücken machen.

Er sei nur gekommen, um die Kirche zu schließen, habe er sich anhören müssen. Unterschriftenlisten gegen ihn seien in der Pfarrgemeinde rumgereicht worden. Schließlich haben sich die Wogen dort durch einen „Glücksfall“ geglättet, wie Holzapfel im Nachhinein sagt. Ein Unternehmer hatte das Gebäude gekauft und eine Galerie eingerichtet. Die Liste der profanierten, also entweihten, katholischen Gotteshäuser im Saarland umfasst in den letzten zehn Jahren neun Kirchen. In den evangelischen Kirchenkreisen sind es sechs, weitere stünden derzeit nicht zur Aufgabe an, sagt deren Sprecher Helmut Paulus. Die Gründe sind weitgehend identisch: weniger Gläubige, Sanierungsstau, zu hohe Unterhalts-, zumeist Heizkosten.

Die Diskussion darüber hat längst überall begonnen, sagt der Saarbrücker Dechant Benedikt Welter, „wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“. Die Strukturreform im Bistum hat den Prozess beschleunigt. Durch die Zusammenlegung von Pfarreien wird längst nicht mehr überall jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert.

Inzwischen gibt es im Land an der Kirchenbasis erste Initiativen, die Kirchengemäuer mit neuem Leben zu füllen. „Wir wollen uns nicht auf eine Jammerspirale einlassen“, sagt der Gemeindereferent des Dekanats Wadgassen, Joachim Kreuter. Gemeinsam mit den Kollegen aus vier weiteren, zumeist ländlich geprägten Dekanaten, hat er ein Forum unter dem Motto „Bleibt die Kirche im Dorf?“ ins Leben gerufen.

Statt erwarteter 20 haben rund 60 Teilnehmer, zumeist ehrenamtliche Pfarrgemeinderatsmitglieder, erst vor wenigen Tagen Ideen diskutiert, wie man Leben außerhalb der Gottesdienste in Kirchen bringen kann – etwa eine Präsentation biblischer Pflanzen im Kirchenraum und „Nightfever“- Nächte für Jugendliche.

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