L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (19.09.2017, 01:43)

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Immer mehr Saarbrücker zu arm zum sterben

Saarbrücken. Es ist das letzte Armutszeugnis eines Menschen. Wer sich ein Grab nicht leisten kann und keine Verwandten hat, die für ein Begräbnis aufkommen können, bekommt vom Regionalverband ein Armenbegräbnis. Natürlich heißt das nicht so, sondern – weniger drastisch – Sozialbestattung. Aber es bedeutet nichts anderes, als dass eine Beerdigung für viele Saarbrücker zu teuer ist. Mindestens 3500 Euro kostet eine Urnenbestattung in Saarbrücken. Damit gehören die Bestattungskosten in der Landeshauptstadt zu den höchsten im Saarland. Andere Kommunen im Saarland lägen deutlich unter den Kosten in Saarbrücken, sagt Helmut Raber.

Er ist Sachbearbeiter beim Sozialamt, das für den Regionalverband für diese Fälle zuständig ist. Gründe für den hohen Preis seien unter anderem die begrenzte Größe und Lage der Friedhöfe, sagt Stefan Kiefer, der Sprecher des Regionalverbands. Welche Leistungen eine Beisetzung beinhaltet und wie teuer sie ist, steht in der Friedhofsund Bestattungsgebühren-Satzung der Kommunen. Weitere Kosten entstehen durch die Leistungen eines Bestatters. Damit die Kosten für die Sozialbestattungen nicht noch teuerer werden, hat der Regionalverband mit den Bestattern einen Sonderpreis verhandelt, sagt Helmut Raber vom Sozialamt. Demnach kostet eine Urnenbestattung insgesamt 3500 Euro, eine Körperbestattung 3900 Euro und die Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof zirka 4200 Euro, da nach jüdischem Gesetz die dauerhafte Totenruhe als unantastbar gilt und damit eine Grabstelle für die Ewigkeit sein muss.



Bei „normalen“ Gräbern auf Saarbrückens Friedhöfen gilt eine Mindestruhefrist von 20 Jahren. Für den Verstorbenen richtet das beauftragte Bestattungsunternehmen eine Aussegnungsfeier aus. Sind keine Angehörigen da, wohnen mindestens ein Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens und ein Geistlicher der Beerdigung bei, erklärt Helmut Raber. Dass Menschen kein Geld für Bestattungen haben, ist in Saarbrücken keine Seltenheit. Seit 2004 das Sterbegeld abgeschafft wurde, müssen „bestattungspflichtige Angehörige“ die Kosten für die Beisetzung übernehmen. Zu diesen werden in folgender Reihenfolge gezählt: der Ehepartner und der Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, Kinder, Eltern, Partner einer auf Dauer angelegten nicht ehelichen Lebensgemeinschaft, Geschwister, Großeltern und Enkelkinder.

Sind Angehörige nicht vorhanden oder haben diese nicht das Geld, weil sie beispielsweise Hartz-IV beziehen und keine finanziellen Reserven besitzen, übernimmt das Sozialamt die Kosten für die Beerdigung. Im Jahr 2009 haben 352 Menschen einen Antrag auf Übernahme von Bestattungskosten beim Sozialamt gestellt. Im Regionalverband ist dieses für die Kommunen Friedrichsthal, Großrosseln, Kleinblittersdorf, Quierschied Riegelsberg und Saarbrücken zuständig. Seit diesem Jahr zusätzlich noch für Püttlingen, Sulzbach und Völklingen. In 169 Fällen wurden die Anträge genehmigt. 2010 waren es 369 Anträge und 166 Genehmigungen und in diesem Jahr bisher 190 Anträge und 58 Bewilligungen.



Helmut Raber glaubt, dass sich die Zahl der Menschen, die kein Geld für ihre eigene Beerdigung haben, in den nächsten Jahren noch steigen wird. „Das liegt meines Erachtens an der zunehmenden Lockerung von Familienstrukturen und die Verarmung weiter Bevölkerungskreisen durch sinkende Realeinkommen, Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnissen und die andauernd hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen“, sagt Raber. Somit dürften die Kosten für den Regionalverband steigen. Im letzten Jahr musste der Regionalverband 431 000 Euro für Armenbegräbnisse aufwenden, 2009 waren es 534 000 Euro: In diesem Jahr waren es bisher 161 000 Euro.
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