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Immer mehr Wohnungseinbrüche: Ausländische Banden verantwortlich?

Der Krimi im Abendprogramm hat gerade begonnen, als es an der Tür des älteren Ehepaares klingelt. Die Frau, wie ihr Mann schon jenseits der 80, denkt an Besuch. Arglos öffnet sie die Haustür. Sofort dringen drei Vermummte in die Wohnung ein, schlagen brutal auf die Frau ein und werfen sie die Kellertreppe hinunter. Dann holen sie den Mann, der an diesem Abend früh schlafen gegangen ist, aus dem Bett. Sie schlagen ihm eine Pistole über den Kopf, treten ihn, werfen auch ihn die Treppe hinunter.

Dabei schreien sie immer wieder ein Wort: Geld! Schließlich zwingen sie den Mann, den Tresor zu öffnen. Nachdem sie diesen ausgeräumt haben, verschwinden die Räuber. Ihre Opfer lassen sie schwer verletzt an Körper und Seele zurück.

So krass müssen Eigentumsdelikte nicht ausgehen – können sie aber. Jürgen Felix Zeck, stellvertretender Landesvorsitzender des Weißen Ringes, kennt oben geschilderten Fall und weiß zu berichten: „Im vergangenen Jahr gab es verstärkt Fälle, wo Täter bewusst in Häuser eingebrochen sind, als die Bewohner zum Tatzeitpunkt zu Hause waren.“

Doch die Regel ist das glücklicherweise nicht, wie Harald Schnur, Chef der saarländischen Kripo, weiß: „Das Ziel von Einbrechern ist es gemeinhin, möglichst schnell an den Tatort zu kommen, zu stehlen, und dann möglichst schnell wieder wegzukommen – unerkannt.“ Die Zahl der Delikte nimmt trotzdem zu – erneut wurden in den meisten Bundesländern mehr Wohnungseinbrüche registriert. Auch im Saarland. Das geht aus den Daten der Landeskriminalämter für das vergangene Jahr hervor.

Bei den Einbrüchen fällt besonders Baden-Württemberg auf: Hier schnellten die erfassten Fälle um mehr als 30 Prozent nach oben – auf jetzt rund 11 300. Betrachtet man die Zahlen der Bundesländer insgesamt, scheint sich ein Negativtrend fortzusetzen: Die Polizei hatte bereits für das Jahr 2012 eine Zunahme der Wohnungseinbrüche um fast neun Prozent auf bundesweit 144 000 registriert. Für das Folgejahr 2013 heißt es nun etwa aus Nordrhein- Westfalen: Mit 54 953 Einbrüchen – ein Plus um weitere 1,5 Prozent – sei der höchste Stand seit 1995 erreicht worden. Im Saarland war 2012 ein Anstieg um 22 Prozent auf 2031 Fälle registriert worden. Im vergangenen Jahr ging die Fallzahl noch einmal um 3,2 Prozent nach oben: 2013 wurde hierzulande 2095 Mal eingebrochen. Einbrüche beeinträchtigen die Opfer in ihrem Sicherheitsempfinden erheblich, betont der Kriminologe Thomas Feltes und spricht von einer „Renaissance des Einbruchs“.

Dennoch warnt der Professor von der Ruhr-Universität Bochum vor Panikmache. Die Zahlen seien in früheren Jahren teils deutlich höher gewesen. Im Jahr 1993 gab es laut Kriminalstatistik 227 090 Fälle von Wohnungseinbruchdiebstahl in Deutschland. Feltes vermutet, dass auch Unterschiede bei der Datenerfassung zu den veränderten Zahlen beitragen.

Die Ermittler wiederum führen die seit einigen Jahren wieder steigenden Zahlen auch auf gut organisierte Einbrecherbanden zurück. „Wir haben seit einigen Jahren eine erhöhte Anzahl reisender Tätergruppen, also mobile Intensivtäter, die nach unserer Erkenntnis maßgeblich für die steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen verantwortlich sind. Das gilt für Deutschland. Aber auch für das Saarland und das Grenzgebiet“, berichtet Saar-Kripo-Chef Schnur. Die Ermittler im kleinsten Flächenland der Republik versuchen unter anderem durch eine erhöhte Polizeipräsenz, den vorwiegend aus Südosteuropa einreisenden Banden Herr zu werden. Neben einer 2013 eingerichteten Sonderermittlungsgruppe sind seit Mitte Januar fast täglich bis zu 40 Beamte in Streifen- und Zivilfahrzeugen unterwegs, um in Brennpunkten zugegen zu sein. Feltes sieht solche Aktionen kritisch und spricht von medienwirksamer „Symbolpolitik“.

„Natürlich haben wir diese Gruppierungen, diese sogenannten Banden – aber nicht in dem Umfang, wie die Politik es glauben machen will.“ Der typische Einbrecher sei „jung, männlich und drogenabhängig“. Oft schlügen Einbrecher im eigenen sozialen Umfeld zu. Als Beispiel nennt Feltes Täter, die sich in den Wohnungen der Eltern von Freunden vergreifen – weil sie wissen, was dort zu holen ist.

Saar-Polizei klärt 16 Prozent der Einbrüche

Auch im Saarland vergreifen sich Diebe gerne am Eigentum anderer. Über die Gründe unterhielt sich SZ-Redakteur Thorsten Grim mit Harald Schnur, Chef des Landeskriminalamtes.

Die Zahl der Einbrüche ist erneut gestiegen. Woran liegt das? Schnur: Bundesweit steigt die Zahl der Einbrüche seit 2009. Diese Steigerung ist zeitlich verzögert 2011 im Saarland angekommen. 2012 massiv mit einer Steigerung von 22 Prozent, und 2013 wieder 3,2 Prozent. Nach unserer Erkenntnis sind reisende Tätergruppen für die Steigerung maßgeblich verantwortlich. Insbesondere Gruppen aus Südosteuropa.

Die Zahl der Einbrüche geht hoch, was ist mit anderen Eigentumsdelikten, Raub etwa? Schnur: Fälle von Raub hatten wir 595. Quantitativ ist das vielleicht keine Größe bei 72 540 Straftaten. Allerdings ist das für die Polizei ganz wichtig, denn dort wird teilweise massiv Gewalt angewandt. Es gibt die Ermittlungsgruppe Gewalt, die sich speziell um dieses Thema kümmert.

Mit welcher Taktik geht die Polizei gegen Einbrecher vor? Schnur: Wir haben eine Drei- Säulen-Strategie. Die erste Säule ist die Aufklärung der Tat, wenn sie passiert ist. Die Aufklärungsquote hat sich von 10,8 auf 16 Prozent im vergangenen Jahr erhöht. Da wir es größtenteils mit gut organisierten international agierenden Banden zu tun haben, haben wir die Ermittlungsgruppe „Wohnungseinbruch 2013“ eingerichtet, die im vergangenen Jahr schon mehr als 50 Haftbefehle vollstreckt hat. Die zweite Säule besteht darin, dass wir versuchen, Einbrüche zu verhindern – mit offenen und verdeckten Kontrollen in Gebieten, in denen sich Einbrüche häufen. Die dritte Säule ist die Aufklärung der Bevölkerung. Darüber, wie sie sich selbst schützen kann, wie wichtig gute Nachbarschaft ist und wie wichtig es ist, mit der Polizei zusammenzuarbeiten.

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