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Immer mehr internetsüchtige Jugendliche

Saarbrücken/Berlin. Längst ist der Alltag vieler Menschen, sei es im Beruf oder im Privaten, mit den unerschöpflichen Funktionen des Internets verwoben. Laut einer Studie des Statistikportals www.statista.de surften im Jahr 2010 in Deutschland bereits knappe 55 Prozent der deutschen Bevölkerung täglich auf den Wellen des World Wide Webs, die meisten davon mehrere Stunden lang. Jederzeit und selbstverständlich stehen den Menschen die Datenmassen zur Verfügung. Besonders junge Nutzer erkennen dadurch nur schwer die Grenze zwischen normalem Gebrauch und krankhaftem Internetkonsum. Heute wird in Zusammenhang mit einer exzessiven PC- und Internetnutzung die sogenannte Onlinesucht als ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko für Geist und Körper diskutiert.

Ernstzunehmende Studie

Für die Onlinesucht anfällig sind vor allem Jugendliche ab einem Alter von zwölf Jahren. Die Zahl der süchtigen Teenager wächst stetig an. In einem Bericht des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2009 wurden rund 45 000 Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse zu ihrer persönlichen Internetnutzung befragt. Das Resultat fiel besorgniserregend aus: Bei etwa 4,3 Prozent der Mädchen und 15,8 Prozent der Jungen ergab sich eine ausschweifende Nutzung des Internets. Und nicht nur die schulischen Leistungen leiden in solchen Fällen unter der Onlineabhängigkeit. Mangelnde Körperhygiene, soziale Isolation und der Verlust der Realität gehen mit der Sucht einher. Ex-Süchtige berichten in Online-Tagebüchern von ihrer Medienvergangenheit.  Sie erzählen von langen Chatsitzungen, mehreren hundert Stunden, die sie mit Spielen zubrachten und von Wutausbrüchen, wenn der Facebook-Status nicht stündlich aktualisiert werden konnte.



Verlust der Realität

Dr. Ulrich Glowalla, Professor für pädagogische Psychologie an der Uni Gießen, baut bei der Vorbeugung auf die Initiative der Eltern, die Interessen der Kinder schon frühzeitig auf attraktive Alternativen zu PC und Internet zu lenken, beispielsweise auf Sport, Musik oder Tanzen. „Ein Kind, das seit Jahren Fußball spielt, wird das Pokalturnier dem Computer vorziehen“, erklärt Glowalla. Denn stehen die Eltern erst einmal ratlos vor den verschlossenen Türen der Jugendlichen, wissen sie oftmals nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Mehr als die Hälfte der Internetsüchtigen insgesamt ist von einer Sucht nach den Online-Gemeinschaftsspielen betroffen, zu welchen auch das Rollenspiel „World of Warcraft“ gehört. Dort erobern zehntausende Nutzer in Gestalt von Magiern und Monstern gemeinsam unbekannte Welten.

Wie aber geht man als Erziehungsberechtigter, Freund oder Lehrer vor, um einen Süchtigen aus dem Netz zurück in die Realität zu holen? Da das Internet heutzutage in viele Lebensbereiche einschneide, sei eine vollständige Abstinenz kaum umsetzbar, so Glowalla.  Er rät den Jugendlichen daher zu Verhaltenstherapien, um einen kontrollierten Umgang mit dem Computer zu lernen.



Schon heute sieht der Professor das Fernsehen als Leitmedium durch das Internet abgelöst: „Die exzessive Nutzung des Internets wird zunehmen, wenn die Gesellschaft sich nicht darum kümmert, was unsere Kinder und Jugendlichen machen.“ Letztlich bleibt es den Erziehungsberechtigten überlassen, wie sie ihre Kinder zu einem sinnvollen Umgang mit Computer und Internet erziehen. Abschließend erklärt Glowalla: „Die Onlinewelt wird für ein Kind immer faszinierend bleiben, doch es muss dafür gesorgt werden, dass Aktivitäten im realen Leben eine vergleichbar große Faszination ausüben.“
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