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Immer mehr junge Besucher in Saarbrückens Wärmestube

Wärmestube-Mitarbeiter Ulrich Schmidt gibt das Essen an Cate, Richy und Thomas aus. Die freuen sich auf eine warme Mahlzeit.

Wärmestube-Mitarbeiter Ulrich Schmidt gibt das Essen an Cate, Richy und Thomas aus. Die freuen sich auf eine warme Mahlzeit.

Saarbrücken. Die Wärmestube „Wurzellos“ in der Trierer Straße ist für viele Obdachlose oder Hilfsbedürftige ein täglicher Anlaufpunkt geworden. Sie finden dort einen Rückzugsort und erhalten billige Mahlzeiten. Die Zahl der sehr jungen Besucher ist nach Beobachtung von Wolfgang Gottschalk, dem Leiter der Einrichtung, in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

„Eine genaue Schätzung ist schwierig“, sagt er. Es seien aber „etliche“, die noch in den Zwanzigern sind. Manche seien erst zwischen 20 und 25 Jahre alt. Gottschalk vermutet, dass Hartz IV der Grund für den Anstieg sein könnte: „Jugendeinrichtungen müssen unter Hartz IV knapper kalkulieren, da fallen mehr Menschen durch das soziale Netz.“ Gottschalk übernahm im September des vergangenen Jahres die Leitung der Wärmestube. Bis zum Jahr 2005 hatte er bereits dort gearbeitet. „Vor zehn Jahren war das Problem nicht so gravierend.“ Der Sozialarbeiter Bertrand Schaeffer bestätigt: „Viele der jungen Besucher sind sehr perspektivlos.“ Auch neuartige Drogen verschärften die Situation.

Gleichzeitig weist Gottschalk auf ein anderes Problem hin: den Zusammenhang zwischen Armut und geringerer Lebenserwartung. „Von unseren Besuchern wird keiner richtig alt. Viele erreichen das 60. Lebensjahr nicht“, sagt Schaeffer. Ein Grund dafür sei die Praxisgebühr. „Die zehn Euro waren für viele eine sehr große Hürde.“ Mit teils gravierenden Folgen: Einer der „Wurzellosen“ ließ ein Blutgerinnsel im Bein nicht behandeln – schließlich musste ihm der Unterschenkel amputiert werden. Über die Abschaffung der Praxisgebühr zeigen sich die Sozialarbeiter erleichtert, befürchten aber, dass die Beziehung zwischen den Ärzten und den Bedürftigen dauerhaft gelitten hat und ein Arztbesuch weiterhin nicht selbstverständlich ist.

Doch für die Wärmestube gibt es auch gute Neuigkeiten. So ist in der Adventszeit kräftig gespendet worden. „Der Winter ist gerettet“, sagt Stephan Manstein, der Vorsitzende des Wärmestube-Vereins. Er sei „überwältigt vom Zuspruch“. Um die laufenden Kosten zu decken, braucht die Wärmestube pro Jahr 100 000 Euro an Spenden. Dazu kommen jährlich insgesamt 150 000 Euro von Land und Stadt.

Auch die Schuhkarton-Aktion in Püttlingen und Heusweiler- Holz sei sehr gut verlaufen, sagen Manstein und Gottschalk. Rund 250 Kartons, gefüllt mit Lebensmitteln, habe die Wärmestube erhalten. Diese sind am zweiten Weihnachtstag unter den Besuchern verteilt worden. Auch der 55- jährige Golly, der seit etwa einem Jahr in die Wärmestube kommt, hat sich über einen solchen Karton gefreut. Er findet die Aktion „sehr, sehr gut“: „Manche hier können sich die 50 Cent für das Frühstück oder den Euro für das Mittagessen nicht leisten“, sagt er. „Besonders sie waren sehr froh über die Lebensmittel.“

Durchschnittlich 50 bis 60 Besucher hat „Wurzellos“ täglich, im Winter sind es um die 80. Sie können dort duschen, ihre Wäsche waschen, aber auch an Aktivitäten wie Tischkicker- Turnieren oder Radtouren teilnehmen. Dabei wird auf „Niedrigschwelligkeit“ gesetzt. Das bedeutet, dass Alkoholkonsum in Maßen erlaubt ist. „Im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen dürfen die Besucher hier Bier oder Wein trinken“, erklärt Gottschalk. „Sonst würden viele gar nicht erst kommen.“ Die Einrichtung bringe Struktur in das Leben der Besucher, was sich auch im Team widerspiegele: Zehn weitere Mitarbeiter engagieren sich dort – hauptsächlich ehrenamtlich. Neun von ihnen kommen „aus der Szene“.

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