A6 Metz/Saarbrücken Richtung Kaiserslautern Zwischen AS Saarbrücken-Fechingen und AS Sankt Ingbert-West Gefahr durch defekten LKW (03:52)

A6

Priorität: Sehr dringend

10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Impfung per Hautcreme: Saarbrücker Forscher entwickeln neues Verfahren

Saarbrücker Forscher entwickeln Impfstofe, die durch den Haarbalg (Follikel) in die Haut gelangen. Von dort werden sie von den Langerhans-Zellen ans Immunsystem weitergeleitet.

Saarbrücker Forscher entwickeln Impfstofe, die durch den Haarbalg (Follikel) in die Haut gelangen. Von dort werden sie von den Langerhans-Zellen ans Immunsystem weitergeleitet.

Pharmazeuten der Saar-Universität und des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung entwickeln einen neuartigen Nano-Impfstoff. Er soll über die Haarwurzeln in den Körper gelangen.

Saarbrücken. Spritzen, sprühen, schlucken – diese drei Verfahren können Mediziner heute bei Impfungen nutzen. Bald könnte es ein viertes geben. Pharmazeuten der Saar-Uni entwickeln eine Technologie, um Impfstoffe mit Nanopartikeln durch die Haut zu schleusen. Sie sollen über die Haarfollikel in den Körper gelangen und könnten in einer Creme eingerieben oder in einem Pflaster aufgeklebt werden.

In einem Quadratzentimeter menschlicher Haut stecken bis zu 150 so genannte Haarfollikel, schmale Röhrchen, die jeweils ein einzelnes Haar hervorbringen. Der Boden der Follikel ist wie bei einer Sektflasche eingedellt. Über der Ausbuchtung liegt die eigentliche Wachstumszone des Haares, die durch Blutgefäße mit Nährstoffen versorgt wird. Hier entstehen ständig neue Haarzellen, die die darüber liegenden mit einer Geschwindigkeit von etwa einem drittel Millimeter pro Tag aus der Röhre schieben.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Haarfollikel sitzen auch zahlreiche so genannte Langerhans-Zellen, die die äußerste Verteidigungslinie unseres Immunsystems bilden, so Professor Claus-Michael Lehr vom Saarbrücker Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung (HIPS). Diese Zellen identifizieren eindringende körperfremde Substanzen und transportieren sie zu den Lymphknoten, um das Immunsystem gegen diese so genannten Antigene zu sensibilisieren.

Neue Impftechnik soll schonender sein

Diesen biologischen Mechanismus wollen die Forscher der Saar-Universität und des Helmholtz-Instituts nun zur Entwicklung einer neuen Impftechnik nutzen. Die Impfung über die Hautoberfläche, so Dr. Steffi Hansen, Gruppenleiterin am Helmholtz-Institut, ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Allerdings ist das Saarbrücker Nano-Verfahren ungleich schonender, als die wegen ihrer Infektionsgefahren in Verruf geratene Impfpistole, die Wirkstoffe per Druckluft in die Haut schießt. Steffi Hansen: „Wir wollen eine Technologie entwickeln, die sicher durch die Haut kommt.“

Dass dies prinzipiell über die Haarfollikel möglich ist, habe eine Studie der Saar-Uni und der Berliner Universitätsklinik Charité gezeigt, so Claus-Michael Lehr. Wobei dabei eine ganz andere Frage im Mittelpunkt stand. Es ging um Gesundheitsrisiken durch Nano-partikel und die Frage, ob diese nur Bruchteile eines tausendstel Millimeters großen Teilchen die Haut durchdringen können. Bei ihrer Studie entdecken die Forscher, dass Nanoteilchen, die in die Haut einmassiert werden, tagelang in den Haarfollikeln gespeichert bleiben. Das soll beim Entwurf maßgearbeiteter Nanopartikel ausgenutzt werden, die den Transport von Impfstoffmolekülen in die Haut übernehmen, so Dr. Ulrich Schäfer, der an der Saar-Universität das Impfprojekt betreut. Im Prinzip könne jeder Impfstoff in diese Nano-Container verpackt werden, entscheidend ist, wie er freigesetzt wird. Die Nanokapsel, die für die Impfstoffcreme entwickelt wird, darf ihre medizinische Fracht nicht beim ersten Kontakt mit der Haut abgeben. Erst nachdem sie in die Haarfollikel eingedrungen ist, soll sie auf ein biochemisches Signal hin aufplatzen und die Impf- und eine Verstärkersubstanz für die Langerhans-Zellen entlassen. Dieser Auslöser könnte Schweiß sein, aber auch der Talg, der in den Haarfollikeln gebildet wird, so die Pharmazeuten.

Bill Gates Stiftung unterstützt das Projekt

Das Projekt des Helmholtz-Instituts wird von der Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates zunächst mit 100 000 Dollar (rund 80 000 Euro) unterstützt. Wenn die ersten Forschungsgebnisse positiv ausfallen, wird die Förderung nach einem Jahr verzehnfacht. Falls alles reibungslos läuft, könnte die Impf-Creme aus Saarbrücken in Zukunft unter anderem bei Reihenimpfungen in Entwicklungsländern eingesetzt werden, wo empfindliche, konventionelle Wirkstoffe schnell verderben.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein