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Impressionen vom Festival „Les Eurockéennes“ in Völklingen

Es ist eine Erinnerung, die nicht verblasst: Pfingsten 1998, wir – drei 17-jährige Jungs aus der Provinz – packen Zelt, Kocher und Isomatten und ziehen los zum größten Popfestival der Niederlande. Aufgeregt wie Kinder. Wir wollen die Smashing Pumpkins sehen, Skunk Anansie, Garbage – unsere Helden. Drei Tage feiern wir in einer Masse Gleichgesinnter, weit weg von den Eltern. Es ist heiß, dreckig und laut, wir springen, schwitzen, grölen Texte.

Wer seine Jugend in den 90er und frühen 2000er Jahren verbracht hat, wird einige Fotos der neuen Weltkulturerbe-Ausstellung „Pop on stage“ nicht ohne nostalgische Gefühle betrachten können. „25 Jahre Les Eurockéennes“ ist der Untertitel dieser zweiten „Generation Pop“- Begleitschau, die gestern eröffnet wurde. Sie ist dem 1989 in der Nähe des ostfranzösischen Belfort gegründeten „Les Eurockéennes“-Festival gewidmet, dem größten Frankreichs, keine 250 Kilometer von Saarbrücken entfernt. Doch im Grunde hätten die 55 Bühnen-, Backstage- und Publikums-Impressionen, die die Kuratoren Frank Krämer und Peter Meyer aus einem Fundus von mehreren Tausend Fotos ausgewählt haben, auch bei jedem anderen europäischen Groß-Festival entstanden sein können. In chronologischer Hängung strahlt uns da ein entspannter, in blaues Licht getauchter David Bowie (1996) an, breitet Rammstein-Sänger Till Lindemann im brennenden Glitzer-Jackett messianisch die Arme aus (1998), reckt Iggy Pop seinen drahtigen, gewohnt frei gelegten Oberkörper Richtung Publikum (2001), oder macht die im Backstage-Bademantel eingehüllte Beth Ditto Grimassen in die Kamera (2011).

Was man wohl fühlt auf einer Bühne vor Zehntausenden – Euphorie, Macht sogar? Die Bilder zeigen Künstler in den existenziellsten Momenten ihres Daseins: auf der Bühne. Manchen scheint das stille Glück ins Gesicht geschrieben, andere schreien ihre Gefühle heraus. Viele Fotos verströmen etwas von jener ungebändigten Atmosphäre, die Publikum und Stars auf Festivals eint.

Das alles ist fraglos schön anzusehen. Und doch wirft die Schau nur einen sehr eingeschränkten, auf die ästhetische Dimension reduzierten Blick auf das Phänomen Rockfestival, das ja aber auch gerade in seiner sozialen Funktion spannend ist. Denn warum eigentlich boomen seit den 90er Jahren die Open-Air-Events (weit über hundert sind es mittlerweile alleine in Deutschland)? Warum gibt es für so viele Menschen Sommer für Sommer offenbar nichts Größeres, als im Schlamm zu zelten und dafür noch Eintritt zu zahlen? Warum wird das „kontrollierte Ausbrechen aus dem Alltag“, wie es Rock-am-Ring-Veranstalter André Lieberberg einmal formulierte, immer wichtiger? Ist die „Festivalisierung“, von der Soziologen sprechen, die Antwort auf die Suche nach Authentizität im Zeitalter der Digitalisierung, wie Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig bei der gestrigen Eröffnung andeutet? Die Ausstellung selbst gibt hierauf keine Antwort. Sie ist eine kleine, feine Fotoschau. Mehr nicht, aber weniger auch nicht.

Zu sehen in der Popgalerie des Weltkulturerbes bis 19. Januar. Eintritt: 12/10 Euro. Täglich geöffnet von 10 bis 19 Uhr.

Infos: Tel. (0 68 98) 9100 100.
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