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In Ottweiler eröffnet Abfahrtsstrecke für Mountainbike-Fans

Flowtrail ist nicht nur eine sportliche Herausforderung für Mountainbiker, sondern auch ein Naturerlebnis. Alle Bauten der Strecke in Ottweiler wurden ehrenamtlich errichtet.

Flowtrail ist nicht nur eine sportliche Herausforderung für Mountainbiker, sondern auch ein Naturerlebnis. Alle Bauten der Strecke in Ottweiler wurden ehrenamtlich errichtet.

Ottweiler. „Wer hat dir denn bitteschön erzählt, dass man in solchen Hosen Fahrrad fährt? Sind das etwa Leggins?“ Die Begrüßung von Martin Halm könnte kaum herzlicher ausfallen. Mitleidig mustert er mein Beinkleid, fängt an zu lachen und fügt hinzu: „Na ja, in den Dingern kommst du auch den Berg runter. Irgendwie.“ Das klingt zwar beruhigend, beim Anblick des Flowtrails, den er und rund 30 weitere Mountainbiker im Ottweiler Wald angelegt haben, mache ich mir allerdings eher um meine körperliche Unversehrtheit Gedanken als um Mode-Sünden.

Aber kurz zur Hosenwahl: Als ich mich zum letzten Mal sportlich auf einem Rad bewegt habe, war hautenge Garderobe angesagt, um bloß nicht mittels Wäscheklammer dafür sorgen zu müssen, dass sich überschüssiger Hosenschlag in der Fahrradkette verfing. Also habe ich mich für eine stinknormale Laufhose entschieden. Eng geschnitten zwar, aber deshalb noch lange keine Leggins. Nur damit das mal geklärt ist.

Achterbahn-Feeling garantiert

Martin Halm hat mich jedenfalls eingeladen, um mit ihm gemeinsam den Flowtrail schon vor der offiziellen Eröffnung an diesem Samstag, 26. Mai, auf Herz und Nieren zu testen. Er will mir zeigen, was den Reiz dieser Strecke ausmacht. „Anders als etwa bei Downhill, wo man den Berg so schnell wie möglich hinabfährt, geht es beim Flowtrail darum, die Ideallinie der Strecke (Englisch: Trail) zu finden, und diese im Fluss (Flow) zu meistern. Möglichst ohne viel eigenen Antrieb. Dadurch entsteht eine Art Achterbahn-Feeling“, erklärt der 33-Jährige, der sich dafür eingesetzt hat, dass in Ottweiler der deutschlandweit zweite, von der DIMB (Deutsche Initiative Mountain Bike) zertifizierte Flowtrail entstehen konnte.

Netterweise leiht er mir ein „gutes, normales Rad“ im Wert von „etwa 2000 Euro“, das über einen „120-Milimeter-Federweg und drei mal neun Gänge“ verfügt. Das mit dem Federweg verstehe ich zwar nicht, bin aber dennoch beeindruckt. Vor allem von den 27 Gängen und dem Preis. Bevor der Spaß auf der knapp vierminütigen Abfahrt beginnen kann, ist allerdings Beinarbeit gefragt. Der Berg muss schließlich erklommen werden. Im Klartext bedeutet das, eine zwei Kilometer lange Strecke und 150 Höhenmeter zu überwinden. Für ungeübte Radler ist das eine sportliche Herausforderung, der ich nur stellenweise gewachsen bin. „Wer sein Rad liebt, der schiebt“, lautet daher immer mal wieder mein Motto. Auf diese Weise bekomme ich einen guten Eindruck von der Strecke, die hier binnen eines Jahres angelegt wurde. Und ich bin begeistert: Zahlreiche sogenannter Drops (Holzrampen), Kicker (Sprungschanzen) und Anlieger – eine Art Steilkurve im Mini-Format, wie man sie aus dem Eiskanal beim Bobfahren kennt – zeigen, mit wie viel Herzblut und Mühe hier gearbeitet wurde. Sogar eine Holzbrücke, die über einen Wanderweg führt, wurde errichtet, damit sich Biker und Fußgänger nicht in die Quere kommen. Nachdem der Anstieg bewältigt ist, heißt es am Start der Strecke: Schienbeinschützer an und Helm auf zum Gebet. Ähnlich wie bei Skipisten kann man zwischen drei Routen wählen: Die blaue ist für Anfänger, die rote für Fortgeschrittene und die schwarze für die Profis. Weil ich mich trotz jahrelanger Zweirad-Abstinenz noch immer ohne Stützräder auf dem Drahtesel halten kann, stuft Halm mich „rot“ ein. „Ich fahre vor. Lass' einfach mal rollen“, so seine knappe, aber präzise Anweisung.

Alles rollbar

Trotz Dauerregens rolle ich die ersten Meter des Flowtrails sicher hinab. Diese Demonstration eines sportlichen Balance-Aktes wird allerdings jäh gestoppt, als ich auf eine Holzbrücke zusteuere, an deren Ende es fast senkrecht bergab geht. Das Muffe-Zentrum meines Körpers entscheidet sich für eine Vollbremsung. „Nur Mut. Ist alles rollbar“, muntert mich Halm auf. „Die Kiste nach hinten, Arme ausstrecken und los. Es kann nix passieren. Du darfst dich nur nicht verbremsen.“ „Das schaff ich nie“, versichere ich ihm. „Das schaffst du locker“, kontert er. „Es geht ja beim Flowtrail auch darum, Grenzen zu überschreiten“, fügt Halm hinzu. Also gut: Mann oder Memme? Jetzt gilt's. Erneut ist alles in meinem Körper auf einen Bremsvorgang programmiert, aber nach der Pleite mit den Leggins (die keine sind) ist Kampfgeist angesagt. Verbissen peile ich die „Klippe ins Nichts“ an, schiebe den Hintern Richtung Nordpol, fasse all meinen Mut zusammen, zeige meinem inneren Schweinehund die Rote Karte und lasse einfach rollen.

Geschafft! Innerlich applaudiere ich mir selbst und strahle, passend zum Wetter, wie ein Batscheimer. Beflügelt und vom Flowtrail-Fieber gepackt rolle ich die Piste weiter hinab, meistere Drops und Kicker und habe einen Mordsspaß.

Tarzan auf dem Einrad

„Im letzten Drittel der Strecke kann man es noch mal so richtig bratzeln lassen. Einfach Bremsen los und schön durch die Anlieger surfen“, sagt Halm und tritt noch einmal kräftig in die Pedale. Surfen – besser hätte er das Gefühl nicht beschreiben können. Es hat in der Tat was von Wellenreiten, wenn man sich auf den Rhythmus des Flowtrails einlässt und versucht, in der Spur zu bleiben, und alles elegant zu meistern. „Am Ende wartet noch ein besonderes Schmankerl auf dich, eine Art Zusatzschleife“, sagt Halm und radelt in einen gut 20 Meter tiefen Steinbruch, der mit den Pflanzen und einem Wasserlauf an eine Urwald-Schlucht erinnert. Sollte gleich Tarzan auf dem Einrad um die Ecke rollen, wundert mich das auch nicht mehr. „Natur und Topografie sind hier einfach ideal für einen Flowtrail“, schwärmt Halm.

Zwar bin ich jetzt bis in die Haarspitzen voll mit Matsch, aber es hat riesigen Spaß gemacht, den Flowtrail zu testen. Ich verabschiede mich von Martin Halm und freue mich schon auf weitere Fahrten. „Zieh' beim nächsten Mal aber bitte andere Hosen an. In den Leggins verhaftet dich sonst die Coolness-Polizei“, ruft mir Halm hinterher. Ist ja schon gut, ich habe verstanden: Laufbuxen und Mountainbiker haben nicht die gleiche Postleitzahl. Aber dass das klar ist: Es sind keine Leggins.

„Hier kann jeder fahren – kostenlos“ Vier Fragen an Martin Halm, den Mitinitiator des Ottweiler Flowtrails

Herr Halm, wie seid Ihr auf die Idee gekommen, in Ottweiler einen Flowtrail anzulegen.

Martin Halm: Es gibt im Saarland bisher keine offiziellen Strecken, die dem Bikesport gerecht werden und zugleich ein breites Spektrum an Bikern, vom ambitionierten Tourenfahrer bis zum Downhiller, ansprechen. Dabei wächst die Szene weiterhin. Und da die Bedingungen für einen Flowtrail hier einfach ideal sind, wollten wir die Infrastruktur schaffen, um den aktuellen Bedürfnissen der Biker gerecht zu werden.

Wie lange hat der Bau der Strecke gedauert?

Halm: Nachdem alle behördlichen Genehmigungen erteilt waren, konnten wir mit dem Bau der Strecke im Mai 2011 beginnen. Rund 30 Leute haben sich daran beteiligt – ehrenamtlich, in ihrer Freizeit. Deshalb sind wir froh, wenn wir noch Sponsoren gewinnen, um zumindest die Kosten für die Materialien zu decken.

Für welche Fahrer ist der Flowtrail geeignet?

Halm: Wir haben die Strecke in drei verschiedene Schwierigkeitsgrade unterteilt, so dass jeder die Möglichkeit hat, hier zu fahren. Anfänger, Fortgeschrittene und Profis. Auch Touren- oder Downhill-Fahrer können die Strecke testen. Also eigentlich jeder, der Spaß am Mountainbiken hat. Natürlich kostenlos. Allerdings ist Mountainbiken ein Risikosport, deshalb sind gewisse Regeln zu beachten. Ein Helm und ein funktionstüchtiges Bike sind Grundvoraussetzung, um die blaue Linie zu fahren, auf der roten und der schwarzen sind zudem Knieschoner und Protektoren Pflicht.

Wann ist der Trail geöffnet?

Halm: Der Flowtrail ist bis Saisonende, am 31.Oktober, täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Bei Dauerregen ist die Strecke geschlossen.
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