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In Perl schießen Jäger im Wildschwein-Kino

Perl. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich. Noch nie zuvor hatte ich eine Waffe in der Hand. Vorsichtig hebe ich das Jagdgewehr mit dem Zielfernrohr an, den Finger weit weg vom Abzug. Bloß nichts falsch machen! Dabei ist die Waffe noch nicht geladen. Erst jetzt schiebt Robert Blatt eine Patrone in den Lauf. Der Betreiber der Jagdschule Blatt in Perl steht dicht neben mir. Der erfahrene Jäger korrigiert meine Haltung: „Den Kopf noch ein Stück vor.“

Ich kneife mein linkes Auge zu und blicke mit dem rechten durch das Zielfernrohr. Ich sehe – nichts. Nur eine Lichtung im Wald. Ich wandere mit der Waffe ein Stück nach rechts, dann habe ich das Wildschwein im Visier: Es ist klein, grau und borstig. Das Tier trottet über die Waldlichtung und schnüffelt am sandigen Boden. „Jetzt auf die Schulter zielen“, sagt Blatt. Mein Finger wandert zum Abzug. Ich drücke ab.

Der Knall geht durch Mark und Bein – trotz Kopfhörer. Ich zucke zusammen. Die Wald-Szene kommt zum Stillstand. Ein Punkt am Rücken des Tieres zeigt an, wo ich getroffen habe. „Das Wildschwein ist tot – aber erst in einer Minute“, sagt Blatt. Kein perfekter Schuss. Das Tier müsste noch leiden. Ich habe es zu weit hinten am Körper getroffen. Aber immerhin: Getroffen. Nicht schlecht für den Anfang.

Wirklich leiden muss hier kein Tier: Die Wildschweine, auf die ich vom Schießstand aus mit scharfer Munition schieße, sind auf eine große Leinwand projiziert.  Das Schießkino in Perl – eines von zweien im Saarland – dient Jägern zur Übung: Sie können hier Grenzen erfahren, ein Gespür für Situationen entwickeln, in denen sie besser nicht abdrücken. Was das heißt, demonstriert Jagdschul-Dozent Eckehard Kleppe. Er nimmt sich das Gewehr.

Auf der Leinwand läuft ein Film mit höchstem Schwierigkeitsgrad: Wildschweine rennen schnell durch den Wald. Kleppe zögert. Dann drückt er ab. Der Schuss geht daneben. „In so einer Situation stößt der Jäger an seine Grenzen“, sagt Blatt, „aber wenn er sie kennt, reicht das ja schon.“ In der Realität würde ein Jäger nicht schießen, wenn er nicht sicher ist, das Ziel sauber zu treffen.

Mit am Schießstand steht Umwelt-Staatssekretär Klaus Borger (Grüne). Er geht selbst seit vielen Jahren auf die Jagd. Seine Maxime: „Wichtig ist es zu wissen, was die Konsequenzen eines Fehlschusses sind. Im Zweifel schießt man eben nicht.“ Ansonsten kann ein Schuss für ein Tier zur Qual werden. „Vorbei schießen ist nicht gut“, ergänzt Blatt, „aber immer noch besser als nachsuchen zu müssen.“ „Nachsuchen“ heißt in der Jägersprache, ein angeschossenes Tier aufspüren zu müssen. Für Jäger ist es am schlimmsten, wenn sie Wild so verwunden, dass es noch weglaufen kann und sich über Stunden quält.  Der Jäger spricht von „Krankschießen“. „Wenn einem Jäger das passiert, ist der Tag für ihn gelaufen“, sagt Blatt.

Um solche Situationen zu verhindern, hat Borger vor Wochen verfügt: Wer im Saarland an staatlich organisierten Gesellschaftsjagden teilnehmen will, muss vorher einen speziellen Schießnachweis bestehen. Jäger können diese „saarländische Drückjagdnadel“ auch im Schießkino in Perl erwerben. Dafür müssen sie nacheinander auf 20 virtuelle Wildschweine schießen, wobei der Schwierigkeitsgrad ansteigt. Für einen sofort tödlichen Treffer, einen „Blattschuss“, gibt es zwei Punkte, für sonstige Körpertreffer einen Punkt.

Erreicht der Schütze mindestens 25 von 40 Punkten, hat er den Nachweis bestanden. Soweit bin ich noch lange nicht, auch wenn mein dritter Schuss das Wildschwein auf Anhieb erlegt. Jagdschul-Dozent Kleppe nickt anerkennend: „Nicht schlecht für den Anfang.“ Dennoch: Um auf eine echte Jagd gehen zu dürfen, hätte ich noch einiges vor mir.

Grundvoraussetzung ist der Jagdschein. Den kann man in Perl auch in einem dreiwöchigen Intensivkurs erwerben. Dazu gehört mehr als Schießen: In der Abschlussprüfung müssen Kenntnisse in Waffenkunde, Jagdrecht und Wildtierkunde nachgewiesen werden. Für den Moment bin ich froh, dass meine Schüsse einigermaßen das Ziel fanden. Blatt schaltet die Projektion aus, die Waldlichtung verschwindet.

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