A623 Friedrichsthal Richtung Saarbrücken Zwischen AS Saarbrücken-Herrensohr und Einmündung Rodenhof Bauarbeiten, linker Fahrstreifen gesperrt, Stau zu erwarten bis 19.10.2017 05:00 Uhr (17.10.2017, 16:49)

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In Saarbrückens Wäldern lauert noch tödliche Kriegsmunition

Am Premiumwanderweg der Ensheimer Brunnen, nicht weit vom Waldparkplatz Ensheimer Tal entfernt, fällt den Spaziergängern neuerdings ein kleiner Gedenkort mit Kerze und handgeschriebenem Text auf.

Er erinnert an Otto Bauer, der hier am Nachmittag des 21. März 1962 von einer Panzermine aus dem Zweiten Weltkrieg getötet worden war.

Sein jüngerer Bruder Herbert, 72, der heute in Güdingen lebt und das Licht kürzlich aufgestellt hat, erinnert sich, dass seinerzeit der Landrat von St. Ingbert die Grundstücksanlieger des Woogbachs aufgefordert habe, den Bachlauf zu säubern. Die Mutter, die mit den vier Kindern in der Schneckenstraße wohnte (sie starb 1988) habe ein solches Grundstück besessen. Weil der Vater im Krieg gefallen war, schickte sie den 26-jährigen Sohn Otto los. „Er war erst acht Monate verheiratet und arbeitete als Maschinenschlosser im Röhrenwerk Ensheim . Er fuhr mit seiner Frau auf der Vespa in den Wald. Die Explosion ereignete sich etwas abseits vom Bach, nicht direkt beim Arbeiten. Niemand ahnte etwas oder wusste von den Minen“, erzählt der Bruder.

Wie Herbert Bauer berichtet, sei die Familie für das Unglück nicht entschädigt worden. Die Polizei habe drei weitere Panzerminen entdeckt und entsorgen lassen. Als der Landrat später noch einmal zur Reinigung des Bachs aufgerufen habe, sei aber Angst aufgekommen. Solch ein „Todesurteil“ unterschreibe er nicht, soll sich der Ensheimer Bürgermeister auf die Seite der Bürger gestellt haben. Er selbst, sagt Herbert Bauer, sei seit dem Unglückstag nicht mehr abseits von Waldwegen gegangen. Viele ältere Leute, die noch wissen, wo im Krieg gekämpft wurde und Bomben fielen, sind bis heute in solchen Gebieten sehr vorsichtig. Ihr Wissen geht allerdings mehr und mehr verloren.

Nach Auskunft von Ralf Blechschmidt, dem Abteilungsleiter des Saarbrücker Stadtwaldes, kommt es auch in unseren Tagen noch zu einzelnen Munitionsfunden. So entdeckten Waldarbeiter vor fünf Wochen nahe der Gedenkstelle am Ehrenfriedhof auf dem Triebenberg eine ungefährliche Granathülse. Vor drei Jahren wurde beim Verlegen einer Gasleitung Am Homburg eine Blindgängerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die Forstverwaltung informiert dann Polizei und Kampfmittelräumdienst. Blechschmidt will aus diesen Ereignissen zwar kein generelles Wegegebot ableiten, warnt wegen der Explosionsgefahr (und aus Naturschutzgründen sowieso) davor, im Wald zu graben. „Es gibt zahlreiche Schatzsucher, die mit immer moderneren Metallsuchgeräten den Wald durchstreifen. Diese begeben sich beim Buddeln in Lebensgefahr“, weiß der Förster.
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