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In St. Wendel sind die Monster los

Bilder von einem Pokémon Go-Abenteuer in der Saarbrücker Eisenbahnstraße.

Bilder von einem Pokémon Go-Abenteuer in der Saarbrücker Eisenbahnstraße.

Pikacho, Galoppa oder Rizeros – das sind einige Namen der niedlichen Monster, die derzeit für mächtig Wirbel sorgen. Als Helden des Spiels „Pokémon-Go“ begleiten sie so manchen Smartphone-Besitzer durch dessen Alltag. Neu sind die knallbunten Fantasie-Tierchen übrigens nicht. In den 1990er-Jahren haben sie bereits Mattscheibe oder Gameboy erobert. Jetzt sind sie zurück in technisch modernstem Gewand.

 

Seit dem Start des Spiels in Deutschland am 13. Juli ist auch Tim Greif im Pokémon-Go-Fieber. „Ich habe mir die App gleich runtergeladen“, gesteht er. Für den 26-Jährigen ist die virtuelle Monsterjagd auch ein Wiedersehen mit Weggefährten aus der Kindheit . Im Grundschulalter habe er begeistert vor den Videospielen gesessen. 18 Jahre später läuft er mit seinem Smartphone durch die Kreisstadt.

 

Denn aus dem Bewegungskiller von einst ist plötzlich ein Bewegungsmotivator geworden. Während die Pokémons früher ihre Spieler an die Konsole und somit ans Haus fesselten, müssen ihre Jäger jetzt nach draußen. Denn nur dort lassen sich Pikachu und Co. aufspüren. „In einer Woche bin ich 84,4 Kilometer gelaufen“, rechnet Kevin Dick vor. Auch er hat „Pokémon-Go“ für sich entdeckt.

 

Aber wie genau funktioniert das Spiel überhaupt? Ist die App erst einmal kostenlos aufs Smartphone geladen, kann die virtuelle Monsterjagd beginnen. Basis des Spiels sind digitale Karten. Der Spieler wählt sich eine Figur aus, steckt sie ins gewünschte Outfit und geht los. Ziel sind zum Beispiel so genannte Pokéstops. Dort können sich die Spieler mit Bällen (wichtig für das Einfangen der virtuellen Monster) oder Pokémon-Eiern versorgen. Diese Stops sind feste Punkte in der Umgebung. Ganz und gar nicht standort-treu sind hingegen Pikacho und seine Freunde. Die können überall auftauchen. Blätter und ein Rascheln deuten daraufhin, dass sich ein Monster in der Nähe aufhält. Wird das Pokémon sichtbar, verschmilzt die virtuelle mit der realen Welt. Die Handykamera wird aktiviert und es scheint so, als würden die bunten Fantasiewesen auf der Parkbank sitzen, vor der Fassade der Basilika schweben oder durch die Fußgängerzone flanieren. 151 der kleinen Monster gilt es zu fangen. Haben die Spieler die Pokémons erst einmal erwischt, können sie sie in so genannten Arenen gegeneinander antreten lassen.

 

Tim Greif ist begeisterter PC-Spieler und Zocker, wie er lächelnd zugibt. Vor ein paar Jahren noch als Computer-Freak (Nerd) verschrien, sei das Spielen heute gesellschaftsfähig und cool. Als er zum ersten Mal mit der neuen Pokémon-App unterwegs war, habe er gleich Bekannte getroffen, die auch auf ihr Smartphone starrten. „Zu Spitzenzeiten sitzen 50 Leute auf dem Schlossplatz.“ Und wenn die dann plötzlich aufspringen, mag das für einen unwissenden Passanten befremdlich wirken, die Eingeweihten wissen: Ein Monster ist aufgetaucht. Gerade bei den jungen Leuten in den Zwanzigern ist das Spiel beliebt. Aber auch Kinder entdeckten die Pokémons für sich. „Der älteste Spieler, den ich bisher kennen gelernt habe, ist 45“, berichtet Kevin Dick. Damit spricht der 24-Jährige nach der zusätzlichen Bewegung einen weiteren positiven Aspekt des modernen Spiels an: das Treffen neuer Leute und zwar im realen Leben. „In einer Woche mit Pokémon-Go habe ich mehr Leute kennen gelernt als beim Ausgehen im letzten halben Jahr“, so Dick. Ganz leicht komme man plötzlich mit Fremden ins Gespräch, Freunde verabreden sich aber auch gezielt zur Monsterjagd. Trotz Konkurrenzkampf achte man untereinander auf sich. Kevin Dick berichtet, dass er mal die Smartphones einiger junger Spieler mit über die Straße genommen und für sie das Monster gefangen habe. So wollte er sicher gehen, dass die Kids nicht einfach über die Fahrbahn rennen. Die App selbst mahne die Spieler bei jedem Einschalten mit einem „Hans-guck-in-die-Luft-Bild“ zur Aufmerksamkeit. Dass Smartphones im Straßenverkehr ablenken, so Tim Greif, sei nichts Neues. Aktuell sei der Hype um das Spiel groß. Doch es bleibe abzuwarten, wie lange das andauert. Er selbst schätzt an dem Spiel beispielsweise die Nostalgie. „Man kennt die Figuren, sie sind ein Stück Kindheit .“ Der Spaßfaktor liegt für ihn im Suchen und dem Erfolgserlebnis, wenn ein Monster, vor allem ein seltenes, eingefangen wurde.

 

Für Tim und Kevin kam die Einführung des Spiels auf dem deutschen Markt zum perfekten Zeitpunkt, denn sie haben Urlaub und das Wetter passt. So läuft dann die App die ganze Zeit mit. Es besteht also Suchtgefahr? Klar, sagt Tim Greif. Es sei mit dem Spiel aber nichts anderes als früher bei den Sammelkarten. Da wurde auch so lange gekauft und getauscht, bis man alle hatte. Kaufen lassen sich bei Pokémon-Go zusätzliche Funktionen. Die sind aber kein Muss.

 

Die beiden begeisterten Spieler haben auch Kritikpunkte. So gebe es Pokéstops an Friedhöfen. In St. Wendel sind es drei. „Da geh ich nicht hin“, betont Kevin Dick – aus Pietät. Das müsse geändert werden.

 

Und da raschelt es auch schon wieder im virtuellen Gebüsch. Ist ein Monster in der Nähe. Tim und Kevin sind aufmerksam und gehen weiter. Nicht nur, um zu jagen. Kevin Dick deutet auf sein Smartphone-Kinderzimmer. Dort warten einige Eier darauf, ausgebrütet zu werden. Und das geht nur, wenn sich der 24-Jährige bewegt. Auf den nächsten realen Kilometern in einer virtuellen Spielewelt.  
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