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In Völklingen gibt's um zwei Uhr Freibier!

Völklingen. Als die Völklinger Hochöfen noch rauchten, strömten die Arbeiter nach der Schicht in die Kneipen rund um den Bahnhof. Drei oder vier Reihen vorgezapfte Gläser Bier standen auf dem Tresen. „Den Platz an der Theke musste man sich verdienen“, berichtet Hendrik Kersten beim Pressegespräch im Alten Bahnhof.

Kunsthistoriker Kersten gehört zu den Mythenjägern, einem Geschichts-Arbeitskreis der Volkshochschule Völklingen. Seine Mitstreiter sind Michael Samsel, Susanne Rist und Horst Schillinger. Am Samstag, 6. Oktober, lässt das Quartett den klassischen Schichtwechsel wieder aufleben, in Zusammenarbeit mit dem Restaurant im Alten Bahnhof. „Mitmachen ist das A und O“, sagt Kersten. Bei dem Event setzen die Mythenjäger auf die Unterstützung der Bevölkerung. Schließlich sollen 150 bis 200 Glas Freibier in 25 Minuten weggeputzt werden. Die Gläser, aus denen getrunken wird, sind ebenso original wie die historischen Busse, die nach dem Schichtwechsel vorfahren. Lediglich der Qualm, der die Luft trübt, stammt nicht von echten Zigaretten.

Die Recherchen zu dem Projekt waren nicht einfach. Kartenmaterial? „Fast nicht mehr existent“, sagt Kersten. Bildmaterial? „Ganz schwierig.“ Die Mythenjäger sprachen mit Zeitzeugen, forschten im Stadtarchiv nach.

Kersten hat ein dreidimensionales Modell gebaut, im Bereich des Bahnhofs ballten sich die Gaststätten. 1986 schloss das Eisenwerk. Mit den Hüttenarbeitern verabschiedeten sich auch viele Wirte. Wenig später wurde die Kneipenmeile in der Rathausstraße abgerissen – um Platz zu schaffen für den Neubau des heutigen Globus-Kaufhauses.

Zurück zum Schichtwechsel. „Es war ein Ritual“, hat Kersten festgestellt. Und das lief sehr gesittet ab. Nach ein paar Bierchen machte man sich auf den Heimweg, Bus oder Zug warteten schließlich nicht. Aber es gab auch Alkoholismus. Neben Stadt und Hütte kämpfte der Guttempler-Orden gegen das Problem. Der Text eines Abstinenzliedes ist in der Broschüre abgedruckt, in der die Mythenjäger ihre Rechercheergebnisse auf 40 unterhaltsamen Seiten zusammengetragen haben. Neben vielen Fotos findet man dort auch den Antrag einer Ehefrau: Sie fordert, dass ihr Gatte von der Säuferliste gestrichen wird.

Die Broschüre „Mythos Schichtwechsel – Aufstieg und Fall des Völklinger Kneipenquartiers“ kostet fünf Euro. Sie ist ab dem 1. Oktober bei der Volkshochschule im Alten Rathaus und im Alten Bahnhof erhältlich. Das komplette Programm des Schichtwechsels steht auf der Homepage der Mythenjäger. mythen-jaeger.de

Auf einen Blick

Sammelpunkt für das Schichtwechsel-Spektakel am Samstag, 6. Oktober, ist das ehemalige Torhaus gegenüber dem Alten Bahnhof Völklingen. Um 14 Uhr heult die Werkssirene. Im Bahnhof warten vorgezapfte Biere. Für schnelle Trinker, denn eine halbe Stunde später fahren historische Busse vor. Sie nehmen die Teilnehmer mit auf eine Runde um den Block. Zum Schluss singt der Chor der Becker-Brauerei. Zwischen den Liedern werden Szenen aus dem damaligen Hütten- und Kneipenalltag nachgespielt. tan

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