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In Weiskirchen und Illingen wird gegen den Fluglärm mobil gemacht

„Weiskirchen ist eine liebenswerte Gemeinde, die ihren Bürgern Heimat und Geborgenheit gibt“, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde. Und: Weiskirchen sei einer von deutschlandweit 15 Kurorten, die sich „heilklimatischer Kurort der Premiumklasse“ nennen dürfen. Ins Bild passt da allerdings nicht: Über den heilklimatischen Kurort donnern wieder verstärkt Kampfjets von der nahen US-Luftwaffenbasis in Spangdahlem. Der Gemeinderat hat deshalb am Mittwoch einstimmig eine Resolution gegen Fluglärm verabschiedet. Adressat: das Innenministerium. Es ist bereits die zweite Resolution dieser Art in Weiskirchen, die erste stammt von 2008. Schlussendlich habe sich aber nichts geändert, sagt Bürgermeister Werner Hero ( CDU ). „Wenn ein Düsenjäger übers Rathaus donnert, muss ich schreien, damit man mich versteht“, sagt er.

Zudem, so heißt es in der Resolution, wirke der „unerträgliche Fluglärm, der vor allem bei schönem Wetter besonders stark ist, gravierend allen Bemühungen zur touristischen Weiterentwicklung der Hochwald-Region entgegen“. Zwar habe wohl noch niemand aufgrund des Fluglärms den Urlaub in Weiskirchen abgebrochen, sagt Hero. „Aber Klagen über Lärmbelästigung höre ich von unseren Gästen immer wieder mal.“

Wenn man mit Verantwortlichen in der Tourismusindustrie vor Ort spricht, hört sich das allerdings anders an. „Die Beeinträchtigung durch Fluglärm hält sich in Grenzen. Das bewegt sich in vertretbarem Maße“, sagt etwa Markus Schraut, stellvertretender Direktor des Parkhotels in Weiskirchen. Und Kurdirektor Michael Diversy meint: „Die Verminderung des Fluglärms ist ja in jedem Falle ein gutes Ziel. Aber dass der Tourismus aktuell darunter leidet, sehe ich nicht. Betroffen sind wohl eher einige Bürger, die den Lärm konstant erdulden müssen.“

Doch auch in der Bevölkerung gibt es offenbar deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung des Fluglärms. Der 14-jährige Dennis beispielsweise, der mit seinem Rad in Weiskirchen unterwegs ist, versteht die Frage nach dem Fluglärm erst gar nicht. „Ach das“, sagt er dann, „das höre ich schon gar nicht mehr“.

Ähnliches erlebt auch Peter Krächan immer wieder. Der Rentner lebt gut 30 Kilometer südöstlich von Weiskirchen, in Illingen-Wustweiler. Auch sein Wohnort liegt auf der Flugübungs-Route der US-Kampfjets. „Viele in der Gegend hier sagen, sie hätten sich an den Lärm gewöhnt. In unserem Ort ist es wahrscheinlich auch die Minderheit, die das stört.“ Krächan aber stört es. Sehr sogar, er leidet darunter. „Ich bin ständig angespannt“, sagt er. Auch fänden die Überflüge zu unterschiedlichen Zeiten statt, so dass man sich nicht darauf einstellen könne. „Durch den brummenden und dröhnenden Lärm habe ich viel Lebensqualität eingebüßt“, sagt er.

Ende vergangenen Jahres hat er an die saarländische CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Schön geschrieben und sie gebeten, gegen den Fluglärm im Saarland vorzugehen. Denn das Innenministerium habe „bislang nichts erreicht oder nicht ausreichend etwas dagegen unternommen“, so Krächan gegenüber der SZ. In ihrer Antwort schreibt Schön nun im Februar dieses Jahres, dass „der Fluglärm in den letzten Jahrzehnten unheimlich abgenommen hat“. Das Innenministerium hatte dagegen kürzlich eingeräumt, dass die militärischen Übungsflüge über dem Saarland zuletzt wieder zugenommen haben (wir berichteten). Schön führt zudem an, „dass das Stimmungsbild in der Bevölkerung auch nicht so eindeutig ist, wie so mancher Gegner der militärischen Übungsflüge gern glauben mag“. Denn „der weitaus größte Teil der Bevölkerung nimmt keinen Anstoß an den militärischen Übungsflügen“, schreibt Schön. In Illingen, Weiskirchen und anderswo wird es wohl einige geben, die das wiederum anders sehen . . .
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