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In der Nacht zu Donnerstag regnete es Sterne



Nonnweiler.
Fast so, als habe eine höhere Kraft mal eben kräftig in die Himmelssuppe gepustet, reißen die langen Schleierwolken genau über der Kuppel der Sternwarte Peterberg ein schwarzes Loch und bieten einen klaren Blick auf das leuchtende Sternenzelt. Wie an einem Mobile prangen die Sterne über der kleinen Wiese, nur die Schatten der Bäume am Waldrand sind in dieser dunklen Nacht zu erkennen.

"Überwältigend", freut sich Uwe Dillschneider vom Verein der Amateurastronomen des Saarlandes, der mit einem Zeigestab in den Himmel leuchtet und den Besuchern die Sternbilder erklärt: "Hier das Kreuz des Nordens, da die Kassiopeia, der so genannte Wegweiser zum Polarstern und das da ist ein Flugzeug, das mitten in die Vega zu rasen scheint." Mit tief in den Nacken geneigten Hals schaut die Gruppe um Dillschneider nach oben, als ein lautes "Ahhh"- und "Boah"-Raunen von der anderen Seite der Wiese herüber tönt. "Papa, hast du die gesehen, die war super", meint Jacqueline und zuppelt ihrem Vater an der Jacke. Vier Sternschnuppen hat die Elfjährige schon gesehen und es sollen noch viele mehr werden: Bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde kann es während des Perseidenstroms "regnen", dessen Höhepunkt in der vergangenen Nacht zu bestaunen war.

Das Team der Sternwarte hatte zum gemeinsamen Beobachten auf den etwa 580 Meter hohen Peterberg inmitten des Hochwaldes, wo noch relativ wenig Zivilisationslicht den Blick in den Sternenhimmel verblendet, eingeladen. Rund 120 Interessierte kamen zu diesem Schauspiel, das sich jedes Jahr Mitte August wiederholt. Dann nämlich kreuzt die Erde die Bahn des Kometen "109P/Swift-Tuttle" und damit die Staubspur, die dieser beim Durchfliegen des Weltalls hinterlassen hat. Die Staubteilchen rasen mit einer Geschwindigkeit von unvorstellbaren 216 000 Kilometern pro Stunde in die Atmosphäre und bringen die Luftmoleküle dabei zum Glühen - selbst die schönste Sternschnuppe ist im Prinzip nichts weiter als "heiße Luft". Während Dillschneider das in der Kuppel der Sternwarte erklärt, erklingt draußen schallender Applaus für eine richtig schöne Sternschnuppe mit Schweif.

Der Amateurastronom schließt die Kuppel. Eigentlich wollte er das Teleskop noch auf den Jupiter richten, auf dem sich ein doppelter Mondschattenvorübergang durch die Jupiter-Monde Ganymed und Europa in dieser Nacht ereignet. Aber in Richtung Jupiter ist die Wolkensuppe dicht. Und draußen warten die "Tränen des Laurentius" wie der Volksmund seit jeher die Perseiden nach dem Namenstag des Laurentius am 10. August nennt.

Die großen Besuchermassen sind gegen 23.30 Uhr nach Hause gefahren. Robert Kowalski und Nadja Fuß aus Saarlouis versuchen seit über zwei Stunden die Sternschnuppen mit ihrer Kamera und wechselnden Belichtungszeiten mit Hilfe der Fotografie einzufrieren. Wenige Meter kuschelt sich ein Paar eng aneinander und lässt sich von der romantischen, milden Nacht zu Gesprächen über die - eventuelle - Unsterblichkeit der Seele hinreißen. Und hinter dem nächsten Brennnesselbusch liegen Freundinnen auf einer Decke im Gras, genießen die Stille, atmen den Duft der Wildkräuter und haben bei diesem Feuerwerk an Sternschnuppen gar nicht genug Zeit, über die vielen Wünsche nachzudenken, die der Himmel in dieser Nacht zu erfüllen sich anschickt.
Kathrin Werno (SZ)

Hintergrund


Die Sternwarte auf dem Peterberg bei Nonnweiler-Braunshausen gibt es seit 1997. Sie wurde vom Verein der Amateurastronomen des Saarlandes mit rund 150 Mitgliedern finanziert und gebaut. Jeden ersten Samstag organisiert der Verein Vorträge. Am 5. September findet ab 16 Uhr ein Sternwartenfest statt. In der Nacht vom 19. auf den 20. August wird das Teleskop auf den Jupiter gerichtet, wo sich ein doppelter Mondschatten-Vorübergang ereignen wird.
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