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Info-Pannen bei Keimen im Wasser

Symbolfoto

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„ Trinkwasser verunreinigt! Stadtwerke raten dringend: Wasser vor Genuss abkochen“: So lautet eine Mitteilung der Stadtwerke Saarlouis von Donnerstag. Am Dienstag war bei der routinemäßigen Beprobung des Trinkwassers eine Probe mit coliformen Bakterien gezogen worden. Das Ergebnis lag Mittwochmittag vor. Betroffen sind Innenstadt, Picard, Beaumarais, Lisdorf, Neuforweiler und Teile von Fraulautern, Roden und Steinrausch.

 

Stadtwerke und Gesundheitsamt kamen zusammen, um die in diesen Fällen gebotenen Maßnahmen zu besprechen. Das ist vor allem eine Chlorung zur Reinigung des Wassers und der Leitungen. Bis das gechlorte Wasser überall angekommen ist, sollte das Wasser abgekocht werden. Denn die Keime sind in der Regel für gesunde erwachsene Menschen ohne Bedeutung. „Bei immunabwehrgeschwächten Personen“, so heißt es in einer standardisierten Mitteilung der Gesundheitsämter in diesen Fällen, „können diese Bakterien aber unter bestimmten Umständen zu gesundheitlichen Beschwerden führen.“ Die „Personen“ sind „zum Beispiel: Säuglinge, Kleinkinder, Senioren oder chronisch Erkrankte“.

 

Im Zweifel Wasser abkochen

Wasser sollte demnach abgekocht werden, wenn es – insbesondere von diesen Menschen – zu folgenden Zwecken genutzt wird: zum Trinken, zur Zubereitung von Nahrung, Abwaschen von Salaten, Gemüse und Obst, Herstellung von Eiswürfeln, Zähneputzen und medizinische Zwecke. Stets weisen Fachleute darauf hin, dass es keinen Grund gebe, die Situation zu dramatisieren. Ebenso regelmäßig verbreiten sich in diesen Fällen aber die Nachrichten über „verseuchtes Trinkwasser “ in Gerüchteküchen – seien es die traditionellen, seien es die im Internet.

 

Deshalb gehörte auch hier zur Absprache der Maßnahmen zwischen Gesundheitsamt und Stadtwerken, die Verabredung, wer wie informiert. Ergebnis: Das Gesundheitsamt würde die so genannten sensiblen Einrichtungen Kindergärten und -krippen, Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser benachrichtigen, die Stadtwerke die Medien. Das ist die übliche Aufgabenteilung. Mehr noch: Sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Das Gesundheitsamt dürfte laut Pressestelle des Kreises die Bevölkerung gar nicht informieren, da die Pflicht dazu „alleine beim Betreiber, in diesem Fall bei den Stadtwerken“ liege.

 

Doch während das Gesundheitsamt Mittwochnachmittag sein Informationsblatt verschickte, entschied sich Stadtwerke-Chef Ralf Levacher zu warten. „Heute Morgen“, sagte er gestern unserer Zeitung, „haben wir geguckt, welche Straßen betroffen waren, und haben dann gleich informiert.“ Das habe er für sinnvoller gehalten, „als flächendeckend für Panik zu sorgen“.

 

Schnell im Netz verbreitet

„Panik“ wohl nicht ganz, aber Aufregung gab es dadurch – nicht nur bei Kreisverwaltung und Gesundheitsamt, wo die Information der Bevölkerung über SZ und SR am Mittwoch vermisst wurde. Das Infoblatt an die sensiblen Bereiche fand sich als in Windeseile vielfach geteilte Veröffentlichung (Post) auf Facebook . Ohne Einordnung, ohne weitere Erklärung und damit bestens geeignet Leute, die es mitbekamen, zu verunsichern.

 

Levacher räumt ein: „Für den Zeitverzug sind wir verantwortlich.“ Gut gemeint sei oft das Gegenteil von gut gemacht, das sei hier wohl wieder mal belegt worden.

 

Meinung:

 

So darf das nicht laufen!

Von Mathias Winters

 

Stadtwerke-Chef Ralf Levacher räumt ein, dass der Fehler in der Kommunikation über Keime im Trinkwasser auf seiner Seite lag, dass also Gesundheitsamt oder Presseabteilung des Landratsamts den Schwarzen Peter zu Recht an ihn abgegeben haben. Es ist wohl auch so, dass die Aufgabenverteilung gesetzlich so geregelt ist, wie von den Ämtern angegeben. Das bedeutet aber nur: Die Regelung ist schlecht. Denn so wie hier geschehen, darf das nicht laufen. Die Information einzelne Stellen bleibt natürlich nicht dort, sondern wird in wenigen Augenblicken eine öffentliche Mitteilung. In wenigen Augenblicken verbreiten sich damit Gerüchte und (Fehl-)Interpretationen, Angst wird geschürt. Ämter genauso wie Stadtwerke haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, alles dafür zu tun, damit uns Bürgern das erspart bleibt.
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