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Innovationspreis der Cebit geht an das Saarbrücker Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz

So sieht die würfelförmige Projektionseinheit des Climbtrack-Systems aus.

So sieht die würfelförmige Projektionseinheit des Climbtrack-Systems aus.

 Wenn Informatiker von „Augmented Reality“ sprechen, meinen sie damit Verfahren, die Sinneseindrücke eines Menschen durch digitale Informationen verstärken oder ergänzen sollen. Die Techniken der Sinneserweiterung zielen meist aufs Auge – ein Beispiel ist die Datenbrille, die Informationen zu Personen oder Gegenständen ins Blickfeld ihres Benutzers einblendet. Doch es sind auch ganz andere Anwendungen möglich. Das zeigen nun Frederik Wiehr und Felix Kosmalla, zwei Informatiker des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken. Sie haben gestern Abend mit einer ganz handfesten Idee der „Erweiterten Realität“ bei der Computermesse Cebit den Innovation Award gewonnen. Die 27 Jahre alten Wissenschaftler erhielten die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung für eine digitale Kletterhilfe. Ihr Climbtrack genanntes Augmented-Reality-System ist für die immer beliebter werdenden Kletterhallen bestimmt.

Kernstück von Climbtrack ist ein 60 mal 60 mal 60 Zentimeter messender Hightech-Würfel. Darin stecken eine Kamera, ein Hochleistungsprojektor und ein Computersystem, das sich auf Knopfdruck auf jede Wand einer Kletterhalle einstellen und darauf Routen projizieren kann. Kraxelt ein Sportler in die Höhe, zeichnet die 3-D-Kamera des DFKI-Würfels jede seiner Bewegungen auf. Am Ende gibt's eine detaillierte Analyse der Klettertour – auf Wunsch auch in Form einer naturgetreuen Projektion in voller Aktion an der Wand.

Über eine spezielle App können sich die Sportler per WLAN mit dem Computersystem des Würfels verbinden, Routen planen und am Ende ihre Daten herunterladen, um ihre Leistung mit anderen zu vergleichen, erklären Felix Kosmalla und Frederik Wiehr. Beide Informatiker sind, wen wundert's, selbst seit Jahren begeisterte Adepten dieser Sportart, die alles daran setzt, aus der Nische zur olympischen Disziplin aufzusteigen.

Klettern liegt im Trend. Der Deutsche Alpenverein zählt rund eine halbe Million Freizeitsportler, die regelmäßig in den 450 Kletterhallen in Deutschland trainieren. Wer dort an einer Kletterwand ohne Sicherung herumturnt, der „bouldert“, wie es in der Fachsprache heißt. Der Fachausdruck ist vom englischen „boulder“ (Felsblock) abgeleitet. Die künstlichen Kletterwände sind bis 4,50 Meter hoch, ihr Boden ist mit Matten gepolstert, so dass der Sportler im Fall eines Falles möglichst weich aufschlägt.

Für solche Kletterhallen ist Climbtrack konzipiert. Der digitale Routenplaner für die Kletterwand soll es Sportlern, die gern in Gruppen trainieren, leichter machen, mit anderen über ihre Kletterstrecken – in der Fachsprache „Boulder-Probleme“ genannt – zu diskutieren. „Das ist oft schwierig in Worte zu fassen, aber meist sehr einfach im Video vorzuführen“, so Frederik Wiehr und Felix Kosmalla. Über die sozialen Netzwerke des Internets lässt sich über die Daten dann wiederum mit Gleichgesinnten diskutieren. „Klettern ist ein sehr sozialer Sport.“ Der DFKI-Würfel lernt mit jedem Kletterer, den er mit seiner Kamera verfolgt hat, neue Routen kennen und kann anderen Sportlern dank dieser Daten Trainingsempfehlungen geben, so die DFKI-Informatiker. Im Trainingsmodus mutiert das Projektionssystem schließlich zur Lichtsignalanlage, die dem Kletterer an der Wand per Leuchtsymbol zeigt, an welchem Griff er als Nächstes Hand oder Fuß ansetzen muss.

Die Betreiber der Kletterhallen wiederum lernen über die Datenbank von Climbtrack die sportlichen Vorlieben ihrer Kletterkundschaft besser kennen und können ihre Anlagen daran ausrichten. Trägt der Sportler zusätzliche Sensoren am Körper – Informatiker sprechen von „Wearables“ – kann das Computersystem auch seine Muskelaktivität aufzeichnen und so den Kalorienverbrauch berechnen, so die beiden Informatiker. Am Ende steht eine wissenschaftliche Auswertung des Trainingsprogramms. „Das gibt's in dieser Form bisher noch nirgends zu kaufen.“

Felix Kosmalla und Frederik Wiehr, die beide an ihrer Promotion an der Saar-Universität werkeln, suchen jetzt einen Industrie-Partner, der ihnen bei der Weiterentwicklung ihres Climbtrack-Systems unter die Arme greift. Wie die beiden Aufsteiger ihre 50 000 Euro Preisgeld einsetzen wollen, ist schon entschieden. Es soll unter anderem in eine Drohne investiert werden, mit der Kletterrouten in den Bergen vermessen werden sollen.
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