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Insolvenz: US-Firma will in Beckinger Ruia-Werk investieren

Der insolvente Schraubenhersteller Ruia Global Fasteners, der auch ein Werk in Beckingen hat (früher Bauer& Schaurte Karcher, BSK), soll an die amerikanische Schraubengruppe Whitesell verkauft werden. Das teilten Betriebsratschef Gerfried Lauer, sein Stellvertreter Marco Hewer und Guido Lesch, zweiter Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Völklingen, den Mitarbeitern am Mittwoch in einer Betriebsversammlung mit.

 Diese sind jetzt abgeschlossen. Der potenzielle Käufer „hatte zu viele amerikanische Vorstellungen von Arbeitnehmer-Rechten“, sagt Lesch. So sollten die Beschäftigten weitgehend auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, nur noch 24 Urlaubstage im Jahr haben und den Samstag als Regelarbeitstag akzeptieren. Außerdem sollte die Wochenarbeitszeit ohne Entgelt-Ausgleich erhöht werden. Ferner sollten 150 bis 200 Mitarbeiter in der Gruppe die Kündigung erhalten. Ruia Global Fasteners beschäftigt in seinen Werken in Beckingen, Neuwied, Schrozberg und Neuss rund 1350 Mitarbeiter, davon 340 an der Saar.

Nach dem finalen Verhandlungsmarathon von 39 Stunden „ist jetzt ein Ergebnis erreicht, mit dem wir leben können“, sagen Lauer und Lesch. Die betriebsbedingten Kündigungen seien vom Tisch. Außerdem bleibe das Unternehmen im Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie (Gesamtmetall) und erkenne damit auch den gültigen Tarifvertrag an. Es werde auch nicht an der Mitbestimmung gerüttelt. Allerdings müssen die Mitarbeiter unbezahlte Mehrarbeit leisten. Whitesell habe jedoch zugestimmt, „dass der damit erwirtschaftete Beitrag der Beschäftigten voll und ganz für Investitionen genutzt wird“, betonen die Mitarbeiter-Vertreter. „Darüber hinaus hat Whitesell zugesichert, mindestens noch einmal die gleiche Summe aus eigener Tasche in Investitionen fließen zu lassen.“ Sie täten bitter Not, „die Maschinen sind veraltet“, sagen Lauer und Hewer. Die Riege der vorhergehenden Eigentümer habe kaum Geld in die Betriebe gesteckt.

Lob für Mitarbeiter

„Deswegen war auch klar, dass die Gruppe nicht wieder an einen Finanzinvestor gehen durfte“, sagt Lesch. Als Fonds das Sagen hatten (siehe Hintergrund) „ist nur Geld aus dem Unternehmen gezogen worden“. Mit Whitesell habe man jetzt einen strategischen Investor, der den Kauf dazu nutzen wolle, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Das Familienunternehmen mit Sitz in Florida ist ebenfalls in der Schraubenfertigung tätig und hat – wie auch Ruia Global Fasteners – die Automobilindustrie als Hauptkunden. Whitesell ist bisher nur auf dem amerikanischen Markt tätig, beliefert dort aber auch BMW und Mercedes. Die Amerikaner habe neben der Aussicht auf den europäischen Markt auch das hohe Know how gereizt, das in den deutschen Werken vorhanden sei, sagen Lauer und Lesch. Sie loben in diesem Zusammenhang die Belegschaft. „Trotz der schwierigen Situation sind die meisten an Bord geblieben und haben hervorragende Arbeit geleistet.“ Diese Einstellung habe auch die Kunden überzeugt, zu denen alle namhaften Autobauer gehören. „Sie haben zu uns gestanden.“

Auch Insolvenzverwalter Kebekus hebt das Engagement der Mitarbeiter hervor. „Das ist aller Ehren wert.“ Er geht davon aus, dass beim Whitesell-Verkauf „in den nächsten Wochen der Deckel draufgemacht werden kann“. Nachdem jetzt die Vereinbarung mit den Belegschaften unter Dach und Fach sei, wollten die Amerikaner jetzt noch eine Zusicherung, dass auch die großen Auto-Kunden an Bord bleiben. Da dies bisher schon der Fall gewesen sei, sieht Kebekus darin keine Probleme.
 
Hintergrund
 Das fast 145 Jahre alte Beckinger Unternehmen, das derzeit noch Ruia Global Fasteners heißt, war an der Saar lange als Karcher Schraubenfabrik bekannt. Durch Zusammenschlüsse wurde später daraus Bauer&Schaurte Karcher (BSK). Ab 1974 gehörte die Fabrik zu Arbed Saarstahl. Nach dem Saarstahl-Konkurs 1993 rutschte BSK ebenfalls in die Pleite. Neuer Eigentümer wurde die französische Industriegruppe Valois, danach 1996 das US-Unternehmen Textron und 2006 die US-Gruppe Acument, die dem Private-Equity-Fonds Platinum Equity (ebenfalls USA) gehörte.
2009 meldete Acument für die deutsche Gruppe Insolvenz an. Ende 2010 wurde diese an die indische Ruia Group verkauft, die sie in Ruia Global Fasteners umtaufte. Die Inder schickten sie im März 2012 erneut in die Insolvenz, weil sie sich an anderer Stelle finanziell verhoben hatten. Seitdem wurde der Firmenverbund in der Insolvenz geführt. low
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