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Internet-Sucht: "Ich konnte nicht aufhören"

Neunkirchen. Mal geht es ihnen besser, mal geht es ihnen schlechter. Aber vor allem ist es ein langer Weg: Christian, Benjamin, Felix und Ralf werden in der AHG Klinik Münchwies wegen krankhaften Internet-Gebrauchs behandelt. Ganz unterschiedlich sind die Gründe, warum sie angefangen haben, über das normale Maß hinaus zu spielen. „Sicher hatte ich nicht die schönste Kindheit und bin mit Hilfe der Computer-Spiele in eine andere Welt geflüchtet“, sagt der 25-jährige Felix im Gespräch mit unserer Zeitung. Insgesamt 13 Wochen wird er in Münchwies stationär behandelt.

Bis zu 16 Stunden täglich hat er am Computer gesessen. Leider hält der junge Mann sich auch für rückfallgefährdet. „Der PC ersetzt bei dieser Sucht alles andere. Ich habe, wenn der PC weg ist, Angst vor dem Nichts“, erklärt der 25-Jährige. Zudem habe er noch keinen Plan für die Zeit nach der Therapie. Der größte Erfolg in der Therapie sei für ihn das Wiedererkennen der Gefühle. Genau das ist es, was Christian derzeit zu schaffen macht: Die Gefühle, sich in der Therapie mit sich selbst zu beschäftigen. Er hat teilweise bis zu vier oder fünf Tage am Stück gespielt – ohne Schlaf. Die Arbeitslosigkeit hat ihn in diese Sucht getrieben. „Momentan träume ich nachts vom Spielen“, sagt der 26-Jährige. Für rückfallgefährdet hält er sich nicht. „Ich habe zwei Kinder und habe mir deren Namen auf meine beiden Arme tätowieren lassen. Das war mein Schlussritual in Sachen Sucht“, sagt er und fährt fort: „Ich werde alles Menschenmögliche tun, um nicht mehr rückfällig zu werden.“ Und dafür sei die Klinik Münchwies eine gute Stelle.

Das beteuert auch der 19-jährige Benjamin. „Ich habe beim Spielen all das erfahren, was ich im realen Leben gerne hätte. Die Leute haben zu mir aufgeschaut, sind mit ihren Problemen zu mir gekommen. In der virtuellen Welt habe ich mich frei gefühlt.“ Genau deswegen hält er sich für rückfallgefährdet. „Das Spielen ist das, was mir bisher im Leben am meisten gegeben hat.“

Dem 33-jährigen Ralf gibt zwar seine Familie, er ist wie Christian Vater, sehr viel. Dennoch kämpft auch er gegen die Sucht. Bis zu 72 Stunden am Stück hat Ralf gespielt. „Ich konnte nicht aufhören.“

Dass es sich genau bei diesem Argument um ein typisches handelt, bestätigt Holger Feindel. Er ist Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und therapiert Christian, Benjamin, Felix und Ralf. „Wir versuchen in der Therapie, die reale Welt mit einer positiven Bedeutung aufzuladen“, so der Arzt, der erklärt, dass die Zahl der Internet-Süchtigen in den vergangenen Jahren rasant angestiegen ist. „2007 haben wir 25 Patienten in diesem Bereich behandelt, 2008 waren es schon 35, und dieses Jahr werden es wieder mehr sein.“ Vor allem seien es Männer, die wegen Internetsucht behandelt würden.

Felix, Christian, Ralf und Benjamin wollen es schaffen. Sie sind bereit, ihr reales Leben mit positiver Bedeutung aufzuladen.

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