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Internet schafft Frauen-Jobs ab

Ein „typischer“ Frauenberuf wie Erzieherin soll auch in Zukunft Bestand haben. Foto: dpa</p>

Ein „typischer“ Frauenberuf wie Erzieherin soll auch in Zukunft Bestand haben. Foto: dpa

Wie wird sich die Digitalisierung der Arbeitswelt auf die Beschäftigung von Frauen auswirken? Für Gertrud Schmidt fällt die Frauenfrage in der aktuellen Debatte viel zu oft unter den Tisch. „Die Frage ist ja, welche Arbeitsplätze werden in Zukunft wegfallen, welche werden entstehen“, sagt die Expertin für Frauen- und Gleichstellungspolitik bei der Arbeitskammer des Saarlandes. Schaue man sich die Studien dazu unter der Geschlechterperspektive an, so entstünden neue Arbeitsplätze vor allem im Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) und in Führungspositionen, also dort, wo Frauen unterrepräsentiert seien. Mittelfristig gefährdet seien dagegen gerade jene Berufe , die Frauen bisher eine gute Ausbildung und viele Arbeitsplätze bieten. „Es sind die Tätigkeiten in Handel, Banken und Verwaltung wie Sachbearbeitung und Buchhaltung, die durchs Internet ersetzt werden“, betont Schmidt. Bestehen blieben auf der anderen Seite all jene personenbezogenen typischen Frauenberufe wie Friseurin, Kosmetikerin, Pflegerin, Erzieherin, die aber viel zu schlecht entlohnt würden.

Nicht selten entscheiden sich laut Schmidt ausgebildete Friseurinnen oder Bäckereifachverkäuferinnen nach einigen Jahren, in die industrielle Fertigung, ans Fließband, zu wechseln, um mehr zu verdienen. Dort verrichteten sie wiederum genau jene einfachen Tätigkeiten, die die Industrie 4.0 automatisieren werde. Und noch einen Trend beobachtet die Arbeitskammer-Expertin mit Besorgnis: Über Internet-Plattformen wie helpling.de könne man sich schon heute Reinigungskräfte nach Hause bestellen. Da werde Arbeit auf Abruf in Solo-Selbständigkeit ohne Sozialversicherung befördert. „Das ist das weibliche Pendant zu Uber“, sagt Schmidt mit Blick auf die Privat-Taxi-Firma.

Sieht die Zukunft für die Mehrheit der erwerbstätigen Frauen also düster aus? Auf jeden Fall werde es immer schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt ohne Qualifikation Fuß zu fassen, sagt Sabine Birk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Regionaldirektion Saarland-Rheinland-Pfalz der Bundesagentur für Arbeit . Sie weist noch auf ein weiteres Problem hin: Bisher wählten viele Mädchen speziell auch deswegen einen Beruf in der Pflege oder im Verkauf, um möglichst wenig mit Technik zu tun zu haben. „Künftig werden sie nicht mehr umhinkommen, sich stärker mit technischen Anforderungen vertraut zu machen, denn auch in typischen Frauenberufen werden Technik, Steuerung und digitale Instrumente eine Rolle spielen“, sagt Birk. Schon von klein auf, in der Kita und in der Schule, müssten Mädchen daher in Technik gefördert und für Mint-Berufe begeistert werden, betont Birk.

Und noch eine zweite Herausforderung für Frauen hebt die Arbeitsmarkt-Expertin hervor. Die Arbeitswelt entwickle sich so rasant, dass Frauen es sich nicht mehr leisten könnten, wegen Kinderbetreuung oder Pflege für zwei, drei Jahre völlig auszusteigen. „Sie müssen versuchen, den Kontakt zu halten und dafür muss es auch Angebote von Unternehmen geben, sonst ist die Wiedereingliederung unmöglich“, erklärt Birk.

Frauen müssten gerade im Saarland die Möglichkeit bekommen, aus Teilzeit, vor allem aus kurzer Teilzeit herauszukommen. Da sind sich Schmidt und Birk mit Bettina Altesleben, Expertin beim DGB Saar für Frauen-Gleichstellungspolitik, einig. „Dafür muss sich natürlich die Kita-Situation verbessern, aber das ist nicht das einzige“, sagt Altesleben und verweist etwa auf das Ehegattensplitting und die Lohnunterschiede, die Frauenerwerbstätigkeit behinderten. „Die Arbeit in der Pflege und Erziehung muss weiter aufgewertet und die Mitbestimmung ausgebaut werden, um Risiken wie die Entgrenzung der Arbeitszeit und Chancen wie Entschleunigung im Sinne der Arbeitnehmerinnen mitzugestalten“, sagt Altesleben angesichts zahlreicher Zukunftsaufgaben.

sr.de/themenwoche

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