A8 Saarlouis - Neunkirchen Zwischen AS Neunkirchen/Spiesen und AS Neunkirchen-Oberstadt in beiden Richtungen Aquaplaninggefahr (11:33)

A8

Priorität: Dringend

9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Interview: So planen die neuen Saargummi-Chefs

Mit der Übernahme des insolventen Büschfelder Autozulieferer Saargummi will der chinesische Konzern CQLT seine weltweite Präsenz aufbauen. Die Pläne des Staatsunternehmens erläuterte dessen Chef Wenqing Zhang SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf.

Mit der Übernahme des insolventen Büschfelder Autozulieferer Saargummi will der chinesische Konzern CQLT seine weltweite Präsenz aufbauen. Die Pläne des Staatsunternehmens erläuterte dessen Chef Wenqing Zhang SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf.

Warum hat CQLT so vehement die Übernahme von Saargummi angestrebt?
Zhang: Wir arbeiten seit 15 Jahren erfolgreich mit Unternehmen der heutigen Saargummi zusammen und haben seit 2006 ein gemeinsames Joint Venture für den chinesischen Markt. Dabei haben wir Saargummi als zuverlässigen Partner kennen gelernt. Saargummi bietet auf Grund seiner Nähe zu den Automobilherstellern und seiner innovativen Technologien eine exzellente Plattform, um unsere Präsenz auf Europa und die USA auszuweiten.

Welche Ziele möchten Sie mit dem Kauf erreichen?
Zhang: Zum einen geht es uns darum, die Wettbewerbsfähigkeit von Saargummi auf dem europäischen und amerikanischen Markt zu steigern, um dadurch letztlich den weltweiten Marktanteil der Gruppe zu erhöhen. Zum anderen wollen wir die Beziehung zu den Autobauern weiter ausbauen.

Welche Rolle soll die Autozuliefer-Sparte in Ihrem Konzern künftig spielen? Und welche strategische Funktion kommt dabei Saargummi zu?
Zhang: Der Bereich Automobilzulieferung ist der Teil von CQLT, der in den letzten Jahren am stärksten gewachsen ist. Mittlerweile macht dieser Bereich etwa ein Viertel unseres Umsatzes aus. Hier erwarten wir auch weiteres Wachstum. Unter der Führung von Saargummi in Deutschland wollen wir deshalb unsere Marktpräsenz in Europa und den USA ausbauen und die Expansion in wichtigen Wachstumsmärkten wie China, Russland oder Indien vorantreiben.

Hätten Sie sich je träumen lassen, dass die deutschen Saargummi-Mitarbeiter so viele Vorbehalte gegen einen chinesischen Investor haben?
Zhang:  Wir haben die Reaktionen zunächst einmal nicht als eine ablehnende Haltung gegenüber uns als chinesischem Investor gesehen, sondern vielmehr als Ausdruck der Sorge der Mitarbeiter um die Zukunft der Saargummi-Gruppe und um ihre Arbeitsplätze. Die Sorgen der Mitarbeiter nehmen wir sehr ernst und sind deshalb sehr glücklich, dass wir mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG BCE eine Einigung erzielen konnten. Der Standort ist zu wichtig, als dass wir unsere Wachstumsstrategie ohne die Unterstützung der Mitarbeiter umsetzen könnten. Wir müssen hier an einem Strang ziehen.

Viele haben die Angst geäußert, CQLT wolle auf lange Sicht das Büschfelder Werk nach China verlagern.
Zhang: Die Bedenken der Mitarbeiter, dass Aktivitäten nach China verlagert werden, sind – auch langfristig – unbegründet. CQLT macht diese umfangreiche Investition nicht, um die Technologie zu erwerben. Die Technologie der Saargummi-Gruppe ist eng verknüpft mit dem Standort Büschfeld und den dortigen Mitarbeitern sowie der Marke Saargummi. Das kann man nicht trennen. Ein anderer Aspekt ist, dass, nur wenn die Zusammenarbeit mit den Autoherstellern vor Ort gut funktioniert, Unternehmen wie Ford, GM, Daimler, BMW und VW auch in anderen Märkten wie zum Beispiel China mit uns zusammenarbeiten werden. Daher müssen wir hier den Standort stärken und die Kundenbeziehungen ausbauen, damit wir von Deutschland aus die Aktivitäten weltweit ausbauen können.

Was will CQLT als erstes tun, um das Büschfelder Werk wieder profitabel zu machen?
Zhang: Erst einmal werden wir die Kosten senken. Das ist der Grund, warum wir Losheim und Büschfeld zusammenlegen. Dann werden wir uns in den nächsten Wochen alle Prozesse sehr genau ansehen, um zu sehen, wie wir hier auch kurzfristig die Effizienz steigern können. Ebenso wichtig ist aber, dass wir die Qualität und Zuverlässigkeit bei der Belieferung verbessern.

Wofür sind die zugesagten Investitionen in Höhe von mindestens 15 Millionen Euro gedacht?
Zhang: Wir werden zum einen in die bestehenden Anlagen investieren und zum anderen in den Bereich Forschung und Entwicklung.

Wie wird es mit der Saargummi-Tochter Elatech in Losheim weitergehen?
Zhang: Es macht wirtschaftlich wenig Sinn, die beiden Standorte Büschfeld und Losheim parallel zu betreiben, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Deshalb wollen wir die Elatech und einen großen Teil der Arbeitnehmer in den Standort Büschfeld integrieren – und zwar kurzfristig.

Eckpunkte des Sanierungstarif-Vertrags
CQLT und die Arbeitnehmer verständigten sich auf Jobgarantien und Lohnverzicht



Wadern. Der chinesische Konzern CQLT und die Arbeitnehmer haben sich vor einer Woche nach dramatischen Verhandlungen auf die Eckpunkte eines Sanierungsvertrags für den insolventen Büschfelder Autozulieferer Saargummi verständigt (wir berichteten). Damit war der Weg frei für eine Übernahme. Morgen soll das Abkommen auf einer Betriebsversammlung erläutert werden. Offen war gestern nach Firmenangaben noch, ob auch CQLT-Chef Wenqing Zhang selbst kommt oder er einen Vertreter schickt. Der Vertrag, der zum 1. Juni in Kraft treten soll, enthält nach Angaben von Betriebsratschef Arno Dühr folgende Kernpunkte: eine fünfjährige Standort- und Jobgarantie für Büschfeld. Die Garantie gilt für 737 von derzeit 783 unbefristeten Vollzeit-Arbeitsplätzen. Nicht berücksichtigt sind in diesen Zahlen Mitarbeiter in Elternzeit, Altersteilzeit oder Mutterschutz sowie Lehrlinge und Dauer-Kranke. Abgebaut werden sollen höchstens 111 Stellen – inklusive Leiharbeit –, und das weitestgehend ohne Kündigungen. Die Arbeitnehmer verzichten auf zehn Prozent des Lohns im Vergleich zu den Tarifentgelten. „Das ist aber dasselbe Niveau wie vor der Insolvenz“, sagte Dühr. Die Wochenarbeitszeit beträgt 39 Stunden, zwei Stunden mehr als nach Tarif, eine Stunde weniger als in der Insolvenz. mzt

Hintergrund
Der staatseigene Mischkonzern Chongqing Light Industry & Textile Holding (CQLT) ist unter anderem in den Sparten Autoteile, Beleuchtung, Textilien, Getränke sowie Bau- und Verpackungsmaterialien tätig. CQLT machte 2010 mit 21?000 Mitarbeitern 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Dem Vernehmen nach zahlt CQLT für Saargummi 67 Millionen Euro. Offiziell wollte das Unternehmen den Preis nicht bestätigen. Saargummi erzielte mit etwa 4400 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 360 Millionen Euro, davon 320 Millionen Euro mit Dichtungssystemen für Autos. mzt

 Zur Person
Wenqing Zhang wurde 1956 in Shanghai geboren. Nach der Schule schuftete er zwölf Jahre lang als einfacher Arbeiter in einer Fabrik für Textilmaschinen. 1982 begann er nach CQLT-Angaben mit einem berufsbegleitenden Studium und stieg danach ins Management der Fabrik ein. Nach einem weiteren Studium machte er Karriere an der Spitze verschiedener chinesischer Unternehmen. Seit 2009 leitet er CQLT. red
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein