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Islam-Unterricht startet in vier Saarbrücker und Völklinger Grundschulen

. Mit „Allahu akbar“ werden die Erstklässler der Saarbrücker Grundschulen Kirchberg und Füllengarten sowie der Völklinger Grundschulen Bergstraße und Haydnstraße, die ab nächstem Schuljahr am Islamunterricht teilnehmen, nicht auf Arabisch von ihren muslimischen Lehrern begrüßt. Denn dass „Gott am größten“ ist, wird ihnen ihr Lehrer auf Deutsch vermitteln.

„Der Unterricht in dem vierjährigen Modellversuch ist bekenntnisorientiert und findet in deutscher Sprache statt“, sagte Kultusminister Ulrich Commerçon ( SPD ) gestern vor Journalisten in der Staatskanzlei. Das Angebot sei für die Suche junger Menschen nach einer eigenen Identität genauso wichtig wie für die Werteerziehung. Er sei froh, dass es gelungen sei, zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft muslimischer Vereine den Modellversuch zu konzipieren. Seit Herbst 2013 hätten Vertreter der Landesregierung und islamischer Verbände, angeführt von dem Verein Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), an dem Konzept gearbeitet. Die Integrationsbeauftragte und Sozialministerin Monika Bachmann ( CDU ) nannte den Modellversuch „eine Bereicherung für unser Bundesland“.

Wie viele Schüler an den vier Modellschulen muslimischen Glaubens sind, sei nicht ganz klar, da die Eltern ihre Religionszugehörigkeit nicht angeben müssten, hieß es. Im Saarland gebe es 8600 muslimische Schüler, teilte Commerçons Ministerium später mit.

Commerçon sagte, dass es erst ab 2020 Islam-Lehrer in Deutschland mit Staatsexamen gebe, nur drei Hochschulen bieten die Ausbildung an. Im Saarland würden muslimische Lehrer und „Seiteneinsteiger“ im Lehrerfortbildungsinstitut auf die Aufgaben vorbereitet. Zu den beiden Lehrern, die im September mit ihrem Unterricht in den Ersten Klassen der vier Grundschulen beginnen sollen, werde im kommenden Schuljahr ein weiterer Lehrer hinzukommen, so Commerçon.

Der Saarbrücker Rechtsanwalt Rasim Akkaya, Chef von Ditib Saar, sagte, er sei froh, dass der Modellversuch nun starten könne. Voraussetzung sei gewesen, Einigkeit innerhalb der islamischen Religionsgemeinschaften zu erzielen, was durch die Kleinheit des Saarlandes besser gelungen sei als in anderen Bundesländern. „Muslime werden sich nun noch mehr als Teil der saarländischen Gesellschaft fühlen“, sagte Akkaya. Der Islam-Unterricht unter staatlicher Aufsicht garantiere zudem, dass der „ Islam richtig gelehrt wird“, betonte Akkaya. Damit werde „falschen Islamdarstellungen“ der Wind aus den Segeln genommen. Worauf Akkaya damit anspielte, war allen Teilnehmern der Pressekonferenz in der Saarbrücker Staatskanzlei klar. Jeden Abend laufen die Bilder des grausamen Terrors der Kämpfer des Islamischen Staats (IS) im Fernsehen.

 

Meinung:
 

Glauben in der Spur halten

Von SZ-RedakteurDietmar Klostermann

Der Islam-Unterricht an Saarschulen bringt zwei entscheidende Vorteile: Zum einen wird den Muslimen im Saarland damit bewiesen, dass der Staat sie ebenso hoch schätzt wie ihre christlichen Mitbürger. Zum anderen haben Schüler künftig sehr früh die Chance, einen Islam kennen zu lernen, der auf den Prinzipien von Toleranz und Menschenwürde fußt. Wenn durch diese frühe Prägung verhindert würde, dass Jugendliche den Islam „falsch“ verstehen und den Hasspredigern folgen, wäre sehr viel erreicht. Ditib-Saar-Chef Rasim Akkaya hofft zurecht: den „falschen Islamdarstellungen“ werde der Wind aus den Segeln genommen. Jetzt liegt es an den Eltern , ob sie ihren Kindern die Chance geben.
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