L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Ist Burschenschaft "Ghibellinia" in SB rechtsradikal?

Von SZ-Redakteur Johannes Kloth

Saarbrücken. Es waren schwere Geschütze, die Linken-Vize Heinz Bierbaum am Montag auffuhr. Der Generalsekretär der Landes-CDU, Roland Theis, fühle sich im rechtsradikalen Milieu wohl, sagte Bierbaum in Bezug auf Theis’ Rede beim Neujahrsempfang der Saarbrücker Burschenschaft Ghibellinia 2010 (wir berichteten). War Bierbaums Empörung echt oder inszeniert? Klar ist: Neben Theis sind bereits etliche hiesige Spitzen-Politiker bei Ghibellinia- Treffen aufgetreten oder haben die Burschenschaft mit Grußworten oder Spenden beehrt. Der Journalist Wilfried Voigt, der mit seinem Buch „Die Jamaika-Clique“ die Debatte anstieß, nennt unter anderem den damaligen FDPChef Christoph Hartmann, CDU-Fraktionschef Klaus Meiser, Ministerpräsident Peter Müller (CDU), den früheren SPD-Ministerpräsident Reinhard Klimmt und Saar-Uni- Präsident Professor Volker Linneweber. Selbst Oskar Lafontaine streitet einen Auftritt in seiner Zeit als Saarbrücker SPD-Oberbürgermeister nicht ab. In den vergangenen Jahrzehnten, so teilt die Burschenschaft selbst mit, hätten „unzählige Personen aus Politik, Wirtschaft, Hochschulen und Gesellschaft“ an ihren Veranstaltungen teilgenommen. Dies sei Ausdruck der eigenen politischen Pluralität.

Elitedenken, Frauenfeindlichkeit, Saufrituale – die Klischees über Burschenschaften sind bekannt. Aber rechtsradikal? Ghibellinia-Mitglied Wolfgang Herges, der sich selbst als Wechselwähler bezeichnet, hält das für absurd. Das politische Spektrum der Mitglieder sei vielfältig. Für Rechts- und Linksextreme gelte ein internes Aufnahmeverbot.

Alles ganz normal also? Singen die Ghibellinen Lieder wie „Deutsch ist die Saar“ tatsächlich, weil sie „so schön“ sind, wie Herges sagt? Fakt ist, dass die Ghibellinia in einem Dachverband organisiert ist, der bereits in den 70er Jahren einen Beschluss fasste, kein Aufnahmeverbot für NPD-Mitglieder zu verhängen. Dieser Verband „Deutsche Burschenschaften“ ist selbst in der Szene umstritten. In jüngster Zeit verließen ihn immer wieder Burschenschaften wie die Frankonia Gießen, weil er sich in ihren Augen nicht genügend vom Rechtsextremismus abgrenze.

In der Rubrik „Personalien“ der Verbandszeitung „Burschenschaftliche Blätter“ (Online einzusehen) wird im März 2010 dem Saarbrücker „Bundesbruder“ Herges mit einer Eloge zum 50. Geburtstag gratuliert. In derselben Rubrik gratuliert man hier ebenso wortreich Herwig Nachtmann – dem langjährigen Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift „Die Aula“. Überhaupt kann man staunen, was man in dem Blatt so zu lesen bekommt: In einer Ausgabe fordert der sächsische NPD-Abgeordnete Arne Schimmer (Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen) mit Blick auf das Dritte Reich ein „Ende der sogenannten ,Vergangenheitsbewältigung’“, die „längst zu einer bösartigen Zivilreligion geworden“ sei. An anderer Stelle nimmt ein Autor eine Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Nazis vor. Die Ghibellinia ist Mitglied im „Ostdeutschen Bund“ und als solches befreundet mit den Burschenschaften Allemannia Graz, Bruna Sudetia Wien und Libertas Brünn, deren Dachverband von Experten wie dem Historiker Dietrich Heither als ultrarechts eingeordnet wird.

Hier vertritt man die Meinung, nach dem Krieg habe „keine freiwillige Abtretung der Ostgebiete stattgefunden“, es liege „eine einseitige Verletzung des Völkerrechts“ vor.

Kritiker halten auch die nicht aufgearbeitete antisemitische Vergangenheit der Ghibellinen für unerträglich. In Prag habe sich die Burschenschaft in den 1920ern maßgeblich an antisemitischer Agitation beteiligt, sagt Erich Später von der Heinrich Böll Stiftung Saar. Die Ghibellinia bestreitet das.

Die angegriffenen Politiker reagieren abwehrend auf das Thema. CDU-Fraktionschef Meiser spricht von „Popanz“, Reinhard Klimmt nennt die Diskussion „albern und lächerlich“. Unipräsident Linneweber sagt, wenn er den Eindruck gehabt hätte, es habe sich um eine rechtsextreme Veranstaltung gehandelt, wäre er der Einladung nicht gefolgt. Seine Studenten sehen das anders. Der Asta teilte mit, es sei kaum zu unterscheiden, ob eine Burschenschaft lediglich erzkonservativ oder schon rechtsradikal sei. „Diese Unschärfe in dem Milieu der Burschenschaften sehen wir äußerst kritisch.“

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