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Ist das Nachtleben in Gefahr? Diskussion über Zukunft des Nauwieser Viertels geht weiter

Dass Wohnen und Gastronomie (hier in der Cecilienstraße) gut nebeneinander funktionieren, ist großes Anliegen der Initiative Nauwieser Viertel.

Dass Wohnen und Gastronomie (hier in der Cecilienstraße) gut nebeneinander funktionieren, ist großes Anliegen der Initiative Nauwieser Viertel.

 Nicht alles, was gut klingt, ist auch wirklich gut. Was den Umbau des ehemaligen Canapé-Gebäudes am Ophüls-Platz zum Restaurant mit Tagungsräumen und Laden angeht, ist die Initiative Nauwieser Viertel (INV) jedenfalls skeptisch. Man sei gegenüber „neuen Konzepten, die mehr Belebung und Vielfalt ins Viertel bringen, durchaus aufgeschlossen“, sagt INV-Sprecherin Lieselotte Hartmann. Die Initiative sehe „aber auch mögliche Risiken für die Gesamtentwicklung des Viertels“.

Dass die m&r Beteiligungsgesellschaft mbH das ihr gehörende Gebäude neu nutzen will und dafür entgegen der Bestrebung, keine neue Gastronomie im Viertel mehr zuzulassen, eine Genehmigung bekommen hat, werde „das Quartier eher verbessern als weitere Unruhe bringen“, teilte Stadtsprecher Robert Mertes Mitte März auf SZ-Anfrage mit.

In der INV wird das etwas anders bewertet. „Angesichts der Größe des Vorhabens wird es zu einem spürbar erhöhten Parksuchverkehr kommen. In der verkehrsberuhigten Zone wird verstärkt illegal geparkt werden“, lautet die Prognose. Von der Gastronomie selbst „dürften eher geringe zusätzliche Lärmbelastungen ausgehen“. Es wird aber zusätzlicher Lärm durch draußen stehende Raucher erwartet.

Die INV hoffe, dass „die Besitzer ihre Verantwortung in Bezug auf die Entwicklung des Viertels sehr ernst nehmen“. Hartmann mahnt: „Seit Jahren arbeitet die Initiative eng mit Anwohnern und Geschäftstreibenden, darunter auch den ansässigen Wirten, zusammen, um Konzepte zu erarbeiten, die für alle Viertler verträglich sind. Hier erhoffen wir uns eine gute Kooperation und Kommunikation im Sinne der gemeinsamen Interessen.“

Die FDP-Stadtratsfraktion hat ganz andere Sorgen. Sie kritisiert „die repressive Art, mit der die städtische Verwaltung das Saarbrücker Nachtleben immer mehr beschränkt“. Der geplante Bebauungsplan fürs Nauwieser Viertel sei nur ein Beispiel für „den Regulierungswahn der Verwaltungsspitze im Saarbrücker Rathaus“. Das Vorhaben der Verwaltung, nämlich das „Umkippen des Wohnquartiers in ein Vergnügungsviertel“ zu verhindern, hält die FDP für falsch.

Aus ihrer Sicht ist das Viertel ein Ort, der „schon seit Jahrzehnten aufgrund seiner Vielfalt an Bars und Kneipen bei Studenten und dem jüngeren Publikum sehr beliebt ist“. Indem sie das Viertel „auf Biegen und Brechen nun als Wohnviertel umgestalten“ wolle, missbrauche die Stadt „städtebauliche und - planerische Maßnahmen zur Umsetzung von Einzelinteressen“.

Im Interesse der Stadt sei es aber, das Viertel nicht in erster Linie als Wohnort zu sehen. Die „Nighttime-Economy“ sei „ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor“, sagt der FDP-Stadtverordnete Tobias Raab. In Saarbrücken plane man dagegen, nicht nur das Viertel zu reglementieren. Auch dass Bestuhlung auf dem St. Johanner Markt nur bis Mitternacht möglich sei, findet die FDP falsch. Neue „kreative Zentren, wie beispielsweise am Osthafen Saarbrücken“, sagt Raab, werden von der Stadt zu wenig gefördert.

„Wer will, dass Saarbrücken für Studenten und junge Menschen aus der Großregion attraktiv ist, darf ein lebendiges Nachtleben nicht als Bedrohung oder Gefahr ansehen, sondern sollte Bars, Kneipen und Discos unterstützen“, fordert die FDP . Die Stadt solle also aufhören „immer weitere Verbote aufzustellen“. Im Gegenteil: Die Stadtverwaltung solle mit Gastronomen und Clubbetreibern kooperieren, um „einen großen Beitrag zur Steigerung der Beliebtheitswerte“ Saarbrückens zu leisten.
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